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Unister „entsetzt über unfaire Berichterstattung“

Der Leipziger Portalbetreiber Unister soll in größerem Umfang als bisher bekannt Ticketpreise manipuliert haben. Das legen Recherchen des MDR-Magazins Fakt sowie der Zeitschrift Computerbild nahe, die sich auf Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft sowie Aussagen eines ehemaligen leitenden Angestellten des Unternehmens berufen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt bereits seit Ende 2012 gegen Unister, unter anderem wegen angeblicher Steuerhinterziehung, mutmaßlich unerlaubtem Vertrieb von Versicherungsprodukten – und dem Vorwurf, über Portale wie Fluege.de, Flug24.de oder Billigfluege.de zehntausende Tickets überteuert zum Nachteil von Kunden und Fluggesellschaften verkauft zu haben.

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Bislang ging man bei den Ermittlungsbehörden von etwa 60.000 Fällen aus, laut Fakt und Computerbild sollen aber sogar rund 100.000 Flugtickets von Unister „heruntergebucht“ worden sein: Bei dieser Geschäftspraxis versuchen Ticketing-Mitarbeiter nach dem Verkauf eines Tickets an einen Kunden, den Einkaufspreis über Spezialtarife, Sonderrabatte oder Preisschwankungen zu drücken. Die Differenz müsste eigentlich an den Kunden weitergegeben werden – doch die Ersparnis, die in Einzelfällen Hunderte von Euro betragen soll, wird stattdessen einbehalten.

„Der ganz entscheidende Punkt für unsere Prüfung ist der Umstand, dass das Internetportal bei diesen Buchungen als Vermittler für den Kunden fungiert und nicht als Zwischenhändler“, zitiert Fakt den Dresdner Oberstaatsawnwalt Wolfgang Klein. „Das heißt, die Interessen des Kunden müssen gewahrt werden und das Portal ist zivilrechtlich verpflichtet den erzielten Differenzbetrag an den Kunden auszukehren. Was es offensichtlich nicht getan hat.“

Den Unister-Kunden könnten damit laut dem Bericht bis zu zehn Millionen Euro Schaden entstanden sein. Das Unternehmen bestreitet die Vorwürfe. In einer Stellungnahme betonte Unister: „Kern der Auseinandersetzung zum sogenannten ‚Herunterbuchen‘ sind erheblich divergierende Rechtsauffassungen der Staatsanwaltschaft in Dresden und großen Teilen der Deutschen Reiseindustrie, unter anderem auch Unister.“ Das Unternehmen habe „ein großes Interesse daran, dass die Sachverhalte aufgeklärt und juristisch geklärt werden“.

Das Unternehmen kritisierte zudem die „einseitige und äußerst unfaire Berichterstattung“ von Fakt und Computerbild: „In polemischer Art und Weise werden alte und sattsam bekannte Vorwürfe aufgebauscht.“ Unister-Gründer Thomas Wagner sei darüber hinaus von den Journalisten „in einer privaten Situation mit der Kamera ‚überfallen und verfolgt’“ worden.

Bild: © panthermedia.net / Giuseppe Rinaldi