Die Episode des eigenen Logistik-Diensts geht für Delivery Hero hässlich zu Ende. Vor kurzem schloss der Lieferriese sein Startup Valk Fleet, in Großbritannien hat es nun Insolvenz angemeldet. Dabei lässt Valk Fleet einen Teil der Angestellten und beschäftigten Fahrer unbezahlt zurück, berichtet TechCrunch. Einige Manager des Startups haben demnach jetzt von verärgerten Fahrern Morddrohungen erhalten. Delivery Hero bestätigt die Drohungen, die Polizei sei eingeschaltet worden.

Wie viele Betroffene ihre ausstehenden Löhne künftig noch erhalten werden, ist derzeit unklar. „Alle Zahlungen wurden von dem Verwalter eingefroren“, sagte Scott Fletcher von Delivery Hero gegenüber TechCrunch. Nun müssen Angestellte und Fahrer ihre Forderungen stellen. Der Insolvenzverwalter wird dann entscheiden, wie viel Geld die Gläubiger bekommen. Von Delivery Hero heißt es, Valk Fleet habe am Ende noch viel Kapital auf dem Konto gehabt.

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Dass Delivery Hero seinen Logistik-Dienst Mitte März einstellte, kam überraschend. Im November 2015 wollte der das Unternehmen sich noch ganz auf die Operationen von Valk Fleet fokussieren. Der Service bot Restaurants ohne eigenen Lieferdienst den Zugang zu der nötigen Technologie und den Fahrer an, um ihre Gerichte ausliefern zu können. Doch das Geschäft soll sich nicht gerechnet haben. Die Margen seien niedrig, glaubt man mittlerweile bei Delivery Hero. „Im Bereich Food-Logistik haben wir einen schwierigen Lernprozess durchlebt“, erklärte CEO Niklas Östberg bei der Schließung in einer Mitteilung. In der hieß es weiter, Delivery Hero konzentriere sich nun in Sachen Auslieferung auf seine Tochter Foodora.

Valk Fleet war neben Großbritannien und vier weiteren Ländern auch in Deutschland aktiv. Hier wurde das Unternehmen aufgelöst, eine Insolvenz gab es nicht, ein Eklat blieb aus. Ingesamt arbeiteten 200 Angestellte und 1.000 Fahrer zum Zeitpunkt der Schließung für Valk Fleet, in Großbritannien waren etwa 500 Fahrer beschäftigt.

Das Ziel: Wachsen um jeden Preis

Laut TechCrunch soll das Startup in einem Monat sogar 700.000 Pfund (etwa 877.000 Euro) für Löhne ausgegeben haben. Das Management habe Wachstum als oberstes Ziel ausgegeben.

Die Recherchen des Onlinemagazins ergaben außerdem, dass Restaurants in Großbritannien zwischen 3,50 und 4,50 Pfund pro Lieferung an Valk Fleet gezahlt haben sollen. Die Kosten für eine Auslieferung hingegen hätten bei etwa 8 Pfund gelegen. Zuletzt sollen monatlich 100.000 Bestellungen eingegangen sein.

Insider sagten gegenüber TechCrunch, die Zahlen des Startups hätten sich nach einigen Optimierungen im Dezember verbessert. Ehemalige Mitarbeiter glaubten demnach, das Geschäftsmodell sei tragfähig. Bei Delivery Hero selbst hält man den Erfolg zwar für möglich, allerdings erst in ferner Zukunft. Ein Investment, das gerade nicht in die Strategie des Unternehmens passt: Denn die Zeichen stehen auf Profitabilität – für den geplanten Börsengang.

Mehr zum Thema: Wie sich Delivery Hero für den Börsengang zurecht schrumpft.

Bild: Delivery Hero