Urbanara Benjamin Esser Startup-Helden

Urbanara-Mitgründer und -Geschäftsführer Benjamin Esser (34)

„Startup-Held“ Benjamin Esser im Interview

Als der Heimdekorshop Urbanara (www.urbanara.de) im Juli 2013 – nach monatelanger Verzögerung durch den Portalbetreiber – als erster Emittent der Crowdinvesting-Plattform Bergfürst präsentiert wurde, lagen die Hoffnungen auf einem Erlös von mindestens drei Millionen Euro. Und tatsächlich hatten sich bis November rund 1.000 private Anleger mit im Schnitt jeweils 3.000 Euro am Berliner Unternehmen beteiligt.

Der Deutsch-Bolivianer Benjamin Esser hatte Urbanara, einen Onlineshop für Heimtextilien und Wohnaccessoires direkt vom Hersteller, 2010 gemeinsam mit Claire Davidson und Martin von Wenckstern gegründet. 2011 launchte Urbanara in Deutschland, auch in Großbritannien und Österreich sind mittlerweile Shops gestartet und 50 Mitarbeiter sind für das Unternehmen tätig. In der Reihe „Startup-Helden“ spricht Urbanara-Gründer und –Geschäftsführer Benjamin Esser über Jugendträume, Crowdinvesting und Selbstkritik.

Wie bist du auf die Idee zu Urbanara gekommen?

In das Konzept der direkten Hersteller-Kunden-Beziehung habe ich in meiner Zeit bei MyFab verliebt, in die Produkte erst um einiges später. Ich schätze Qualität und Nachhaltigkeit zwar generell sehr, allerdings habe ich mit zehn Jahren nicht davon geträumt, Bettwäsche, Decken oder Teppiche zu verkaufen. Mittlerweile tue ich das und kann mir keine anderen Produkte vorstellen.

Was macht Urbanara anders als die Konkurrenz?

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Wir haben uns 2010 bewusst dafür entschieden, nicht ein weiterer Shopping-Club im Home&Living-Bereich zu werden, sondern stattdessen eine eigene Marke mit eigenen Produkten mit Own-Label aufzubauen. Und dieses Modell der globalen Eigenmarke, gepaart mit der Qualität der Produkte und den direkten Handelsbeziehungen, die wir zu unseren Herstellern pflegen, machen den Unterschied und heben uns ab.

Im vergangenen Jahr wurde Urbanara zum ersten Bergfürst-Emittenten. Hat sich die Aktion trotz der Schwierigkeiten und Verzögerungen gelohnt – immerhin hättet Ihr das Geld sicher einfacher auf anderen Crowdinvesting-Plattformen wie Seedmatch einsammeln können?

Sicherlich war die Emission via Bergfürst nicht ohne Aufwand und einer Menge Arbeit zu bewältigen, aber wir sind mit dem Ergebnis auf jeden Fall zufrieden und die Vorteile heben das intensive Arbeitspensum wieder auf. Seit dem Abschluss der Emission haben wir viel Feedback von den neuen Gesellschaftern erhalten und wir verzeichneten auch ein klares Umsatzplus. Wir hatten viel PR und Mund-zu-Mund-Propaganda, die uns noch bekannter gemacht hat und letztendlich auch in den Verkaufszahlen widergespiegelt hat.

Der Aufwand und der Professionalisierungsgrad hinsichtlich Reporting und Governance-Pflichten, den wir jetzt haben, sind natürlich nicht zu unterschätzen. Diese neue Pflichten sind aber gar nicht so schlecht: Wir sind erwachsener geworden. Seedmatch und Co waren für uns keine alternativen Finanzierungswege, da diese Plattformen nicht die gleichen Ticketgrößen anbieten und keine Equity-Finanzierung machen. Daher war nur die Finanzierung durch VCs eine wirkliche Alternative und das haben wir ja parallel schon gemacht.

Wie werden die Aktionäre ins Unternehmen eingebunden?

Wir versuchen unsere Aktionäre zu aktiven Markenbotschaftern zu machen. Hierzu statten wir sie zum Beispiel mit „Ambassador-Kits“ aus. Auch kommunizieren wir über diverse Foren aktiv mit unseren Gesellschaftern und halten Sie so über die neuesten Aktivitäten bei Urbanara auf dem Laufenden.

Welche Tipps gibst Du jungen Gründern nach Deinen eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

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Was auch immer ihr macht, versucht neue Wege zu gehen und folgt nicht blind anderen Konzepten. Eigene Ideen und der feste Glaube daran bringen euch weiter. Seid euch aber von vornherein bewusst, welche Art von Unternehmen ihr gründen möchtet und ob ihr organisches Wachstum mit weniger Kapital oder schnelles Wachstum, was kapitalintensiv ist, anstrebt. Seid außerdem selbstkritisch genug, die Strategie und Ausrichtung des Unternehmens in frühen Phasen zu ändern. Und seht zu, dass ihr euer Team der Entwicklungsphase des Unternehmens strukturell anpasst.

Bild: Urbanara