Unister kommt nicht zur Ruhe: Der Leipziger Portalbetreiber ist nach Informationen des Fachmagazins FVW erneut ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Weil das Unternehmen den Ermittlern die geforderten Unterlagen freiwillig zur Verfügung gestellt habe, hätten Durchsuchungen wie 2012 und 2013 aber vermieden werden können.

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Erneut geht es dabei um Vorwürfe des Computerbetrugs wegen des sogenannten Runterbuchens und um die Hinterziehung von Umsatzsteuern. Laut dem Magazin, das sich auf die Dresdner Oberstaatsanwaltschaft beruft, erstrecken sich die jüngsten Ermittlungen auch auf den gerade verabschiedeten Unister-CEO Peter Zimmermann. Dessen Abgang war Anfang März verkündet worden, der Wechsel soll lange geplant gewesen sein. Neuer Unister-Geschäftsführer ist Matthias Steinberg, bislang CFO der Unternehmenstochter Unister Travel. Wann und ob auf der Grundlage der Ermittlungen Anklage erhoben werden soll, ist unklar.

Update, 16. März: Unister wehrt sich in einer Stellungnahme gegen die Darstellung, das Unternehmen sei „erneut im Visier der Staatsanwaltschaft“. Vielmehr sei Unister „nach wie vor ein konstruktiver und permanent engagierter Verfahrensbeteiligter“. Darüber hinaus sei man „sehr erstaunt, dass öffentlich über Namen spekuliert wird“.

Die erste Version des Artikels erschien am 13. März 2015.

Ebenfalls ungewiss ist die Zukunft der Reisesparte Unister Travel. Für sie sucht die Unister-Holding seit längerem einen Käufer. Zu den Kaufinteressenten soll neben einem schwedischen Finanzinvestor auch die Sendergruppe ProSiebenSat.1 gehören. Nach FVW-Informationen zieht sich das Bieterverfahren aber in die Länge, weil der von den Unister-Gesellschaftern geforderte Preis von angeblich 900 Millionen Euro als zu hoch angesehen wird.

Unterdessen bekommt Unister offenbar neuen Ärger vor Gericht – auf Betreiben von Verbraucherschützern. Die Verbraucherzentrale Sachsen kritisiert, Unister-Portale würden mit irreführenden Aussagen werben, zum Beispiel, dass Zahlung per Lastschrift immer möglich sei. Aber: „Bei unseren Tests haben wir festgestellt, dass im Schnitt nur etwa 30 Prozent der Flüge per Lastschrift gezahlt werden können“, lässt sich Verbraucherschützer Michael Hummel zitieren.

Unister weist das zurück: „Diese Darstellung ist falsch, denn das Lastschriftverfahren ist auf den Flugportalen von Unister Travel die kostenfreie gängige Zahlart, und zwar bei allen Linienflügen“, so Kommunikationsdirektor Dirk Rogl. Die Verbraucherzentrale hat nach eigener Aussage mehrere Gerichtsverfahren gegen Unternehmen der Unister-Gruppe angestrengt.

Bild: Unister Travel / © fluege.de