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Bestimmt noch lecker, trotzdem wird Buffet-Essen nach Ladenschluss im großen Stil weggeworfen.

Frisches Sushi und knusprige Brötchen – eigentlich zu schade für den Container. Trotzdem schmeißen Restaurants, Bäckereien und Cafés jährlich bis zu eine Million Tonnen Lebensmittel weg – zum Teil bereits zubereitet, fast immer in einwandfreiem Zustand. Die dänischen Erfinder der Plattform Too Good To Go (TGTG), Stian M. H. Olesen, Thomas Bjørn Momsen und Klaus B. Pedersen wollen diese Restaurant-Reste retten – auch in Deutschland.

Das Prinzip: Gastronomen melden überzählige Nahrungsmittel auf dem Portal. Nutzer können dann per App oder Webseite ein Restaurant in der Nähe auswählen, das etwas übrig hat. Dort können sie einzelne Portionen bestellen, die jeweils zwischen zwei und fünf Euro kosten. Bezahlt wird online, der Kaufbeleg anschließend im Restaurant vorgezeigt. Allerdings ist das Zeitfenster zur Abholung der Bestellung mit 15 bis 30 Minuten vor Ladenschluss knapp.

Die Größe einer Portion ist festgelegt, dazu stellt TGTG den Restaurants eigene To-Go-Boxen bereit, die aus Zuckerrohr oder Biokunststoff bestehen. Mal werden die Behälter von Restaurant-Mitarbeitern befüllt, mal darf man sich am Buffet selbst bedienen.

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TGTG bekommt für jede verkaufte Portion pauschal einen Euro. Davon werden die Verpackungsmaterialien, Technologie- und Personalkosten bezahlt. Der Rest von bis zu vier Euro geht am Monatsende an den Gastronomen. Mit 140 Betrieben arbeitet TGTG nach eigenen Angaben derzeit in Deutschland zusammen. Sie sitzen vor allem in Berlin, Hamburg und Köln, vereinzelt auch in kleineren Städten. „Der Netzwerk-Ausbau in Deutschland ist im Vergleich zu Dänemark komplizierter, wo sich die Bevölkerung vor allem auf Kopenhagen konzentriert. In Deutschland haben wir gleich mehrere Baustellen“, erzählt Philip Müller, Country Manager für Deutschland.

Den deutschen Markt betreut ein dreiköpfiges Team, das unter dem Dach des dänischen Mutterkonzerns steht und von Kopenhagen aus arbeitet. Derzeit sei man dabei, Vertriebs-Teams in Städten wie Berlin aufzubauen, sagt Müller. Gegründet wurde das Unternehmen im November 2015 in Dänemark, aktiv ist es aber mittlerweile auch in Frankreich, Großbritannien und Norwegen. Seit Anfang 2016 kann man den Dienst auch in Deutschland nutzen.

Gegen den Vorwurf, TGTG nehme Vereinen wie den Tafeln das Essen weg, wehrt sich das Unternehmen. Die Massen an guten Lebensmitteln, die täglich weggeworfen würden, überschritten momentan die Kapazitäten von solchen Einrichtungen. Tatsächlich nehmen die Tafeln in der Regel keine bereits zubereiteten Speisen an – aus hygienischen und logistischen Gründen, wie der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. auf Nachfrage bestätigt. Zumindest beim Kauf der Restaurant-Reste, die sonst im Müll gelandet wären, brauchen TGTG-Nutzer also kein schlechtes Gewissen zu haben.

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