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Der verstorbene Unister-Gründer Thomas Wagner

Die erste Warnung gab der Insolvenzverwalter am Dienstagnachmittag heraus. Der Tenor: Nachdem die Unister Holding einen Tag zuvor Insolvenz anmelden musste, könnten auch Tochterfirmen von einer Zahlungsunfähigkeit betroffen sein. „Es ist zumindest nicht auszuschließen, dass es da einen Ansteckungseffekt oder einen Dominoeffekt gibt. Das muss man jetzt prüfen“, sagte der Verwalter und Rechtsanwalt Lucas Flöther dem MDR.

Das erste Ergebnis der Prüfung ließ nicht lange auf sich warten. Schon am Abend, nur wenige Stunden später, verkündete die Kanzlei, dass die Unister-Tochter Urlaubstours einen Insolvenzantrag stellen musste. Das Unternehmen ist eine Tochter der Unister Travel Betriebsgesellschaft GmbH und veranstaltet Reisen selbst. Im Gegensatz zu dem üblichen Geschäft des Portalbetreibers Unister vermittelt Urlaubstours also nicht nur Angebote dritter Tourismusfirmen an die Kunden.

Update, 15 Uhr: Wie aus dem Insolvenzregister ersichtlich wird, hat außerdem eine Firma namens Unister GmbH Insolvenz anmelden müssen. Welche Geschäfte diese Firma betreibt, konnte ein Sprecher für die Kanzlei bisher auf Nachfrage von Gründerszene nicht beantworten. Im Handelsregister sind diverse Bereiche angegeben: von „Entwicklung, Herstellung und Handel von Internetdienstleistungen“ über „Vermittlung von Nutzungs- und Eigentumsrechten an Grundstücken“ bis zu „Handel mit sowie Import/Export von: Antiquitäten- und Kunsthandel“.

Die erste Version dieses Artikels erschien am 20.7. um 7 Uhr.

Rechtsanwalt Flöther lässt sich in einer Mitteilung zitieren, er bemühe sich um eine Perspektive für die Leipziger Unternehmensgruppe. „Unser Ziel ist es, eine Zukunftslösung zu finden – idealerweise für die gesamte Gruppe. Aber auch mehrere Teillösungen sind denkbar.“

Undurchsichtige Struktur des Unternehmens

Die Gesellschaftsstruktur der Gruppe ist kompliziert. Mehr als 40 verschiedene Portale betreibt Unister insgesamt – darunter Seiten wie Fluege.de, Ab-in-den-Urlaub.de oder auch News.de. Viele dieser Portale sind als eigene GmbHs organisiert, die wiederum zu bestimmten Mutterfirmen gehören. Was die Insolvenz der Holding nun tatsächlich im Detail für die Tochterfirmen bedeutet, hängt von den Verträgen ab. Ein Beispiel: Wären die Töchter der Holding zu einer Gewinnabführung verpflichtet, könnte es für sie düster aussehen. Ob aber überhaupt weitere Firmen von einer Zahlungsunfähigkeit betroffen sind, ist bisher unklar.

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Den Insolvenzen vorausgegangen ist der Tod des erst 38-jährigen Gründers Thomas Wagner, der vergangenen Donnerstag bei einem Flugzeugabsturz mit seinem Mitgründer Oliver Schilling (39) und zwei weiteren Menschen ums Leben kam. Die kleine Maschine war auf dem Weg von Venedig nach Leipzig, als sie in Slowenien abstürzte.

Wie MDR-Exakt berichtet, soll Thomas Wagner in Venedig bei einem Geldgeschäft betrogen worden sein. Der Sprecher der zuständigen slowenischen Kriminalpolizei sagte dem MDR, man habe Dokumente entdeckt, die zeigten, „dass Wagner Opfer eines Betrugs geworden ist, bei dem es um extrem hohe Summen ging“. Die Polizei bestätigte dem MDR außerdem, dass an der Absturzstelle Bargeld in Höhe von 10.000 Schweizer Franken gefunden wurde, jedoch kein Geldkoffer. Letzteres hatte Bild.de zuvor berichtet, außerdem von Bargeld in Millionenhöhe geschrieben.

Laut mehrerer Berichte, die sich auf Insider berufen, soll Wagner wegen Kreditgeschäften nach Italien geflogen sein. Wie der MDR außerdem schreibt, sei dem Gründer dabei Falschgeld untergeschoben worden, woraufhin er Anzeige bei der Polizei erstattet habe. Die genauen Gründe für die Reise sind allerdings bisher nicht offiziell bekannt.

Bild: Unister