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Die Corporates kommen

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Beim Energiekonzern Eon, der 2014 die Startupszene entdeckte? Bei der Commerzbank, die im zurückliegenden Jahr erst einen FinTech-Inkubator startete, dann noch einen Startup-Beteiligungsarm? Bei den Beratungsunternehmen Boston Consulting Group oder Deloitte, die ihre Großkonzern-Kunden digitalisieren wollen? Oder beim Autohersteller BMW, der gerade erst zusammen mit der TU München ein Accelerator-Programm startete? Lufthansa, Super-RTLDeutsche Bank, KPMG, der Versicherungskonzern Axa – die Liste geht immer weiter.

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Klar ist: 2014 war das Jahr der Corporates, die sich von der jungen, agilen und irgendwie immer noch hippen Startup-Welt inspirieren lassen wollen. Das heißt nicht, dass es nicht auch vorher entsprechende Schritte gegeben hätte. Mit Hubraum hat die Telekom längst einen eigenen Inkubator aufgebaut, Microsoft ein Accelerator-Programm gestartet, die Post mit Nugg.ad ein eigenes Startup-Programm gelauncht.

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Seit dem vergangenen Jahr sind es aber nicht mehr nur die Tech-nahen Großunternehmen, die sich bei ihrer Digitalisierung helfen lassen wollen. Fintech oder Mobility heißen die großen neuen Trends. Und eine ganze Reihe an Startups warten bereits darauf, sie „disrupten“ zu können, wie es neudeutsch heißt.

Und die Corporates? Nutzen sie nun heimtückisch die Ideen der vorpreschenden Startups aus, um nicht ganz und gar ins Hintertreffen zu geraten? Laden sie die Risiken bei der Entwicklung neuer Konzepte auf die Startups ab?

So einfach sollte man es sich nicht machen. Denn mit den Corporates kommen ordentliche Summen an Kapital ins System. Blickt man auf das so oft und so gerne zitierte Silicon Valley, fällt schnell auf: Alte Hasen wie etwa der Chiphersteller Intel oder der Mischkonzern General Electric gehören auch 2014 wieder zu den größten Geldgebern des Tech-Nachwuchses. Es wird Zeit, dass sich auch hierzulande solche Strukturen etablieren. Denn Business Angels, VCs und staatliche Einrichtungen können der Szene nicht alleine zu einem wirklich größeren Volumen verhelfen.

Dabei man sollte sich auch nicht unbedingt über die Konzerne lustig machen. Klar, sie haben die Digitalisierung auf breiter Flur verpennt. Oder anders: Sie haben die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der sie sich verbeitet. Viel wichtiger ist aber ein optimistischer Blick in die Zukunft. Denn was die Corporates neben Geld an den Tisch bringen, kann für Startups eine Goldgrube sein: ihre Kunden. Millionen davon. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie willens die großen Konzerne wirklich sind, ihre jüngeren Partner an die Kunden heran zu lassen.

Daran wird sich nicht nur zeigen, ob eine Zusammenarbeit zwischen Großen und Kleinen wirklich funktionieren kann. Es wird auch über die Zukunft der Konzerne auf der einen und der Startups auf der anderen Seite entscheiden.

Weitere Startup-Trends des Jahres 2014 finden sich in der folgenden Übersicht.

Bild: © panthermedia.net / Giuseppe Anello