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Noel Schäfer studiert BWL und gründete zusammen mit Martin Pietrowski Telepano

Als die Freunde Noel Schäfer und Martin Pietrowski im letzten Jahr das Startup Telepano gründen, sind sie gerade einmal 19 Jahre alt. Beide wohnen noch Zuhause, studieren BWL und Informatik und führen auf dem Weg zur Uni bereits die ersten Akquise-Gespräche über das Smartphone. Ihr Startup bietet interaktive 360-Grad-Aufnahmen, die online zur Verfügung gestellt werden. Die Panoramen können dann mit Zusatzinformationen wie etwa aktuellen Angeboten angereichert werden. Sollte das Konzept aufgehen, wollen die beiden Studenten auch in weitere Geschäftsbereiche vordringen. Junggründer Noel Schäfer im Interview.

Noel, wie kam es zur Gründung von Telepano?

Ich war schon immer IT-affin und da mein Kollege mein bester Freund ist und wir auch schon vorher zusammengearbeitet haben, haben wir es selbst in die Hand genommen.

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In einem anderen Unternehmen habt ihr bereits etwas ähnliches gemacht.

Das alte Unternehmen war eine Marketing-Agentur mit mehreren Produkten. Das 360-Grad-Panorama, für das wir verantwortlich waren und das wir produzierten, war nur ein Bestandteil von vielen. Da es mit der Geschäftsführung aber nicht lief, hat es sich auseinandergelebt.

Und wie läuft es jetzt?

Es läuft viel entspannter, da man nun den Kunden direkt anruft und zu einem Entschluss kommt. Vorher hatte man Feedback für den Vorgesetzten, aber der wollte das nicht hören. Jetzt haben wir in wenigen Wochen das Produkt so vorangetrieben wie vorher nicht in über zwei Jahren.

Das Wort „entspannt“ hört man von Unternehmern in der Anfangsphase ziemlich selten.

Es ist relativ entspannt, weil wir Handy-Kinder sind, die das Smartphone und Notebook eh ständig in der Hand haben und Mails schon auf dem Weg zur Uni beantworten. Der unentspannte Teil ist die Akquise. Da merken wir gerade selber, dass wir erst einmal die Vertriebskanäle erschließen müssen.

Wie sieht Dein Tagesablauf aus?

Morgens stehe ich wegen der Uni sowieso früh auf. Danach werden direkt die E-Mails und News aus der Startup- und Kameratechnik-Szene gecheckt. Wir führen dann Kundengespräche, machen PR, bearbeiten Xing. Es ist im Prinzip alles verflochten. Morgens von acht bis zehn Uhr erst Startup, dann Uni und dann wieder Startup, das gibt es nicht.

Wollt ihr weiter wachsen oder reicht euch die aktuelle Größe?

Wir haben uns in unserer Heimatstadt schon ausgebreitet, als nächstes kommt der Niederrhein und dann das Ruhrgebiet. Wir schauen gerade, wo sich die zahlende Kundschaft befindet. Die Nachfrage scheint aber überall vorhanden zu sein.

Habt ihr einen konkreten Zwei- oder Drei-Jahres-Plan?

Für dieses Jahr planen wir noch mit bis zu zwei innovativen Produkten, die wir in unser Angebots-Portfolio aufnehmen wollen. Wir loten gerade noch aus, ob sich das lohnen wird. Man kann viele nette Sachen machen, aber ob die Leute dafür auch bereit sind mehrere hundert Euro zu zahlen ist wieder eine andere Sache. Man kann einen Haarschnitt für 20 Euro haben. Man kann aber auch einen für 500 Euro beim Star-Friseur kriegen.

Seid ihr der Star-Friseur?

Nein, aber wir haben ein Premium-Produkt.

Wie viel kosten eure Produkte?

Es geht los bei 180 Euro für einen Standpunkt und geht hoch bis zu 1.750 Euro für zwanzig Standpunkte.

Wie läuft so eine Panorama-Aufnahme ab?

Wir gehen hin, nehmen das ganze im HDR-Verfahren auf, sortieren die Bilder Zuhause, bearbeiten sie nach und setzen sie zusammen. Danach wird es online für den Kunden aufbereitet. Viele wollen noch zusätzliche Informationen einblenden, wie etwa aktuelle Angebote.

Was für weitere Produkte wollt ihr zukünftig anbieten?

Da wir beide Video-begeistert sind, liegt der Ausblick auf 360-Grad-Videos. Man könnte damit beispielsweise Festivals erlebbar machen. Das ist eine Marktlücke, die wir schließen wollen.

Kannst du aktuelle Zahlen nennen?

Das ist noch alles recht überschaubar, wir haben allerdings auch erst im Oktober 2014 gegründet, dann viel optimiert und im Januar mit der Akquise begonnen. Jetzt im Frühling und in den Sommermonaten geht es dann wirklich an die Arbeit.

Könnt ihr trotzdem bereits von den Einnahmen leben?

Wir befinden uns in der Sicherheit, noch Zuhause zu wohnen. Leben können wir davon noch nicht, da wir bisher das Equipment und die Technik refinanzieren. Gerade wollen wir uns ausprobieren, aber langfristig damit ein Standbein aufbauen.

Was, wenn ihr auch langfristig nicht davon leben könntet?

Dann haben wir dem Ganzen wenigstens eine Chance gegeben. Aber erstmal muss es anlaufen. Bisher kann man noch gar keine Schlüsse ziehen. Sollte es aber so kommen, dann würden wir Entrepreneurship dennoch weiter leben. Man lernt viele coole Leute kennen und jeder hat viele neue Ideen. Man könnte überall einsteigen. Ich würde nicht ganz aus der Szene verschwinden.

Ihr kommt aus Moers. Das ist nicht gerade eine Startup-Hochburg.

Ich finde es schade, dass man immer nur von Berlin oder Hamburg liest. Wir haben hier in Düsseldorf zwar eine Uni, die als Gründer-Uni ausgezeichnet wurde, aber ansonsten gibt es keine Szene und keinen Austausch. Es gibt hier viele ältere Leute, die neu gründen und etwas mit Handel machen. Aber das ist für mich kein Startup. Startup ist für mich digital: junge Leute, die ein cooles Produkt machen.

Ihr seid beide noch relativ jung. Gab es deshalb bereits Probleme?

Die Reaktionen sind gemischt. Teilweise haben wir uns nicht ernst genommen gefühlt. Andere wiederum waren positiv überrascht, weil wir ja auch ein neues, junges Produkt anbieten.

Noel, vielen Dank für das Gespräch.

Bild: Telepano