Unister-Lucas-Floether

Der am häufigsten bestellte Insolvenzverwalter in Ostdeutschland: Lucas Flöther

Wenn ein Insolvenzverwalter mit einem Startup zu tun hat, dann ist meistens schon einiges schief gelaufen. Lucas Flöther, der mit Unister einen der wohl spektakulärsten Insolvenzfälle der Gründerszene abwickelt, verrät im Handelsblatt-Interview einige der typischen Fehler, die in jungen Unternehmen passieren.

Werden die ganzen Mitarbeiter wirklich gebraucht?

Startups wollen wachsen, auch beim Team. Das passiert nach Ansicht Flöthers aber oft zu unkontrolliert. „Da werden Leute eingestellt, Abteilungen gegründet und Firmen hinzugekauft – und dann nicht mehr hingeguckt.“ Ergebnis: „Mitunter entstehen da sehr unübersichtliche Strukturen mit Krebsgeschwüren, und keiner hat Zeit, die abzuschneiden.“ Sein Tipp: Junge Unternehmen sollten immer wieder nach dem Sinn der einzelnen Tätigkeiten fragen. Und danach, ob die eingestellten Mitarbeiter dafür auch die geeigneten sind.

Startups geben oft zu viel Geld für Werbung aus

Ohne Kunden kein Geschäft. Dieser Weisheit wird niemand widersprechen. Die Frage ist nur: Wie und wie intensiv sollten junge Unternehmen für ihr Angebot werben? Offenbar ist Umsicht hier nicht immer an der Tagesordnung. Flöther: „Da werden manchmal hohe Millionenbeträge in Suchmaschinen-Marketing investiert, ohne zu fragen, welchen Effekt das hat und ob sich das Unternehmen das leisten kann.“

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Nicht von Erwartungen unter Druck setzen lassen

„Wachstum kostet vor allem eins: Liquidität“, weiß Flöther und spricht damit einmal mehr den Umgang mit dem Kapital an. Nur: Gerade in der Anfangszeit ist Geld eher Mangelware. Und frisches Kapital von Investoren kommt bekanntlich immer mit einer gewissen Erwartungshaltung: Wachstum. Flöthers Rat dennoch: „Als Unternehmer darf ich nicht ausschließlich auf das Wachstum schauen, wenn ich nachhaltig am Markt bestehen möchte.“ Denn wenn, siehe oben, zu schnell zu viel Kapital verblasen wird, „braucht es keinen Sturm, da genügt oft ein Windhauch, um ein Projekt zu Fall zu bringen.“

Braucht es das Unternehmen überhaupt?

Hier wird der Unister-Insolvenzverwalter plakativ. „Viele Startups bräuchte es gar nicht“, sagt er. Und meint damit, dass sich Jungunternehmen oft zu stark auf das Produkt fokussieren anstatt zu überlegen, was der Kunde eigentlich will. Soll heißen: Nur weil etwas technisch möglich ist, garantiert das noch keine Nachfrage. Flöthers Tipp daher: „Jeder Gründer muss sich fragen: Ist das ein echter Markt? Habe ich die Kontakte und das Wissen, um diesen Markt zu erschließen?“

Mit der Krise kommt der Zoff

„Es ist immer dasselbe Spiel: Man beginnt euphorisch und visionär. Wenn die Krise kommt, kommen auch die Spannungen, die blockieren, emotional wie geschäftlich“, stellt Flöther fest. Oft müssten er und seine Kollegen daher nicht nur zwischen dem Unternehmen und seinen Gläubigern vermitteln, sondern auch für Beruhigung zwischen Gesellschaftern sorgen. Will heißen: Alle sollten sich über die große Strategie grundsätzlich einig sein. Und: Gründer müssten von Beginn an einkalkulieren, dass es irgendwann Zoff geben wird – und wissen, wie man damit umgehen kann.

Bild: Unister / Lucas Flöther