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Update, 29. Juli, 12:25 Uhr: In den Insolvenzbekanntmachungen sind nun die Anmeldungen der Flug.de Flugreisen GmbH und der Portal Service GmbH zu finden. Insgesamt steigt die Zahl der zahlungsunfähigen Unister-Unternehmen damit auf insgesamt neun.


Update, 26. Juli, 12:50 Uhr: Mittlerweile haben zwei weitere Unister-Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. Die Unister Factory GmbH, die laut Unister „gruppeninterne Dienstleistungen wie Buchhaltung bündelte“ und ein Call-Center mit dem Namen CS 24 Call Support. Damit steigt die Zahl der insolventen Firmen der Gruppe auf sieben – inklusive der Holding, die Schulden über beinahe 40 Millionen Euro angehäuft hatte.


Update, 21. Juli, 14.30 Uhr: Es ist so weit: Nun sind auch große Portale des Leipziger Betreibers Unister von der Pleite der Holding betroffen. Wie der Insolvenzverwalter mitteilen lässt, muss nun die vierte Tochterfirma, die Unister Travel Betriebsgesellschaft mbH, ins vorläufige Insolvenzverfahren gehen. Sie betreibt zum Beispiel die bekannte Seite Fluege.de – ein Buchungsportal mit Preisvergleichen für Flüge – und ist die Mutter des Reisegeschäfts der Unister-Gruppe.

Der eingesetzte Insolvenzverwalter Lucas Flöther sagte gestern gegenüber der Wirtschaftswoche, er suche nun einen Investor für Unister. „Es muss jetzt schnell gehen, das ist klar. [D]er Zeitfaktor [ist] im Online-Geschäft entscheidend“, so Flöther in dem Interview. „Unister braucht rasch einen Investor, aber wir werden auch keinen Notverkauf durchführen.“ Er sei optimistisch, dass man eine Lösung finde. Zu den dubiosen Vorfällen um den Tod des Gründers Thomas Wagner sagte er dem Magazin: „Tatsächlich klingt der Vorgang für mich eher nach einem Krimi als nach einem klassischen Insolvenzfall.“

(Dieser Artikel erschien zuerst am 20. Juli um 17:45 Uhr.)


Das Drama in Leipzig kennt dieser Tage kein Ende. Zuerst verunglückt am vergangenen Donnerstag der 38-jährige Thomas Wagner, der Gründer des umstrittenen Portalbetreibers Unister, bei einem Flugzeugabsturz. Auch sein Mitgründer Oliver Schilling (39) kommt ums Leben.

Dann meldet am Montag die Unister Holding Insolvenz an. Vom Unternehmen heißt es: „Nach dem Unfalltod des Gesellschafters und Alleingeschäftsführers Thomas Wagner war die Unister Holding GmbH ohne Geschäftsführung und dadurch in ihrer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt.“

Es ist eine Insolvenz mit weitreichenden Konsequenzen. Schon am Tag darauf warnt der zuständige Insolvenzverwalter Lucas Flöther, dass ein Ansteckungseffekt auf die Tochterfirmen nicht auszuschließen sei. Insgesamt betreibt Unister über 40 Portale wie Ab-in-den-Urlaub.de oder Fluege.de. Wenige Stunden später begann, was jetzt dramatische Ausmaße angenommen hat: Die Unister-Tochter Urlaubstours meldet Insolvenz an. Es folgt die Unister GmbH, die laut der Kanzlei vor allem kleinere Portale wie Auto.de und Partnersuche.de betreibt.

Jetzt offenbart das Insolvenzregister: Auch die Tochter U-Deals musste Insolvenz anmelden. Laut eigener Webseite betreibt sie allein zwölf Portale für Reisedeals. Rechtsanwalt Flöther sagte zuvor, er bemühe sich um eine Perspektive für die Leipziger Unternehmensgruppe. Teillösungen seien aber denkbar.

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Die Struktur der Gruppe ist durch die diversen Subunternehmen unübersichtlich. Die verschiedenen Insolvenzanmeldungen, welche auf die der Holding folgten, deuten darauf hin, dass die Unternehmen vertraglich miteinander verflochten sind. Ein mögliches Beispiel: Wären die Töchter der Holding zu einer Gewinnabführung verpflichtet, könnte sich dies negativ auf ihre Finanzlage auswirken.

Laut einem Bericht des Magazins Horizont konnten sich finanzielle Probleme bei Unister im Mai dieses Jahres erkennen lassen. Daten des Werbe-Trackingdienstes XAD hätten gezeigt, dass Unister bereits Anfang des Monats alle TV-Kampagnen gestoppt habe.

Aufgrund der sich laufend verändernden Nachrichtenlage wird dieser Artikel regelmäßig aktualisiert.

Was zuvor geschah

  • 19.7.2016: Die ersten beiden Tochterfirmen der Unister Holding müssen Insolvenz anmelden. Gründer Thomas Wagner soll in Italien vor seinem Rückflug betrogen worden sein:

Drama um den Gründer: Unister-Gründer soll betrogen worden sein, weitere Firmen melden Insolvenz an

Unister-Gründer soll betrogen worden sein, weitere Firmen melden Insolvenz an

Die Unister-Gruppe erleidet weitere Rückschläge: Nach dem Tod des Gründers und der Insolvenz der Holding müssen nun zwei Tochterfirmen Insolvenz anmelden.

  • 18.7.2016: Die Unister Holding rutscht nach dem Tod des Gründers in die Insolvenz:

Nach dem Tod des Gründers: Unister Holding meldet vorläufige Insolvenz an

Unister Holding meldet vorläufige Insolvenz an

Vergangene Woche verunglückte der Unister-Gründer Thomas Wagner bei einem Flugzeugabsturz. Jetzt rutscht die Unister Holding ins vorläufige Insolvenzverfahren.

  • 14.7.2016: Unister-Gründer Thomas Wagner verunglückt mit drei weiteren Menschen tödlich bei einem Flugzeugabsturz:

Thomas Wagner : Unister – Chronik eines Unternehmers

Unister – Chronik eines Unternehmers

Der Gründer des Leipziger Portalbetreibers Unister kam gestern Abend bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Auch sein Mitgründer Oliver Schilling war an Bord.

Bilder: Unister, Facebook-Bild: Screenshot Youtube