EZW-Team

Das EZW-Team: Martin Hahn (l.), Lena Wettläufer, Lena Auer und Dr. Thilo Pukall

Ruhrgebiet-Accelerator will Startups und Mittelstand vernetzen

Startup-Beschleunigung schon an der Uni: In Witten/Herdecke (UW/H) können sich studentische Gründer seit kurzem parallel zum Studium oder der Promotion von Wirtschaftsprofessoren und praxiserprobten Firmengründern unter die Arme greifen lassen. An vielen anderen Hochschulen hat sich die Gründerzentren-Praxis längst etabliert: Die LMU in München oder die WHU in Vallendar bringen es jährlich auf bis zu hundert Gründerteams. Startups wie SponsorPay, Karista und Ausbildung.de gehen derweil auf Gründungen von UW/H-Absolventen zurück. Ein entsprechendes Gründerzentrum entstand in Witten aber erst im März dieses Jahres. Das Entrepreneurship-Zentrum Witten (EZW gGmbH) ist ein gemeinsames Projekt der UW/H und der Initiative der Wirtschaft für die UW/H gGmbH.

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Anfang Juni eröffnete das EZW einen Coworking-Space in Uni-Nähe, in dem inzwischen drei Startups aus dem zahnmedizinischen Bereich an Digital-Health-Angeboten arbeiten. Im Herbst soll ein Accelerator-Programm starten, das neben dem allgemeinen Dienstleistungsspektrum des Zentrums eine besonders engmaschige Betreuung verspricht. „Unsere Startups durchlaufen dabei kein standardisiertes Programm. Die Gründerteams, die zu uns kommen, stehen an verschiedenen Punkten ihrer Lebenszyklen. Daher bieten wir flexible und sehr individuelle Programme an,“ erklärt Dr. Thilo Pukall, Geschäftsführer des EZW und Dozent an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Witten/Herdecke. Der Grad der Betreuung orientiere sich an der Geschäftsidee: „Man muss sich auf das Startup einstellen. Von einem Biotechnologie-Startup in der Anfangsphase können wir nicht erwarten, dass sie uns innerhalb von drei Monaten einen Prototypen vorlegen,“ sagt Pukall.

Business Development for free

Bis zu zehn Teams soll der Beschleuniger in einem zweistufigen Prozess über zwölf Monate unterstützen – das Zuschießen von Startkapital sei dabei nicht geplant. Im Gegenzug wolle sich der Accelerator aber auch keine Unternehmensanteile sichern. „Wir wollen den Startups ermöglichen, an der eigenen Geschäftsidee zu feilen,“ beschreibt Pukall das Modell und spricht von „Business Development for free“. Das Gründerzentrum vernetze die Gründer mit einem dichten Netzwerk an Folgeinvestoren und Business Angels – insbesondere aus dem Mittelstand. Dem wiederum könne das Zentrum einen Zugang zur Startup-Welt verschaffen: „Wir wollen keine Konkurrenz zum Hubraum-Accelerator sein,“ sagt Pukall. Denn dem Schritt nach Berlin sei der Ruhrgebiet-Accelerator vorgelagert.

Als Mentoren sollen unter anderem MeinPraktikum.de-Gründer Stefan Peukert sowie Jonas Piela, Gründer und CEO des FinTech-Startups Avuba, tätig werden.

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Das Projekt verfolgt das Ziel, die Zahl der Unternehmensgründungen im Ruhrgebiet nach oben zu schrauben. Daher forciert das Wittener Gründerzentrum Kooperationen mit der TU Dortmund und der Ruhr-Universität Bochum. Das EZW nimmt ausschließlich Gründer auf, die an einer der drei Hochschulen immatrikuliert oder als wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt sind.

Mehr Startup-Hipster-Kultur in Witten

Gesellschafter des EZW sind zum einen die gemeinnützige Initiative der Wirtschaft für die UW/H, die unter anderem von Poco-Domäne-Gründer Peter Pohlmann ins Leben gerufen wurde. Zum anderen hält die Universität Witten/Herdecke selbst Anteile an der EZW. Langfristig will das EZW noch weitere Geldgeber an Bord holen. Bis 2016 soll die Testphase noch andauern – danach soll das Zentrum finanziell unabhängiger werden und unter anderem über Innovationsmanagement und Corporate Venturing Geld verdienen.

Pukall ist sich sicher: „Die Ausgangslage ist ähnlich wie in Berlin vor 15 Jahren. Die Ruhr-Region hat das Potenzial, zu einem Startup-Ökosystem zu werden.“ Passend dazu will das EZW seine Räume inspirierender einrichten, um eine attraktivere Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Auch äußerlich, sagt Pukall, soll sich das Zentrum der Hipster-Kultur der Berliner Startup-Szene anpassen.

Gründerteams, die sich für das Zentrum bewerben wollen, können sich auf der Webseite des EZW informieren.

Bild: Quincey Stumpner