Die beiden Tradico-Gründer Mario Springer und Manuel Hehle (v. l.)

Ihr braucht schnell viel Ware, habt aber nicht das Geld? Dann hilft das Münchner Startup Tradico, das Finetrading betreibt. Gerade erst haben Earlybird, DvH Ventures und der Frühphasen-Fonds Speedinvest insgesamt 2,5 Millionen Euro in das Fintech-Startup gesteckt, wie Gründerszene exklusiv erfuhr. Tradico wurde 2014 von Mario Springer und Manuel Hehle in Liechtenstein gegründet, der Geschäftssitz mit 15 Mitarbeitern ist derzeit in München.

Finetrading – ein neues Fintech-Segment?

Tradico tritt als eine Art Zwischenhändler auf und geht für die Anschaffung von Waren in Vorleistung. Ein Beispiel gefällig? Ein Fahrradhändler will sein Schaufenster mit neuen Bikes bestücken. Da die Saison aber gerade erst beginnt, hat er selbst nicht genügend Kapital, um hundert Fahrräder zu kaufen. Eine klassische Kreditvergabe bei der Bank würde wegen der Prüfung der einzureichenden Unterlagen sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

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Hier kommt Tradico zum Einsatz. Das Startup finanziert Waren für Händler vor, das Geld geht direkt an den Lieferanten. Binnen 90 Tagen müsse der Warenkredit zurückgezahlt werden, sagt Gründer Manuel Hehle. Sein Startup verspricht Anfragen für Kredite bis zu einer Höhe von 20.000 Euro innerhalb von 30 Sekunden zu prüfen. Sollen Waren im Wert von 1,5 Millionen Euro vorfinanziert werden, würde das etwa 48 Stunden dauern, sagt der Gründer. Dafür müsse der Händler nur seine persönlichen Daten und einen Liefervertrag online vorweisen. Innerhalb von drei Werktagen bekomme der Händler das Wareneinkaufslimit.

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„Unser Algorithmus bezieht quantitative Quellen wie von Creditsafe und anderen Rating-Agenturen ein. Daneben berücksichtigen wir auch qualitative Daten aus dem Internet, die dann mit unseren firmeninternen Informationen und Erfahrungen gematcht werden“, erklärt Hehle. Die Entscheidung zur Kreditvergabe werde letztlich von der Software getroffen.

Die Kunden? Trachtenfirmen und Teleshopping

„Unsere Kunden sind Wiederholungstäter im positivsten Sinne, die im Schnitt drei bis vier Mal im Jahr unseren Service in Anspruch nehmen“, so der Gründer. Mehrere hundert Kunden aus dem Mittelstand habe Tradico bereits, darunter auch aus dem Teleshopping-Bereich wie Mediashop.tv. Viele der Produkte, die im Fernsehen präsentiert werden, seien von Tradico vorfinanziert worden. In Österreich hat Tradico beispielsweise Gössl, eine Trachtenfirma, als Kunden gewonnen. Das Startup finanziert für das Unternehmen teure Lederhosen und Dirndl vor.

Geld verdient das Startup über eine Gebühr. Für den Waren-Vorschuss wird ein Prozent des Wertes pro Monat berechnet, so Hehle. Die Idee: Händler, die bei größeren Bestellungen meist einen Nachlass vom Lieferanten von bis zu drei Prozent bekomme, könnten die Provisionskosten so problemlos verkraften.

500 Prozent Wachstum für 2016

„Im vergangenen Jahr haben wir neun Millionen Euro Umsatz gemacht“, sagt Hehle zu Gründerszene. Für das Jahr 2016 habe Tradico bisher ein Wachstum von 500 Prozent geplant. Zu Beginn haben die Gründer ihre Firma selbst finanziert – die ersten Millionen Umsatz habe man so geschafft. Die Finanzierungsrunde sei erst nötig gewesen, um in die Software-Entwicklung zu investieren und die Internationalisierung voranzutreiben.

Mit dem frischen Millionen-Investment wolle man nun europaweit expandieren. Erste mögliche Station: Benelux. Wegen der Wachstums-Pläne sei Tradico derzeit allerdings nicht profitabel, kommentiert Hehle.

Das Geld für die Kredite bezieht das Startup übrigens von anderen Banken. „Tradico ist der erste Online-Finetrader ausschließlich für den gewerblichen Bereich in Europa“, behaupten die Gründer. Bisher gebe es nur analogen Wettbewerb, etwa von WCF-Finetrading. Aber auch die Deutsche Finetrading AG bietet ein Online-Prüfverfahren.

Bild: Tradico: Dieser Artikel wurde nachträglich angepasst.