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Ein Auszug aus dem Buch „Entrepreneurial Living. Unternimm dein Leben. In 7 Zügen zum Unternehmer“ von Dietmar Grichnik, Professor für Entrepreneurship an der Universität St. Gallen.

Sicher hast du im Laufe deines Lebens bereits verschiedene Unternehmerrollen gespielt. So mag man in seiner Jugend als Teeniepreneur oder Studentpreneur spielerisch mit seinen Hobbys experimentieren, sei es als Schlagzeuger in der Schülerband oder als wohltätiger Umweltaktivist in der eigens gegründeten Studentengruppe für Hilfslieferungen in Krisengebiete.

Als junger Akademiker im ersten Anstellungsverhältnis beim Beratungsunternehmen beginnt man vielleicht als Parttimepreneur ein interessantes Kundenproblem in der spärlichen Freizeit zu lösen, bereits mehr oder weniger bewusst mit dem Gedanken spielend, dieses Hobby später einmal zum Beruf zu machen.

„Entrepreneurial Living. Unternimm dein Leben. In 7 Zügen zum Unternehmer“ von Dietmar Grichnik

Der vorprogrammierte Ausstieg im Durchlauferhitzer „Beratungsgeschäft“, der früher zielsicher beim Großunternehmen oder etablierten Mittelständler im Chefsessel landete, lässt nun Spielraum für die Unternehmerkarriere. Der Geek- und Techiepreneur bastelt am Algorithmus, der unser tägliches Konsumverhalten im Internet verändern soll. Sei es die Suchhilfe für noch unbewusste Kundenwünsche oder das Internet der Dinge, das unsere Geräte vernetzt, um Wartungsarbeiten automatisch auszuführen, bis zur nahen Zukunft, unseren Kühlschrank digitalisiert via Internet mit unseren Grundnahrungsmitteln aufzufüllen. Mit einer geklauten Idee aus den USA versucht die als Hipsterpreneur getarnte Kopierkatze, neudeutsch Copycat, auf den Schnellzug der Popkultur im modernen Entrepreneurship aufzuspringen. „Gründest du schon oder arbeitest du noch – studierst womöglich sogar ?“, scheint in Abwandlung des erfolgreichsten Werbeslogans unserer Zeit über die Twitter-Ticker zu zwitschern, naiv verkennend, wie viel mehr an Arbeit die Selbstständigkeit gegenüber dem Angestelltenverhältnis bereithält.

Der Studienabbrecher wird zum neuen Star einer Populärkultur

Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Selbstverwirklichungskultur, zu sehen bei Studierenden der Generation Z (geboren nach 1999) oder jungen Berufstätigen der Generation Y (geboren zwischen 1980 und 1999), trübt zunächst den Blick für eine der arbeitsintensivsten Tätigkeiten, die man für den Berufseinstieg oder Jobwechsel wählen kann; aber auch für eine der faszinierendsten und motivierendsten Tätigkeiten, die man sich vorstellen kann, geht es doch darum, die eigenen Ideen, die aus den eigenen Fähigkeiten entstehen, umzusetzen.

Der Studienabbrecher, der als Mitzwanziger den etablierten Konzernlenkern als Mitfünfziger den Kampf ansagt, wird zum neuen Star einer Populärkultur, die auf Konventionen im Managerleben keine Rücksicht nimmt. Wer möchte nicht aus dem Abhängigkeitsverhältnis einer unendlich lang erscheinenden Karriereleiter im Großkonzern auf den Fast-track zur schnellen Million im coolen Startup wechseln ? Immer mehr scheinen diesem mehr oder weniger realistischen Gedanken zu frönen und damit der Volkswirtschaft einen vergessen geglaubten Lebensgeist des Innovierens und Experimentierens einzuhauchen.

Und auch das Scheitern, die Kehrseite des erfolgreichen Unternehmertums, wird Teil des „Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiels“. Die Vergessenen in der Wettkampfarena des Schneller-, Schöner- und Besserseins im Internet sind beredte Beispiele. Oder kennt noch jemand LetsBuyIt.com, einst führend im Online-Shopping in den 1990er-Jahren und seinerzeit in Europa so bekannt wie Amazon.com ?

Von den vielen Gestrandeten an der Seite der Steve Jobs dieser Welt oder Geschlagenen im Wettstreit mit den Mark Zuckerbergs ganz zu schweigen. Beides, Superpreneur wie auch sein gescheiterter Konkurrent, aber sind statistische Ausreißer am oberen oder am unteren Ende der Erfolgsskala, die die ganze Spannbreite und Vielfalt, den Reiz des modernen Unternehmertums ausmachen.

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Die Möglichkeit, sich einem interessanten Problem mit all seinen Sinnen und Energien widmen zu können, reizt uns alle. Man fühlt sich zurückversetzt in die Jugendzeit, wo einem die Welt offenstand und man nach seinen Fähigkeiten einem Berufswunsch nachhing. Im Unterschied zu damals ist man nun an einem Punkt im Berufsleben angekommen, an dem man viel Wissen im Beruflichen und Privaten sammeln konnte und damit über den Erfolgsfaktor im Entrepreneurship schlechthin verfügt – Erfahrung. Erfahrung gemünzt auf ein bisher ungelöstes, wichtiges Problem ist der Startpunkt in die eigene unternehmerische Zukunft.

BILD: Getty Images / Thomas Barwick

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