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Auch am Flughafen von Los Angeles wurde am Wochenende protestiert

Jetzt meldet sich endlich auch das Silicon Valley zu Wort: Nachdem der neue US-Präsident Donald Trump ein radikales Einreiseverbot gegen sieben muslimische Länder erlassen hat, reagieren nun viele Tech-CEOs. Die meisten äußern sich bestürzt und wütend, es gibt aber auch sehr vorsichtig formulierte Kritik. Eine gute Übersicht dazu gibt es bei TechCrunch und bei The Verge, wo die Reaktionen in „stark“, „mittel“ und „schwach“ eingeteilt werden.

Eine „starke“ Wortmeldung kam zum Beispiel von Box-CEO Aaron Levie. Er schreibt in einem Blogpost: „Das Verbot ist falsch und widerstrebt vollständig den Grundsätzen Amerikas.“ Google-Gründer Sergey Brin nahm an einer Demonstration im Flughafen von San Francisco teil. Er sagte: „Ich bin hier, weil ich ein Flüchtling bin.“

Auch ein deutscher Valley-Gründer hat sich mit deutlichen Worten gegen Trumps Politik gewandt: Bastian Lehmann, Gründer des Lieferdiensts Postmates, hat gestern früh ein Memo an seine Mitarbeiter geschickt und den Text anschließend auf den Firmenblog gestellt. Darin gibt er zunächst zu, dass er sich bislang damit zurückgehalten habe, „sich zu sehr über die Angst und Unsicherheit zu äußern, die das Verhalten der aktuellen Regierung hervorruft“. Mit dem Einreiseverbot sei aber ein neues Level erreicht: „Ich glaube, dass es nicht länger angemessen ist zu schweigen.“

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Die neue Einwanderungspolitik sei „moralisch zweifelhaft“, sein Unternehmen sehe sie als Widerspruch „zu der lange existierenden Situation, dass die Vereinigten Staaten ein Land sind, das die Vielfalt, die durch Einwanderung entsteht, willkommen heißt, begrüßt und wertschätzt“. Postmates sei ein Spiegelbild dieser Werte. „Wir diskriminieren niemanden auf der Grundlage seiner Herkunft und das hat uns geholfen, die talentiertesten Menschen von überall auf der Welt einzustellen und beschäftigen zu können.“

Die Vereinigten Staaten seien dabei, „den vielfältigen Schmelztiegel von Kulturen und Ideen, der das Land hat gedeihen lassen“, aufzugeben. Dabei sei dies „das Fundament, auf dem kreative Wachstumsunternehmen wie Postmates aufgebaut wurden“.

In dem Memo kündigt Lehmann außerdem an, dass jede Spende eines Angestellten, die an die Bürgerrechtsorganisation ACLU oder die Flüchtlingshilfe IRAP geht, von der Unternehmensführung verdoppelt werden würde. Auch Konzerne wie Lyft, Uber und Google haben ähnliche Aktionen und Spenden in Millionenhöhe angekündigt. Airbnb-Gründer Brian Chesky kündigte sogar an, dass sein Unternehmen jedem Flüchtling, der aufgrund des Einreisestopps nicht in die USA reisen könne, eine kostenlose Unterkunft bieten wolle.

Laut dem Handelsblatt hat sich inzwischen auch Bill McDermott, amerikanischer CEO des deutschen Software-Giganten SAP, zu Wort gemeldet. „Als Amerikaner bin ich stolz auf die Vielfalt, die unsere Gesellschaft in besonderem Maße auszeichnet und zu der Einwanderer aus der ganzen Welt beigetragen haben“, schrieb er in einer Nachricht an die SAP-Belegschaft. Direkte Kritik an Trump vermied McDermott darin aber.

Das ist keine Überraschung: Der SAP-Chef hat in der Vergangenheit mehrfach gesagt, dass er sich über den neuen US-Präsidenten freue. „Wir sind nicht besorgt, sondern hoffnungsfroh“, erklärte er vor wenigen Tagen im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und: „Wir werden ihnen helfen, ihre Ziele zu erreichen.“

Bild: Getty Images / Justin Sullivan