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Beim Thema Sex verstehen die Münchner Stadtwerke offenbar keinen Spaß. Das Unternehmen verbot der Saft-Firma True Fruits drei von vier verschiedene Werbeplakate, mit denen sie für seinen neuen Chia-Samen-Smoothie in der bayrischen Landeshauptstadt werben wollte. Neben zwei Saftflaschen steht darauf jeweils einer dieser Sprüche: „Oralverzehr: Schneller kommst Du nicht zum Samengenuss“, „Bei Samenstau schütteln“ und „2 Samenspender aus gutem Hause“.

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Lediglich den Spruch „Besamt und befruchtet“ ließen die Stadtwerke durchgehen. Und sie sind mit der Kritik nicht allein: Im Vorfeld rieten bereits die Behörden in Stuttgart dem Startup ab, die Plakate in ihrer Stadt aufzuhängen. Und auch die Deutsche Bahn winkte nur eines der Plakate durch.

„Wir können das nicht verstehen“, sagt Mitgründer Nic Lecloux zu Gründerszene. Er hat sich die Sprüche mit seinem Team beim Brainstorming für die neuen Smoothies ausgedacht – und zwar ohne Alkohol und ohne Drogen, wie er betont. Die von allen geduldete Version „Besamt und befruchtet“ sei doch genauso lustig oder anstößig wie die anderen auch, findet er. Und „Bei Samenstau schütteln“ findet er sogar „erstklassig“ – vor allem, wenn man mit dem Auto im Stau stehe und das lese.

„Wir kommunizieren in unserer Werbung so, wie wir es auch privat tun würden“, sagt er. Ehrlich und direkt sei das. Wem das nicht gefalle, der könne ja wegschauen und die Smoothies nicht kaufen. Werbung im Lebensmittelbereich sei normalerweise sehr langweilig, findet der Gründer, die könne ruhig mutiger werden, so Lecloux.

Viele Städte wie Hamburg, Köln oder Berlin hätten die Plakate übrigens ohne Weiteres durchgewunken – nur die beiden Landeshauptstädte im Süden nicht.

Als Konsequenz auf das Verbot hat sein Team die Plakate in München dennoch aufhängen lassen, aber die Sprüche mit einem schwarzen Balken und dem Wort „Zensiert“ überdeckt. Eine Aktion, die der Kampagne wohl noch mehr Aufmerksamkeit bescheren dürfte, als sie eh schon hat.

Bereits in der Vergangenheit hat True Fruits eher durch provokante Werbung als mit dem Produkt selbst auf sich aufmerksam gemacht. So überschrieb es eine schwarze Smoothie-Flasche beispielsweise mit dem Wort „Quotenschwarzer“. Auf einer weiteren schwarzen Flasche steht groß „Blindverkostung“ und „Hast du schon mal einer hässlichen Freundin, die aber totaaal lieb ist, ein Date besorgt?“ Etliche Kunden sahen darin rassistische und sexistische Anspielungen und äußerten ihre Kritik unter dem Hashtag #rottenfruits.

Bild: True Fruits