Es ist eigentlich alles ganz einfach heute. Für eine Pop-Produktion braucht man einen Laptop, Gratis-Software, ein paar Mikrofone und ein Interface, das Töne in Daten umrechnet. Auch viele prominente Musiker arbeiten inzwischen zu Hause. In ein teures Studio geht es nur noch für die Feinarbeiten. Aber was macht man dann mit den fertigen Aufnahmen? Sich bei einer Plattenfirma bewerben, die sich um die Veröffentlichung kümmert?

Das ist nicht mehr unbedingt nötig, denn auch die Veröffentlichung, Vermarktung und Abrechnung kann man seit vielen Jahren bequem vom Laptop aus erledigen. Anbieter wie TuneCore, CD Baby oder iMusician Digital haben sich auf die digitale Vermarktung von Popmusik spezialisiert. Die Musiker laden ihre Aufnahmen auf die Plattformen der Anbieter hoch, ein paar Tage später sind sie dann für die Hörer in den bekannten Streamingdiensten und im iTunes-Store oder auf Amazon zu finden. Auch die Abrechnung findet über die Plattformen statt.

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Einer der größten Anbieter ist TuneCore. Der amerikanische Vertrieb von digitaler Musik hat seinen Dienst vor kurzem auch in Deutschland gestartet. Mithilfe von TuneCore erhalten Künstler Einnahmen von Streaming-Diensten, digitalen Download-Stores, Tantiemen oder anderen Deals in ihrer lokalen Währung. Dafür ist die Plattform nun auch auf Deutsch verfügbar und will spezielle Inhalte für die deutsche Independent-Künstlerszene anbieten.

Seit der Gründung 2006 haben TuneCore-Künstler nach Angaben der Firma mehrere hundert Millionen Euro einnehmen können. „Unsere globale Expansion nach Deutschland unterstützt uns in unserem Ziel, Künstler auf bestmögliche Art und Weise auf lokaler Ebene zu fördern“, lässt sich CEO Scott Ackerman zitieren. Was genau er damit meint, verrät er im Interview.

Scott, TuneCore klingt erst einmal nach einem interessanten Angebot. Aber können Musiker mit Streamingdiensten wie Spotify auch genug Geld verdienen?

Absolut. Bei TuneCore behalten die Künstler 100 Prozent ihrer Einnahmen.

Was aber nicht unbedingt heißt, dass man von Spotify leben kann. Wie viel verdient denn der bestverdienende Künstler bei TuneCore?

Wir unterstützen Künstler in ganz unterschiedlichen Teilen ihrer Karriere, vom Hobbymusiker bis zu Top-40-Stars. Seit dem Start haben TuneCore-Musiker 580 Millionen Euros eingenommen, es gab 26,6 Milliarden Downloads und Streams.

Okay… gibt es denn weiterhin einen Platz für Plattenlabels?

Das Musik-Ökosystem entwickelt sich pausenlos weiter und wir glauben, dass es Platz für viele verschiedene Distributionswege gibt. Wir arbeiten eng mit vielen unabhängigen Labels zusammen und helfen, die Musik der Künstler zu verbreiten. Letztere können ihre Karriere dann entsprechend planen – sei es über ein Label oder wirklich unabhängig.

Sollten Musiker heute noch CDs oder Vinyl anbieten?

Für manche Künstler und deren Fans können CDs oder Vinyl auch heute noch der richte Weg sein. Für Künstler, die sich dafür interessieren, bieten wir auch die Produktion von CDs an.

Hat der deutsche Markt besondere Charakteristiken?

Obwohl der Streaming-Markt einen sehr späten Start hingelegt hat, erst im März 2012 ging es los, zeigte er danach beeindruckendes Wachstum von 106 Prozent pro Jahr. Wir sehen dabei folgende Trends:

  • Elektronische Tanzmusik ist ein starkes Genre in Deutschland, aber noch stärker ist deutschsprachige Urban- beziehungsweise Hip-Hop-Musik. Die Künstler dieser Genres werden immer versierter darin, ihre Musik selbst zu vertreiben.
  • Das deutsche Repertoire wächst stark – acht der zehn Top-Alben aus dem Jahr 2015 waren deutschsprachig.
  • Deutschland hat einen sehr fragmentierten Musikmarkt mit unterschiedlichen Musikszenen in vielen Städten.

Wie hat sich TuneCore in den letzten Jahren entwickelt. Kannst Du ein paar Zahlen nennen?

TuneCore ist in den letzten zehn Jahren stetig gewachsen. Im vergangenen Jahr allen haben die Musiker auf der Plattform 125 Millionen Euro verdient, was einem Anstieg von sieben Prozent entspricht. Außerdem konnten wir Künstler in bekannten TV-Shows platzieren, zum Beispiel im Blockbuster „Furious 7“, der CBS-Serie „The Good Wife“ oder der ABC-Show „Grey’s Anatomy“.

Wie viele Mitarbeiter hat TuneCore in Deutschland?

Den Hauptteil unseres Kundenservices erledigen wir vom Hauptsitz in New York aus. Wir haben aber auch einen Markenmanager, der in Hamburg sitzt und eine Vor-Ort-Präsenz bieten wird.

Danke für das Gesprach, Scott.

Bild: Ryan McVay / Gettyimages