Standbild aus dem Tirendo-Werbespot

Betriebsratswahl nach Entlassungen bei Tirendo

Der Online-Reifenhändler Tirendo will mit Hilfe der Gewerkschaft Ver.di einen Betriebsrat am Berliner Standort gründen. Dem Plan vorausgegangen sollen Mitarbeiterentlassungen gewesen sein, die Tirendo-Neueigner Delticom als Teil der Umstrukturierung des Unternehmens angeordnet habe. Bereits am 6. August soll eine Versammlung stattfinden, auf der ein Wahlvorstand gewählt wird. Dieser soll anschließend so schnell wie möglich die Wahl einer Arbeitnehmer-Interessenvertretung durchführen.

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Ebenfalls von der Umstrukturierung betroffen ist das Tirendo-Management. Die Geschäftsführer Markus Bihler, Erik Heinelt und Felix Vögtle würden sich neuen Herausforderungen stellen und das Unternehmen zum 31. Dezember 2014 verlassen, hieß es bereits vor einer Woche von dem Unternehmen. Mit sofortiger Wirkung traten Delticom-Vorstand Sascha Jürgensen und -Manager Andreas Faulstich die Nachfolge der Geschäftsleitung bei Tirendo an.

Die Pläne für einen Betriebsrat gab der Tirendo-Mitarbeiter Dietmar Töpfer per E-Mail bekannt. Töpfer ist normalerweise als Reifen-Experte für den Online-Händler im firmeneigenen Blog unterwegs. In der Mail klagt Töpfer über „etliche Entlassungen“ in letzter Zeit. Selbst einer auf Grund ihres gesundheitlichen Zustands besonders schützenswerten Person soll gekündigt worden sein. Insgesamt seien bisher rund 20 der 160 Mitarbeiter von der Kündigungswelle betroffen, berichtet Deutsche Startups.

Tirendo-Mitarbeiter Dietmar Töpfer

„Wir sind schon länger mit Ver.di im Gespräch“, wird ein Beschäftigter in Töpfers Mail zitiert. „Gestern fand bei uns eine Mitarbeiterversammlung statt. Dort wollte man uns beruhigen. Das Gegenteil war der Fall. Uns wurde mitgeteilt, dass Tirendo als eigenständige Firma nur dann eine Chance hat, wenn wir innerhalb von 18 Monaten rentabel werden.“

Man habe sich dann aus dieser Unsicherheit und einem starken Wunsch nach Gerechtigkeit heraus entschlossen, einen Betriebsrat zu gründen, heißt es weiter. Man wolle dafür sorgen, den Geschäftsbetrieb zu sichern und sozialer zu gestalten.

Auch Ver.di-Sekretär Markus Hoffmann-Achenbach äußert sich in der Mail, gibt sich aber wenig optimistisch: „Wenn die neuen Eigentümer und Geschäftsführer weiterhin auf krassen und harten Umstrukturierungen des Unternehmens bestehen, kann ein Betriebsrat bei Tirendo eine eventuelle Schließung beziehungsweise die angedachte Verlegung des Kundenservice nach Polen und Rumänien nicht aufhalten. Er kann sich aber für einen geordneten und sozialen Ablauf stark machen.“

Tirendo war am Mittwoch für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Bild: Tirendo