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Tim Ferriss spricht offen über seine Ängste – und wie er damit umgeht

Eigentlich ist der US-Amerikaner Tim Ferriss sehr erfolgsverwöhnt. Er hat mit „Die 4-Stunden-Woche“ einen Bestseller geschrieben. Auch seine folgenden Bücher, allesamt Ratgeber für Unternehmer, wurden vielfach verkauft. Mittlerweile hat er genug Geld übrig, um sich als Frühphaseninvestor für Tech-Unternehmen zu versuchen. 

Doch als er bei diesem 14-minütigen Ted-Talk anfängt zu sprechen, hört das Publikum still und betroffen zu. Denn Ferriss erzählt, dass er sich in seiner Schulzeit einmal beinahe das Leben genommen hat: „Ich saß auf dem Rücksitz meines gebrauchten Mini-Buses, auf einem Parkplatz der Uni, als ich mich entschied, dass ich mich umbringen werde.“

Von diesem ersten Gedanken an Selbstmord bis zu einem konkreten Plan sei es schnell gegangen. „Ich kam dem Abgrund so nah wie nie zuvor“, sagt er und spreizt Daumen und Zeigefinger etwa zwei Zentimeter breit, eine Geste, die zeigen soll, wie knapp es damals gewesen ist. Sehr knapp.

Nur wegen ein paar glücklicher Vorkommnisse habe er damals den Finger vom Abzug bekommen, so der Unternehmer. Bis heute habe er mehr als 50 depressive Phasen durchlitten, sagt er. Er sagt aber auch: „Ich habe eine Menge daraus gelernt.“

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Der Wendepunkt für den jungen Mann kam im Jahr 2004. Damals habe er massiv Überstunden in seinem ersten eigenen Unternehmen gemacht, erinnert er sich. Er habe Aufputschmittel geschluckt, um den beruflichen Druck auszuhalten. Außerdem habe sich die Frau von ihm getrennt, die er eigentlich habe heiraten wollen.

Eine ernsthafte Lebenskrise, in der Ferriss Halt in der Philosophie suchte. Und er fand ihn in den Werken antiker Gelehrter, die sich mit Stoizismus beschäftigen – mit einer Lehre, die sich um praktisches Handeln dreht, das pflichtbewusst, vernunftorientiert und gleichmütig ist. 

Vor allem waren es diese Worte des römischen Gelehrten Senecas, die Ferriss fesselten: Wir leiden häufiger unter der Einbildung als unter der Wirklichkeit. Heißt: Besonders schlimm sind Ängste, denen man sich nicht richtig stellt. 

Ferriss erarbeitete sich aus dieser Erkenntnis einen Drei-Stufen-Plan, um Krisen besser meistern zu können. Er passe auf drei Seiten, so der Autor. Sein Plan:

  1. Für die erste Seite braucht man eine dreispaltige Tabelle. In die linke Spalte soll man aufschreiben, was schlimmstenfalls passieren kann, wenn man eine bestimmte Entscheidung trifft. 10 bis 20 Ängste soll man so nennen, und zwar so konkret wie möglich.
    In der mittleren Spalte soll man notieren, was man machen kann, um den Befürchtungen vorzubeugen.
    Und rechts soll man aufzählen, wie man gegensteuert, falls der schlimmstmögliche Fall doch eintreffen sollte – also eine Art Reparatur-Plan aufstellen. 
  2. Auf der zweiten Seite soll man die Vorteile einer Handlung nennen. Inwiefern man davon profitieren kann, wenn man das Risiko eingeht. Fragen hierzu sind: Was macht das mit dem Selbstbewusstsein? Wie lernt man dazu? Was könnte finanziell drin sein? 
  3. Und auf einer dritten Seite soll man sich bewusst machen, wie teuer es wäre, wenn man das Risiko nicht einginge. Wie sieht dann das eigene Leben in einem halben Jahr, in einem Jahr und in drei Jahren aus? Wie geht es einem in dem Fall körperlich, emotional, finanziell? Inaktivität und Stillstand verursachten mitunter hohe Kosten, mahnt Ferriss.

Dem Unternehmer selbst machte dieser Plan während seiner Krise im Jahr 2004 klar, dass er dringend handeln muss. Weitermachen wie bisher sei keine Option gewesen, erzählt er.

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Sein Ausweg war, eine Auszeit zu nehmen. Daraus wurden 1,5 Jahre, in denen er die Welt bereiste. Die Eindrücke, die er unterwegs gemacht habe, seien die Grundlage für sein erstes Buch und seinen weiteren beruflichen Erfolg gewesen, sagt er. 

Mittlerweile mache er jedes Vierteljahr einen solchen kleinen Ängste-Check, erzählt er. Der sei immer anstrengend, außerdem erleichtere er nicht jede Entscheidung, nicht alle Ängste gingen davon weg. Aber er mache vieles einfacher, so der Unternehmer. Sein Tipp an die Menschen im Publikum: „Überlegt euch, wo in eurem Leben es gerade wichtiger ist, Ängste statt Ziele zu definieren.“

In der Rubrik Best of Ted stellen wir regelmäßig empfehlenswerte Ted-Talks vor. Hier geht es zum aktuellen Video: 

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Bild: Screenshot Ted-Talk