Eine Trennung ist in digitalen Zeiten noch etwas schwieriger geworden

Der Ex-Partner bleibt ein Teil des Netzwerks

Ist die Beziehung vorbei, beginnt das Leiden. Auf Facebook, Twitter oder Whatsapp ist der Ex allgegenwärtig. Drei Anwendungen versprechen schnelle Hilfe – mit teilweise recht heftigen Maßnahmen.

Frisch getrennt zu sein, ist ziemlich hart. Da ist diese Wunde, die noch weh tut und dann kann sie nicht richtig heilen, weil dauernd jemand dran stößt. Für Promi-Neu-Singles muss das alles noch viel schlimmer sein, werden sie doch dauernd auf den oder die Ex angesprochen. Gerade die diversen frisch getrennten Fußballspieler und Ex-Spielerfreundinnen können derzeit keinen Mucks tun, ohne dass der mit der Trennung in Verbindung gebracht wird. Stellt Mandy Capristo, Ex von Mesut Özil, etwa ein Foto auf Instagram, auf dem sie dezent lächelt? Schon heißt es: Sie meldet sich zurück, wolle Mesut wohl zeigen, dass es ihr gut gehe. Rapper Kay One wiederum postet kryptische Andeutungen auf Facebook, man vermutet, um Mandy, mit der er zuvor zusammen war, zurückzugewinnen.

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Ex-Bayern-Profi Christian Lell nutzte gar seine Facebook-Pinnwand, um dort seine Ex-Freundin zu bepöbeln und deren Chats mit Mesut Özil zu posten. Oder so. Klar wird: Die digitale Verlängerung unseres Lebens macht so eine Trennung nicht einfacher.

Auch der ganz normale Wieder-Alleinstehende kann nur schwer einen radikalen Schnitt machen, weil der oder die Ex einfach überall ist. Nämlich online. Früher, da verbrannte man Briefe und machte ab sofort einen Bogen um die Straße, in der die alte Liebe lebte. Und jetzt ist da nicht nur Facebook, das selbst den Selbstbeherrschtesten irgendwann verführt, das Profil vom Ex anzuklicken, da ist das Karriere-Netzwerk, auf dem man verknüpft ist, da ist Whatsapp, das zeigt, wann er online ist, da ist das Mailprogramm, das dauernd seine Adresse vorschlägt, und da sind die Leute, die ihn auf Twitter retweeten.

Da sind so viele digitale Verbindungen, dass es ewig dauert, alle zu kappen. Und jedes Mal kommt die Trennung damit wieder ins Gedächtnis. Ratsch, und das mühsam festgeklebte Pflaster fällt wieder ab.

Eine Lösung wäre wohl nur diese oft zitierte einsame Insel ohne Internet. Doch nein, das Internet, das das alles angerichtet hat, versucht inzwischen, zu helfen:

Die App Killswitch will sämtliche Facebook-Posts, Links und Likes, die mit dem Namen des Ex verknüpft sind, diskret ausblenden. Das Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn – das ist der erste Schritt, damit Trennungen nicht mehr ganz so bescheuert sind.“ Man muss den Ex dafür nicht „entfreunden“, blockieren, ausblenden oder umständlich Markierungen von Fotos entfernen, „diskret“ will die App all das übernehmen, ohne dass es jemand bemerkt.

Und falls man seine Meinung ändert oder später über alte Zeiten lachen will, wird alles in einem geheimen Album gespeichert. Schönes Detail: Ein Teil der Erlöse wird an die „American Heart Association“ gespendet. Gebrochene Herzen helfen also bei der Heilung anderer Herzen.

Doch es gibt ja nicht nur Facebook. Dann hilft die Browser-Anwendung Block your Ex, die alle Internetseiten und Mails, auf denen dieser bestimmte Name auftaucht, verschwinden lässt. Auch Tweets und Erwähnungen auf Twitter werden gefiltert.

Es bleibt die Nummer im Handy, die man irgendwann einfach antippt, wählt, wartet. Aber da geht dann die beste Freundin ran, die den Ex-Lover-Blocker installiert hat, der statt der Ex-Lover-Nummer die zuvor angegebene Freundin anruft. Das funktioniert allerdings nur ein Mal, danach wird es streng: Falls man die Freundin nämlich wegdrückt und das anschließend durchzieht mit dem Anruf beim Ex, wird man von der App öffentlich auf der eigenen Facebook-Pinnwand dafür beschimpft.

Vielleicht ist das mit der Insel ja doch sinnvoll.

Der Artikel erschien zuerst in ICON, dem Stilmagazin der Welt

Foto: © panthermedia.net /Bernd Jürgens