tv-kritik-2-minuten-2-millionen-folge-6

Rudolf Schwarzmayr weiß normalerweise, wovon er spricht, aber bei seinem Auftritt sieht das anders aus

„Für einige wird der Druck heute zu groß sein“ – wie gewohnt stimmt die österreichische TV-Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“ zu Beginn der sechsten Folge auf große Emotionen ein. Und der erste Mitzitter-Moment folgt sogleich.

„Etwas nervös bin ich schon, das kann ich nicht abstreiten“, gibt Rudolf Schwarzmayr zu, bevor er vor die Investoren tritt und sein Unternehmen Thermocollect vorstellt. Zumindest täte er das gern – irgendwie scheinen die Worte aber nicht geordnet hinaus zu wollen. Er bittet die Jurymitglieder darum, nochmal von vorn beginnen zu dürfen und verliert dann den Faden. „Wird er eventuell sogar das Studio verlassen?“, munkelt der Puls4-Sprecher schon. Nein. Der Gründer rappelt sich auf und erzählt den Jurymitgliedern mehr oder minder flüssig von seinem eigens erdachten Fassadensystem für Einfamilien- und Mehrparteienhäuser, das je nach Bedarf Wärme speichern oder abgeben soll.

Anzeige
Was er brauche, sei tatkräftige Unterstützung von Investoren, um das Produkt an den Markt zu bringen. Konkret wünscht sich Schwarzmayer 300.000 Euro im Gegenzug zu acht Prozent der Unternehmensanteile. Von der Bank könne er sich auch Geld holen, Interesse an einem reinen Kredit habe der Unternehmer aber nicht. Ihn reize das Know-how der Investoren. Diese zeigen sich zunächst skeptisch angesichts der dominanten Optik des Fassadensystems. Zu 85 Prozent der Zeit seien die beweglichen Fliesen aber geschlossen, beruhigt der Wirtschaftsingenieur. Erste Kunden habe er zudem bereits gefunden – und die fänden die Fliesenfassade auch geöffnet ziemlich „cool“.

Die Jury ist durchaus beeindruckt, allerdings distanzieren sich nacheinander sowohl Leo Hillinger, Marie-Hélène Ametsreiter als auch Heinrich Prokop und Michael Altrichter von einer Investition. Keiner traut sich zu, das von Schwarzmayr gewünschte Know-how in Thermocollect einbringen zu können. Sie raten ihm doch eher zu einem Bankkredit. Hoffnungsvoll-nervös blickt der Gründer zu Hans Peter Haselsteiner, schließlich könnte sich der Baumagnat nicht auf mangelnde Branchenkompetenz berufen. Der fühlt sich aufgrund eines konkurrierenden Produktes seiner ehemaligen Firma Strabag jedoch befangen und bietet nur an, einen Kontakt zwecks möglicher Partnerschaft herzustellen.

Die nächste Finanzierungschance erhält Jakob Schröger, CEO von QGo, einem kamerabasierten System für die Warteschlangenoptimierung – bei Skiliften; aber auch in anderen Branchen könnte sich das System als nützlich erweisen, preist Schröger an. Für 100.000 Euro würde er zehn Prozent seiner Firma hergeben. Investorin Marie-Hélène Ametsreiter ist verwirrt: Mit wem wolle QGo denn überhaupt Geschäfte machen? „Wir verkaufen das System an die Skigebiete“, erklärt der Gründer.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene  Hier kann die sechste Folge 2M2M noch einmal angesehen werden

Als selbsternannter landesweiter Skipisten-Kenner grätscht Juror Hans Peter Haselsteiner ein: Allein Logik und Erfahrung würden ihm stets verraten, an welchen Skiliften sich zu welcher Zeit Schlangen bilden. Ein lukratives Geschäft sehe er bei QGo nicht. Ähnlich sieht es Promiwinzer Leo Hillinger. Business Angel Michael Altrichter dagegen hält QGo „genau für eines der Unternehmen, in die ich gern investiere“ – allerdings ungern zu den geforderten Bedingungen: 20 Prozent der Unternehmensanteile müssten es für eine Investition von 100.000 Euro schon sein.

Nun muss Altrichter sich mit der Speedinvest-Geldgeberin Ametsreiter streiten: Auch sie zeigt Interesse an der Technologie und würde sich mit 16 Prozent der Anteile zufrieden geben. Zusammen mit der Aussicht, das Produkt mit Speedinvest auch nach Amerika bringen zu können, überzeugt Schröger das Angebot der Investorin mehr. Der Gründer verlässt den Saal mit glänzenden Augen. „Wir werden uns jetzt noch mehr reinhängen“, verspricht er.

Die nächste Kandidatin tritt nicht ohne Grund in Tracht vor die Jury: Zissa Grabner ist so heimatverbunden, dass sie den Onlineshop From Austria gründete, der Liebhaber österreichischer Produkte weltweit mit lokalen Produkten versorgen soll. Zur Veranschaulichung gibt es Produktgeschenke für alle Jurymitglieder – was „natürlich keinen Bestechungsversuch“ darstellen soll. Bei Ametsreiter hätte sie sich das individuelle Präsent sparen können; die Investorin ist bereits Kundin des Shops. Eine Investitionsentscheidung schiebt sie trotzdem auf.

Anzeige
Konkreter wird es bei Haselsteiner, der zunächst an die patriotischen Gefühle des SevenVentures-Austria-Investors Daniel Zech appelliert. Der lässt sich erweichen und bietet für fünf Prozent der Unternehmensanteile 100.000 Euro an Brutto-Media-Volumen auf den Sendern der ProSiebenSat.1 PULS 4 Gruppe. Haselsteiner selbst würde 100.000 Euro an Finanzierung gegen zehn Prozent der Firmenanteile dazuschießen. Die Gründerin verzichtet auf das SevenVentures-Angebot und entscheidet sich für den Bauunternehmer als Neugesellschafter.

Verblüffte Gesichter provoziert dann Showteilnehmer Mathias Haussmann, CEO der schweizerischen Uepaa AG. Er hätte gern mindestens zwei Millionen Euro für seinen mobilen Ortungsdienst für verunglückte Mountainbiker oder Skifahrer. Wie viele Anteile er dafür abgeben möchte, weiß er allerdings selbst nicht, schließlich sammele er noch Geld von anderen Kapitalgebern ein. Das ist den anwesenden Investoren eindeutig zu unkonkret.

Der nächste Mutige im Studio ist Robert Reithofer. Das heißt, eine Stange Mut scheint den Gründer bereits wieder verlassen zu haben, als dieser den Investorenraum betritt. Hastig rattert er seine Präsentation von Ibiola Mobility herunter, welches das Konzept Carsharing in ländlichen Gebieten beliebter machen möchte. Bis zum großen Black-out: Reithofer hangelt schwer atmend nach der eigens entwickelten Kunden-Chipkarte in seiner Hemdtasche – was er damit anstellen wollte, hat er allerdings vergessen. Mit viel Mühe bringt er seinen Pitch zu Ende. Ein Finanzierungsangebot kann er nicht ergattern.

Die Highlights aus der sechsten Folge in Bildern:

Zur Galerie

Rudolf Schwarzmayr präsentiert sein neuartiges Fassadensystem für Einfamilien- und Mehrparteienhäuser – und verliert den Faden.

Bild: ProSiebenSat.1 PULS 4/ (c) Nick Albert