Telekom-Chef Timotheus Höttges baut den Bonner Konzern gründlich um

„T-Venture wird de-facto abgewickelt“

Die Telekom ändert ihre Produkt- und Innovationsstrategie: Unter anderem soll der eigene Beteiligungsarm T-Venture eingestellt werden, an seine Stelle soll eine „neue, ambitioniertere Truppe“ mit einem neuen Namen treten. Das berichtet das Manager Magazin in seiner aktuellen Ausgabe: T-Venture werde „de facto abgewickelt“. Die neue Gesellschaft werde DT Capital Partners heißen, der letzte T-Venture-Fonds solle bis Ende 2015 „leise auslaufen“.

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Dem Bericht zufolge sei man bei dem Telekomkonzern mit den Erträgen bei Beteiligungsverkäufen wie jüngst etwa bei MyTaxi nicht zufrieden gewesen. Das Hamburger Taxi-Vermittungs-Startup war erst vor kurzem an den Daimler-Konzern gegangen, Angaben zum Kaufpreis wurden allerdings nicht gemacht. Auch beim Berliner Startup 6Wunderkinder hatte sich T-Venture Ende 2013 verabschiedet und seine Anteile an den US-VC Sequoia verkauft.

Trotz des ambitionierten Ziels von 30 Milliarden Euro Umsatz mit digitalen Geschäftsmodellen hatte sich die Telekom mit dem Digitalgeschäft bislang überaus schwergetan. Der digitale Kiosk Pageplace wurde längst eingestellt, gleiches gilt für Musicload.

Der nach schier unendlicher Entwicklungsphase vor einigen Wochen vorgestellte Kurznachrichtendienst Joyn – die Antwort der Telekom auf WhatsApp und Snapchat – floppte auf voller Breite. Und die Chancen für den ebenfalls noch jungen Bezahldienst MyWallet dürften gegenüber Angeboten wie etwa dem jüngst vorgestellten Apple Pay eher überschaubar sein.

Mehr Erfolg hatte die Telekom da schon mit Partnerschaften, etwa jener mit dem Musik-Streamingdienst Spotify. Zuletzt hatte man sich verheißungsvoll mit dem US-Startup Humin zusammengetan, um Smartphones sozialer zu machen. Laut dem Manager Magazin wird das Partnering nun voll an die Innovationsabteilung angedockt, gleiches gilt für das Basteln am Zukunftsgeschäft „vernetzte Welt“, das davor weitgehend T-Systems zugeordnet war.

Der Umbau im Produkt- und Entwicklungsbereich ist weitreichend. Dem Bericht zufolge sollen mehrere hundert Stellen wegfallen. Zu Details wollte sich die Telekom nicht äußern, gegenüber Gründerszene wurde aber eine Neustrukturierung im Bereich Venture Capital und Startup-Finanzierung bestätigt. Ob beziehungsweise wie sich diese auf den Telekom-Inkubator Hubraum auswirken wird, wollte man ebenfalls nicht genauer kommentieren – bislang wurde die Finanzierung bei Hubraum-Startups ebenfalls über T-Venture abgewickelt. Aus Unternehmenskreise ist allerdings zu hören, der Berliner Startup-Brutkasten werde auf jeden Fall fortgeführt.

Bild: Telekom