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Börsenmedien AG übernimmt The European

Das Berliner Debattenmagazin The European wird verkauft: Die Börsenmedien AG, das Medienunternehmen des umstrittenen Finanzunternehmers und Verlegers Bernd Förtsch, übernimmt die Mehrheit an dem Magazin. Gründer Alexander Görlach bleibt Chefredakteur und hält weiter 15 Prozent der Anteile. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Förtsch übernimmt 78 Prozent der Anteile des 2009 gemeinsam mit Inkubator Team Europe gegründeten Magazins. Die restlichen sieben Prozent verbleiben bei Altinvestoren. Laut Görlach bleiben unter anderem DCM-Chef Dario Suter, DailyDeal-Gründer Fabian Heilemann, Ex-Debitel-Vorstand Lars Dittrich sowie Marcel Uhlemann von der Hamburger Beteiligungsgesellschaft JCMB investiert.

Der Kulmbacher Verleger Förtsch schien offenbar nicht die allererste Wahl gewesen zu sein: Mit zwei großen Verlagen soll es laut Spiegel Online Verhandlungen gegeben haben, diese seien aber gescheitert. Gegenüber Gründerszene stellt Görlach die Situation anders dar – und zwar so, „dass die beiden großen Verlage, mit denen wir in der vergangenen Zeit gesprochen haben, sich einfach nicht entschließen konnten, auf das Potenzial zu schauen, das The European hat“. Förtsch hingegen habe „dieses Potenzial gesehen und The European gekauft. In meiner Wahrnehmung ist er eben ein Unternehmer, in den Verlagen sitzen bisweilen nur Unterlasser.“

The European war auf Käufersuche, um an dringend benötigtes Wachstumskapital zu gelangen. „Es gab auch Phasen mit schwarzen Zahlen, aber uns fehlt nun das Geld für das Wachstum“, sagte Görlach Spiegel Online.

Das nötige Kapital dürfte Bernd Förtsch ohne große Probleme beisteuern können. Der fränkische Unternehmer, der in der Dotcom-Zeit den Titel „Mister Dausend“ verpasst bekam, gehörte laut Manager Magazin 2013 zu den 200 reichsten Deutschen. Förtsch hatte während der Börseneuphorie um die Jahrtausendwende großen Erfolg als Fondsmanager, dann aber platzte die Dotcom-Blase – und Förtsch wurde als „einer der größten Geldvernichter der Fondsindustrie“ gesehen.

Mittlerweile hat Förtsch in Kulmbach ein kleines Beteiligungsimperium errichtet, ihm gehören das Börsenmagazin Der Aktionär, der TV-Sender DAF oder der Online-Broker Flatex. Im Sommer 2013 berichtete die Wirtschaftswoche über „mysteriöse Geldkreisläufe“ innerhalb seines Firmengeflechts.

Bei Förtschs Börsenmedien AG soll The-European-Gründer Görlach in Zukunft eine wichtige Rolle spielen: Er werde eine „Querschnittsfunktion bei der Börsenmedien AG für den Bereich Politik“ einnehmen und den Verlag bei Zukäufen „strategisch beraten“.

Görlach hatte erst vor knapp einem Jahr die Anteile des Gründungsinkubators Team Europe übernommen und war damit für etwa ein Jahr Mehrheitseigner. „Es ist immer gut, wenn der Gründer die Mehrheit an seinem Unternehmen hält“, erklärte er damals gegenüber Gründerszene.

Görlach sagte damals auch: „The European ist online und Print auf einer guten Straße. Wir schließen das Jahr break-even ab.“ Laut Bundesanzeiger war The European davon aber weit entfernt, zumindest was das Ergebnis nach Steuern und Abschreibungen anging: Das Unternehmen beendete das Jahr 2013 mit einem Bilanzverlust von fast 370.000 Euro, dazu kam ein kräftiger Verlustvortrag von 785.000 Euro aus dem Vorjahr. Seit 2012 gibt es das Debattenmagazin auch als gedrucktes Heft. 2013 setzte The European nach eigenen Angaben 700.000 Euro um.

Mit dem Geld des neuen Besitzers will The European nun vor allem das Printmagazin sowie den englischsprachigen Teil des Online-Auftritts fortentwickeln. So soll das gedruckte Heft 2015 bis zu zehn Mal erscheinen.


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Bild: Gründerszene; Mitarbeit: Alex Hofmann