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Bislang kannten wir diese Art der Bestellung von Cola-Automaten: Getränk auswählen, bezahlen, auf einen Knopf drücken und schon poltert die Flasche unten in das Fach des Automaten. Mit seinem Dash-Button will Amazon dieses einfache, eingeübte Verhalten in unser heimisches Leben bringen. Überall in unserer Wohnung sollen wir die kleinen Knöpfe festkleben. Und ist einmal das Hundefutter, Klopapier oder die Mülltüte alle, reicht es, den Knopf zu drücken. Bereits am kommenden Tag wird das Klopapier geliefert.

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Gerade erst hat Amazon seine Buttons auch in Deutschland eingeführt. Für mich als Kunde mit Amazon-Prime ist das eigentlich ein ideales Angebot. Denn ich kaufe ungern Alltagsprodukte wie Waschmittel oder Putzzeug ein. Ich entscheide mich für den Button von Ariel, der künftig dafür sorgen soll, dass ich nie wieder Waschmittel schleppen muss.

Der Button ist bereits einen Tag nach der Bestellung da, das kleine Gerät kostet fünf Euro, die ich beim Einkauf aber wieder gutgeschrieben bekomme. Über die Amazon-App lässt sich der Button innerhalb von wenigen Minuten einrichten. Er muss mit meinem WLAN verbunden sein und ich kann aussuchen, welches Waschmittel von Ariel ich gerne haben würde.

Sobald ich jetzt auf den Knopf in meinem Badezimmer drücke, leuchtet ein grünes Licht auf und die Bestellung geht raus. In der App kann ich beobachten, dass die Bestellung bereits nach wenigen Sekunden erfolgt ist. Eigentlich müsste ich jetzt damit glücklich sein, alles funktioniert reibungslos. Trotzdem überzeugt mich das Angebot von Amazon nicht. Der Ariel-Button wird wohl mein einziger bleiben. Wieso?

1. Problem: Die Frequenz der Bestellung

Ich brauche nicht wirklich häufig neues Waschmittel, eine Packung hält für 100 Waschgänge. In einem Zwei-Personen-Haushalt reicht diese Packung also schonmal vier bis fünf Monate. Ich drücke den Button also etwa zwei- bis dreimal pro Jahr. Für eine Familie ist dieser Button wahrscheinlich sehr viel sinnvoller. Amazon hat in den USA bereits die Erfahrungen gemacht, dass die Kunden mit Dash-Button das Angebot nur sporadisch nutzen. Weniger als die Hälfte der US-Nutzer gab überhaupt eine Bestellung auf. Wer jedoch bestellte, drückte seinen Knopf nur einmal in zwei Monaten, heißt es vom US-Marktforscher Slice Intelligence in einer Studie.

2. Problem: Das Gerät

Mein größtes Problem als Verbraucher besteht darin, an die verschiedenen Alltagsprodukten zu denken, die ich regelmäßig brauche. Beispielsweise Duschgel, Putzmittel und das Waschmittel. Dieses Problem löst der eine Button nicht.

Allein im Bad müsste ich etwa vier Buttons anbringen. Das sieht nicht gut aus, wenn in meinem kleinen Bad überall diese Dinger kleben. Ich würde mir also ein Gerät mit zumindest drei Knöpfen wünschen, die ich einem bestimmten Produkt zuordnen kann. Genau so einen Button würde ich mir dann auch in die Küche hängen, beispielsweise für Nudeln, Reis und Spülmaschinen-Tabs. Technisch wäre das kein Problem.

Übrigens passt das Gerät auch nicht für alle Situationen: Wer hängt sich schon einen Kondom-Button von Durex neben das Bett? Der Hohn aus dem Netz folgte umgehend.

3. Problem: Das Branding

Ein individualisierter Dash-Button ist schon wegen des Branding nicht möglich, denn bislang sind die etwa 30 Buttons bestimmten Marken zugeordnet, sie bezuschussen das Angebot stark. Ariel und Persil bietet Waschmittel, Pedigree Hundefutter oder Gillette Rasierklingen. Das schränkt das Angebot natürlich stark ein. Mein Dusch-Gel ist beispielsweise bislang noch nicht verfügbar. Und für den Gebrauch in der Küche gibt es statt Nudeln von Barilla, Leinsamen von der Marke Bio-Zentrale. An dieser Stelle muss Amazon sein Angebot noch deutlich ausbauen.

Dash Ordersystem: Amazon braucht zum Bestellen keine Menschen mehr

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Wer künftig Toilettenpapier braucht, drückt einfach auf einen Knopf an der Wand – und Amazon liefert. Doch das ist nur ein Zwischenschritt.

4. Problem: Wenig intelligent

Der aktuelle Button besitzt nur eine simple Technik, Amazon kann damit allerdings analysieren, wie oft die Leute bestimmte Produkte kaufen. Der Dienst ist dabei für Amazon nur der Anfang. Der Logistik-Riese hat angekündigt, künftig die Technik in Geräten zu verbauen, die mit dem Internet verbunden sind. Wenn die Druckertinte beispielsweise alle ist, bestellt der Drucker automatisch die nächste Patrone.

Die heutige Version des Dash-Buttons überzeugt mich nicht. Eine einfache App als Dash-Button-Ersatz wäre für mich praktischer. In dieser App könnte ich mir individualisiert etwa sieben Knöpfe mit bestimmten Produkten zuordnen. Das würde ich lieber machen, als meine Wohnung mit Buttons zuzukleistern. Und mein Smartphone habe ich sowieso immer dabei. Auch auf dem Klo.

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Bild: Caspar Schlenk/Gründerszene