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Das Team, das Tutanota macht: Matthias Pfau, Hanna Bozakov, Bernd Deterding und Arne Möhle (von links)

Nach einem Jahr Beta-Phase ist es heute soweit: Der verschlüsselte E-Mail-Service Tutanota geht in seine finale Release-Version. Laut der Tutao GmbH, dem Startup hinter dem Produkt, gebrauchten knapp 100.000 Nutzer den Dienst bereits. An der Sicherheit ihrer Verschlüsselung zweifeln die Gründer nicht. Denn: Tutanota werde kontinuierlich von dritten Parteien geprüft. So habe es zum Beispiel einen umfangreichen Penetrationstest der renommierten IT-Sicherheitsfirma Syss gegeben, bei welchem sich Experten weder in das System hacken noch vertrauliche Daten hätten abgreifen können.

Tutanota ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Dabei vereinbaren Sender und Empfänger einer E-Mail ein Passwort, mit welchem der Inhalt entschlüsselt werden kann und somit nur für diese beiden Parteien zugänglich sein soll. Das Startup setzt bei der Software auf Transparenz und machte sie im September 2014 als Open Source frei zugänglich. Mitgründer und Geschäftsführer Arne Möhle erklärt im Gespräch mit Gründerszene, wie wichtig der Schritt gewesen sei: „Nur wenn wir veröffentlichen, was in unserer Software passiert, können wir das Vertrauen der Nutzer gewinnen.“

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Gestartet sind die Gründer Matthias Pfau und Arne Möhle Ende 2011. Das Ziel: Ein Ende-zu-Ende verschlüsselter Mail-Dienst, der einfacher zu bedienen ist als vorhandene PGP-Lösungen („Pretty good privacy“). Für letztere benötigen Nutzer oft Programmierkenntnisse und viel Zeit zur Einrichtung. Tutanota hingegen soll eine Art verschlüsseltes Google werden, bei dem Nutzer neben Mails über einen Kalender und eine Cloud verfügen können. Accounts mit einem Gigabyte Speicher sind gratis, mehr Speicher und eigene Domains können gekauft werden. Das Programm gibt es als Browser-Plugin sowie als App für iOS und Android.

Tutanota unterstützt das Netzwerkprotokoll Dane, welches das Risiko von sogenannten Man-in-the-Middle-Attacken reduzieren soll. Bei diesen Attacken verschafft sich ein Hacker Zugang zum System und fängt vermittelte Informationen auf dem Weg ab – meist ohne, dass der Versender etwas davon merkt.

Mehr Interesse seit Snowden

Das Team des Startups, das über zwei regionale Investoren mit einer höheren sechsstelligen Summe finanziert ist, entwickelte zwei Jahre lang die Beta-Version. In der öffentlichen Beta habe man dann immer mehr Nutzer gewinnen können, so Möhle. Man habe gemerkt, dass seit der NSA-Überwachungsaffäre, die Whistleblower Edward Snowden auslöste, das Interesse an sicherer Kommunikation steige.

Laut einer Statista-Umfrage geben zumindest 39 Prozent der Deutschen an, dass sie nach der Affäre Schritte unternommen hätten, um persönliche Daten besser zu sichern. Eine weitere Befragung zeigt, dass immer mehr Deutsche glauben, Privatpersonen seien selbst für den Schutz ihrer Daten verantwortlich. So treten diverse Mail-Anbieter in den Markt ein. Vor kurzem verließ beispielsweise das Startup Kullo seine Beta-Phase, das verschlüsselte Kommunikation mit einem Skype-ähnlichen Programm anbietet. Die deutsche Bundesregierung hat angekündigt, ihren Mail-Dienst De-Mail nun ebenfalls Ende-zu-Ende zu verschlüsseln. Dabei sind drei Mails pro Monat kostenfrei, danach muss für jede Mail bezahlt werden.

Das Tutao-Team findet, dass durchaus mehrere Anbieter ihre Berechtigung haben und es nicht einen großen Provider geben müsse. Das Ziel sei, es jedem zu ermöglichen, private E-Mails einfach vor Massenausspähung zu schützen, sagt Entwickler Matthias Pfau. „Da sehen wir uns als moderne Freiheitskämpfer.“

Bild: Tutao