TicketrunnerBois

Die Ticketrunner-Macher Farooq Haider, Florian Eckelmann, Siamak Ghofrani sowie Businesspartner Matthew Mockridge (von links)

Vier Jahre lang war es Florian Eckelmanns Beruf, Partys zu schmeißen. Gemeinsam mit drei Freunden veranstaltete er die Partyreihe Neonsplash. Dort feierten Besucher zu Techno-Beats – und bewarfen sich gegenseitig mit leuchtender Farbe. Sogar umgebaute Konfetti-Kanonen gab es, mit denen Eckelmann und seine Freunde die Partywütigen mit Neonfarben bespritzten.

2015 war Schluss mit der Feierei – auf jeden Fall beruflich. Die Gründer – Florian Eckelmann, Siamak Ghofrani, Matthew Mockridge und David Zimek – verkauften die Neonsplash-Marke. Es sei Zeit für etwas Neues gewesen, so erzählt es Eckelmann. Unternehmer wollten sie aber bleiben.

Im Februar 2016 gründeten Eckelmann und Ghofrani die Online-Plattform Ticketrunner. Ihre beiden Freunde und bisherigen Geschäftspartner Matthew Mockridge, der sich inzwischen einen Ruf als Startup-Coach erarbeitet hatte, und David Zimek starteten andere Projekte, sind aber beratend involviert.

Anzeige

Mit Ticketrunner will das Duo, zu dem später noch CTO Farooq Haider stieß, Veranstaltern helfen, Event-Tickets zu verkaufen. Das wollen sie mit einem Affiliate-Marketing-Konzept erreichen: Nutzer können sich auf der Plattform anmelden, um sich als Ticket-Vermittler zur Verfügung zu stellen. Sie bewerben zum Beispiel ein Event in ihrem Freundeskreis und verschaffen dem Veranstalter so im Idealfall weitere Ticketverkäufe sowie Werbung für die Veranstaltung.

Auch professionelle Influencer haben über Ticketrunner die Möglichkeit, beim Verkauf von Karten etwas zu verdienen. Die Interessenten werden auf die Seite des Ticket-Anbieters zum Kauf weitergeleitet, Ticketrunner trackt den Erfolg der „Runner“.

Bis Mitte Februar befindet sich das Marketing-Tool noch in der Betaphase, eine sechsstellige Summe gab es als Starthilfe von YouPorn-Gründer Fabian Thylmann. Wir haben mit Mitgründer Florian Eckelmann über die Idee hinter Ticketrunner – und den ungewöhnlichen Business Angel des Startups – gesprochen.

Florian, wieso schmeißt Ihr keine Partys mehr?

Wir sind 2011 relativ ungewollt zu Veranstaltern geworden. Eigentlich wollten wir eine Tech-Bude gründen, aber leider konnte keiner von uns programmieren. Deshalb brauchten wir Geld, um Programmierer zu bezahlen. Um an Geld zu kommen, haben wir die Neonsplash-Party-Serie ins Leben gerufen und sind damit dann durch ganz Europa getourt. Innerhalb der vier Jahre haben wir als Veranstalter so ziemlich alles erlebt, was man erleben kann und das hat dann auch gereicht. 2015 haben wir die Marke an einen belgischen Tourveranstalter verkauft, dann war Zeit für etwas Neues. 

Wie kamt Ihr auf die Idee zu einer Marketing-Plattform, mit der sich jeder als Ticketverkäufer zur Verfügung stellen kann?

Wir wissen durch unsere Erfahrung mit Neonsplash genau, wie es sich anfühlt, eine Veranstaltung auszuverkaufen. Wir wissen aber auch, wie es ist, wenn man nicht genug Tickets verkauft hat. Um unseren Kollegen zu helfen und weil wir sehr früh verstanden haben, was für ein wichtiges Asset die Fans für einen Veranstalter sind, sind wir darauf gekommen, Ticketrunner ins Leben zu rufen.

Wie finanziert Ihr Euch?

Unser Angebot funktioniert nur auf Erfolgsbasis, es gibt also keine Vorabgebühren für Veranstalter. Dieser bezahlt uns einen Prozentsatz des Ticketpreises, das er über uns verkauft.

NEONSPLASHBois

Das Neonsplash-Team auf einer Party

Und was bekommen die Verkäufer, die sogenannten Ticketrunner?

Die Ticketrunner bekommen Belohnungen wie VIP-Behandlungen, Gästelistenplätze oder Getränkekarten. Alles rund ums Event. Wir sind der Meinung, dass du als Fan eine ehrliche Empfehlung für ein Event aussprechen sollst. Und nicht wie ein Staubsaugervertreter deine ganzen Freunde und Familie nerven solltest, damit diese zum Event gehen. Du sollst selber Bock haben, zu diesem Event zu gehen. Gleichzeitig bieten wir aber auch eine Option für Runner wie Influencer, die eine Provision bekommen, die vom Ticketpreis abgezogen wird. Der Ticketpreis bleibt für den Ticketkäufer selbstverständlich unverändert.

Warum sucht sich ein Veranstalter nicht einfach selber Influencer?

Du hast auch bei anderen Geschäftsmodellen die Möglichkeit, es selber zu machen – es geht dir aber nicht so leicht von der Hand. Wir bieten für sie einen Ort, wo du deine Rewards einstellst, mit deinen Ticketrunnern kommunizierst, Kommissionen bestimmst und das Ganze sauber tracken kannst.

Was genau trackt Ihr?

Wie viele Karten der einzelne Ticketverkäufer tatsächlich an den Mann gebracht hat. Da wir mit allen großen Ticketing-Provider zusammenarbeiten, ist die Integration für den Veranstalter gut. Er bekommt einen Zahlungsstrom über den Ticketing-Provider, den er sich ausgesucht hat. Wir schieben nur Traffic hin, können aber im Nachhinein sagen, wer wie viele Tickets verkauft hat. Wir sind der Meinung, dass Peer-to-Peer-Marketing die Zukunft für den Verkauf von Eventtickets ist. Du hast den großen Vorteil, dass du als kleines Event Reichweite kreieren kannst. Gleichzeitig kannst du als etabliertes Event durch die Ticketrunner als passionierte Fans Feedback einholen. Zudem schaffst du das für jedes konventionelle Marketing wichtige Grundrauschen, denn es wird natürlich über dein Event geredet.

Was unterscheidet Euch von Konkurrenten wie etwa Seatwave?

Natürlich haben Ticketing-Provider wie Eventim eigene Affiliate-Programme. Du könntest aber etwa über Seatwave von Ticketmaster als Veranstalter keine Tickets verkaufen, wenn du eigentlich beim Ticketing-Provider Paylogic bist. Wir sind aber unabhängig vom Ticket-Anbieter. Zusätzlich steht bei Ticketrunner neben dem monetären Affiliate-Modell unser Rewardsystem mit eventspezifischer Belohnung im Vordergrund.

Anzeige

Finanzielle Unterstützung habt Ihr von Fabian Thylmann bekommen, der 20 Prozent an Ticketrunner hält. Wie habt Ihr den YouPorn-Gründer kennengelernt?

Als wir mit Neonsplash durchgestartet sind, hat er den Kölner Klub Bootshaus gekauft. Wir haben dort Partys veranstaltet und so haben wir ihn kennengelernt – und es gab schon damals Gespräche, ob er nicht die Marke Neonsplash kaufen möchte. Wir sind in Kontakt geblieben und er war die erste Anlaufstelle, als wir für Ticketrunner Geld gesucht haben. Er hat eine starke Affiliate-Historie und ist ein super intelligenter Typ. Ein cooler Investor, der sich eigentlich sehr zurückhält. Uns aber immer unterstützend zur Seite steht, wenn wir unternehmerische oder technische Fragen haben.

Thylmann wird als „Porno-König“ betitelt und wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Kann das Eurem Image als junges Startup in der Veranstaltungsbranche schaden?

Das Image ist so lange egal, wie er ein korrekter Typ ist. Und Fabian ist offen mit seinem Ruf umgegangen. Er hat gesagt: „Ich werde euch viele Türen öffnen, aber auch genauso viele verschließen.“ Das ist ein sehr korrekter und ehrlicher Ansatz. Fabian hat sich dieses Porno-Imperium nicht umsonst aufbauen können. Er ist ein sehr intelligenter Kerl – nicht nur mit technischem Sachverstand, sondern auch mit beeindruckenden Business-Skills. Es gibt weitaus schlechtere Investoren, die man sich suchen kann. Wir sind sehr zufrieden. Natürlich passen Eventtickets und Webcam-Pornoshows nicht wirklich zusammen. Aber jeder, der sich mal mit Fabian an einen Tisch gesetzt hat, weiß, dass er ein toller Kerl und ein absolut respektabler Geschäftsmann ist.

Sucht Ihr noch weitere Investoren?

Wir sind jetzt auch weiter auf Investorensuche. Wir wissen, wie es ist, wenn man nur mit seinem eigenen Geld arbeitet. Das war für uns eine sehr wichtige Erfahrung. Aber jetzt denken wir, dass es zu Lasten des Produktes gehen würde, wenn wir uns nicht vollkommen darauf konzentrieren könnten. Wir wollen weiteres Geld, damit wir ein gutes Produkt entwickeln, was lange bestehen bleibt und einen Mehrwert bietet.

Danke für das Gespräch, Florian!

Bilder: Florian Eckelmann