201609_Gruenderszene_Top_oder_Flop_zalon

„Aufregend“ fand ich die Looks jetzt nicht gerade. Eher solide. Und ganz schön teuer.

Für mich gibt es einen großen Nachteil beim Online-Shopping: Die Masse der Artikel erschlägt mich. Wie soll ich aus 387 verschiedenen Hosen die richtige für mich auswählen? Mir macht das einfach keinen Spaß. Viel weniger Spaß, als durch richtige Geschäfte zu bummeln. Zalando bietet seit einiger Zeit einen Service, der den Kunden diese aufwändige Recherche-Arbeit abnimmt. Zalon stellt einen persönlichen Einkaufsassistenten zur Verfügung, der aus dem unüberschaubaren Angebot die richtige Vorauswahl treffen soll. Wir haben getestet, ob das funktioniert und für wen so ein Dienst die richtige Lösung sein kann.

Was für ein Typ bin ich eigentlich?

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Es geht los mit einer kleinen Stilauswahl auf der Zalon-Website. Ich muss mich entscheiden, welcher Stil zu mir passt. Natürlich, experimentell oder Business zum Beispiel. Dazu gibt es Fotos von beispielhaften Outfits. Das ist ganz anschaulich. Ich mag es sportlich-elegant. Auch mal minimalistisch. Jedenfalls stelle ich mir vor, dass das ganz gut zu mir passen könnte. Dann werden mir Marken vorgestellt, die ich auswählen kann. Da ist wirklich alles dabei, was ich so kenne. Mal sehen, was meine Styling-Beraterin mit einer Mischung aus Ben Sherman, Topman, Filippa K, Hugo und Cinque anfangen kann.

Im dritten Schritt muss ich angeben, welche Kleidungsstücke ich gerne trage. Oberteile wie T-Shirts, Jacket oder Strickjacke zum Beispiel. Dazu meine Größe und die gewünschte Preisspanne. Am Ende hat Zalon einen ziemlich guten Eindruck von meinem Kleidungsgeschmack. Man kann auch dazu schreiben, was man auf keinen Fall mag. Oder andere Hinweise geben und Fotos von sich hochladen. Zum Schluss stellen sich mir drei Styling-Expertinnen vor. Ich wähle Madlen.

Bin ich wirklich so blau?

Aus meinen Angaben stellt mir Madlen zwei Looks zusammen. Einen für das Büro und einen für die Freizeit. Untereinander kombinierbar, wie sie betont. Bevor ich die Sachen bekomme, wird mit per Mail genau angekündigt, was Madlen für mich ausgesucht hat. Das sieht alles vielversprechend aus. Ich klick auf Ok und zwei Tage später ist die Zalon-Box mit der Kleidung im Büro.

Alles ist sehr hübsch verpackt. Und alles ist blau! Bin ich so blau? Doch. Das kommt schon ganz gut hin. Blau im Sommer, schwarz im Winter. Ich schaue mir die Sachen genauer an und bin überrascht, wie genau Madlen und Zalon meinen Geschmack getroffen haben. Das sind alles Sachen, die ich tragen würde. Bis auf ein paar Schuhe, die mir nicht gefallen. Und den Pullover, der nicht zu mir passt. Es folgt die Anprobe. Und das ist die zweite Überraschung. Die Sachen passen. Eigentlich. Denn wenn etwas passt, dann heißt das nicht, dass es sitzt. Und da gibt es bei allen Kleidungsstücken etwas auszusetzen.

Was wird denn jetzt aus Madlen?

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Es sind nur Kleinigkeiten, aber irgendwas ist immer. Hier etwas zu weit, dort eine Spur zu eng. Das Poloshirt eine Spur zu lang, das andere einen Hauch zu kurz. Wer es nicht ganz so genau nimmt und in Sachen Mode etwas unsicher ist oder einfach nur Zeit sparen will, für den spielt das wahrscheinlich keine große Rolle. Ich überlege einen Tag und spüre einen gewissen Druck, irgendetwas zu kaufen. Die Sachen sind jetzt schließlich da. Und dann die persönliche Beratung, die gefühlte Mühe, die sich Zalon gemacht hat. Was wird aus Madlen? Was passiert eigentlich mit den Sachen, wenn ich sie zurückschicke, schießt es mir durch den Kopf. Egal, ich verpacke alles wieder im Karton, klebe den mitgelieferten Retourenschein auf und bringe das Paket zur Postfiliale. Kein Problem. Alles kostenfrei.

Ein paar Tage bekomme ich die Quittung für die erfolgreiche Rücksendung. Am Ende waren es Schuhe, die ich am liebsten mochte. Aber die waren zu groß. Umtauschen ginge natürlich auch bei Zalon, aber vielleicht gibt es in dieser Stilrichtung noch günstigere Alternativen. Ich schaue mal. Am Wochenende. Im Geschäft.

Foto: Frank Schmiechen