Kaahée-Gründer Julian Juen beim Überzeugungsversuch

Verhandeln kann so einfach sein. Die eine Seite sagt X, die andere Y, dann trifft man sich bei Z. Nur: Wenn es wirklich so einfach wäre, wären wahrscheinlich nicht unzählige Lehrbücher und wissenschaftliche Theorien darüber verfasst worden. Manchmal trifft man sich nämlich nirgendwo, weil es eigentlich gar nicht zusammengeht, oder weil sich eine Seite unklug anstellt. Zum Beispiel, weil sie zu hoch pokert.

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Die dritte Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ fühlte sich am Donnerstagabend bisweilen wie eine Lehrstunde in Verhandlungskunde an. Von gefühlsduseliger Dramatik wie in der letzten Woche war wenig zu spüren. Stattdessen ging’s ums Geschäft, um Zahlen, Interessenlagen, Einsatz und Verhandlung.

Zum Beispiel beim Pitch von Christoph Lechner, dem Sales-Chef der oberösterreichischen Firma Scoot & Ride. Ihr Produkt: ein Roller und Laufrad in einem. Sieht hübsch aus, fährt sich gut (die Investoren fahren natürlich Probe), Lechner hat Kinder zum Auftritt mitgebracht und einen Designpreis hat Scoot & Ride auch schon gewonnen.

Lechner hätte gern 300.000 Euro für zehn Prozent der Anteile, am liebsten die Hälfte davon als Mediavolumen – doch die Investoren mauern. SevenVentures, der mit der Sendung verbandelte Media-for-Equity-Arm von ProSiebenSat.1, bietet 150.000 für fünf Prozent. Den Investoren ist es immer noch zu teuer. Business Angel Michael Altrichter bietet, die restlichen 150.000 für 15 Prozent der Anteile zu liefern. Lechner schwitzt jetzt merklich. Aber die restlichen Investoren finden Gefallen an dem Setup, sie würden bei dieser Bewertung mitgehen.

Lechner will nicht. Sein letztes Angebot: 150.000 für zehn Prozent. Er schwitzt noch mehr. Nicht verhandelbar, entgegnen die Investoren. Und dann springt auch noch SevenVentures ab, ohne Cash-Investment will die TV-Tochter auch nicht mittun. „Christoph Lechner hat sich anscheinend verpokert“, bilanziert der Off-Sprecher korrekt.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Hier kann die dritte Folge 2M2M noch einmal angesehen werden

Die zweite Poker-Lektion gibt es von Julian Juen, der mit Kaahée einen Anti-Kater-Drink aus peruanischer Kaktusfeige entwickelt hat. Das löst bei den österreichischen Geldgebern sofort böse Erinnerungen an ausgelassene Einstiegschancen bei einem weiteren lokalen Energy-Drink-Imperium aus. „Ich kenne einen, der hat mal zehn Prozent bei Red Bull ausgeschlagen“, sinniert Baumagnat Hans Peter Haselsteiner. Trotzdem erscheint den Juroren die Forderung von 250.000 Euro für zehn Prozent reichlich überteuert. Die Runde winkt ab.

Es folgt ein plötzlicher dramaturgischer Schwenk, in dem sich SevenVentures-Mann Daniel Zech ein zweites Mal einschaltet und bekanntgibt, dass mit Kaahée schon längst eine Kooperation vereinbart sei, bei der TV-Werbung im Gegenwert von 800.000 Euro geschaltet werde. Hoppla! Das ändert die Kalkulation auf Investorenseite schlagartig.

Promi-Winzer Leo Hillinger könnte sich nun 100.000 Euro für zehn Prozent vorstellen, auch Müsli-Mann Heinrich Prokop wäre dabei, schließlich bieten beide gemeinsam mit Altrichter und Haselsteiner 250.000 für 26 Prozent. Damit hätten die vier sogar eine Sperrminorität. Dem Kaahée-Team findet: Das geht zu weit! Das Gegenangebot: 26 Prozent für eine halbe Million. Wieder lange Gesichter auf Investorenseite! „Ich glaube, dass Sie heute einen Fehler machen“, orakelt Hillinger. Und die Off-Stimme analysiert: „Er hat offenbar zu hoch gepokert.“

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Das merkt dann auch der junge Getränkeunternehmer, geht noch einmal in sich und kommt mit einem nachgebesserten Angebot zurück: 250.000 Euro für 24 Prozent. Die Investoren schlagen ein.

Es bleibt der einzige erfolgreiche Deal an diesem Abend. Ohne Geld geht auch Meret Barz mit ihrem flippigen Einkaufstrolley James nach Hause. 600.000 Euro für 24 Prozent ist keiner bereit zu zahlen – vor allem nicht für ein Produkt, das, so befürchten es die Investoren, allzu leicht kopiert werden könnte. Thomas Kozlowski und Alexander Lahner gehen ebenfalls leer aus. Timelack, ihre Online-Plattform für Mini-Aufgaben, hat Schwierigkeiten, sich von etablierten Schwergewichten wie oDesk oder Elance abzusetzen. Da helfen auch bunte Pollunder und Fliegen nicht, die die beiden jungen Herren auftragen. 350.000 für 30 Prozent?

„Sorry, guys“, sagt der Müsli-Produzent. „Aber cool.“


Die Highlights aus der dritten Folge in Bildern:

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Die 2M2M-Investoren sind in der dritten Sendung gut gelaunt.

Bilder: Nick Albert