Immer weiter ins Unbekannte, ohne einen konkreten Plan: Luis Gisbert

Bevor er sich entschied, eine große Reise anzutreten, war Luis Miguel Gisbert bei TrialPay als Business Development Manager Europe erfolgreich und glücklich. In diesem Gastbeitrag berichtet er von der Entscheidung, dem sicheren Alltag in Berlin den Rücken zuzukehren und sich auf die Suche nach neuer Inspiration zu machen. Seine Gedanken über das Leben und das Reisen hält er außerdem auf seinem Blog Mylifeexperiment.com fest.

Sieben Uhr morgens, guten Morgen Berlin!

Es ist Montag, sieben Uhr morgens und die ersten Töne, die mein Ohr erreichen, stammen vom Wecker meines Smartphones. Meine erste Reaktion ist die Suche nach dem Snooze-Button. Mein Körper fühlt sich an wie Blei und meine sonst so starken Muskeln schaffen es gerade nur, meinen Körper von der einen auf die andere Seite zu drehen. Piep, piep, piep. Es ist 7 Uhr 30 morgens und das sind die zweiten Töne, die ich zu Ohren bekomme. Guten Morgen Berlin!

Meinen Alltag der letzten zwei Jahre würde ich als traumhaft bezeichnen. Und damit ist nicht die Zeit gemeint, in der ich gereist bin, sondern die, in der ich meine besten beruflichen und persönlichen Erfahrungen gemacht habe. In beruflicher Hinsicht war ich in der glücklichen Lage, in einem erstklassigen und internationalen Unternehmen zu arbeiten. Das Team, die Verantwortung, die Aussichten und die günstigen Rahmenbedingungen haben mich Tag für Tag aufs Neue motiviert. Daraus konnte ich diesen Antrieb generieren, der mich täglich dazu herausforderte, noch besser zu sein, als es von mir erwartet wurde.

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Man sagt, dass man mit knapp Mitte zwanzig die ganze Welt erobern möchte. Das ganze Leben liegt noch vor einem und der nächste Erfolg ist nur einen Schritt entfernt. Vielleicht ist das etwas verallgemeinert, aber nach dieser Vorstellung habe ich versucht zu leben und war erfolgreich damit. Knapp zwei Jahre vergingen und nach vielen Höhepunkten und herausfordernden Momenten stand ich schließlich vor einer wichtigen Entscheidung.

Die Welt ist so schnelllebig und hat so viel zu bieten, dass es immer wieder verlockend ist, mehr und mehr haben zu wollen. Mehr Geld, mehr materiellen Besitz, mehr Erfolg, mehr Ansehen. Das alles gleicht einem ewigen Kreislauf, der besonders in jungen Jahren einen starken Einfluss auf die eigene Persönlichkeit hat. Irgendwann erreicht man allerdings den Punkt, an dem man genug hat und beginnt, das alles in Frage zu stellen.

Sicheres, bequemes Leben versus neue Inspiration

Aber wie kommt man aus diesem Kreislauf wieder heraus? Wer es wissen möchte, muss es einfach riskieren und Veränderungen zulassen, sonst wird man es nie – oder vielleicht erst zu spät – schaffen. Mit dieser Einstellung ging ich in meine letzten Gehaltsverhandlung rein, die wie geplant verlief. Ich nahm und bekam alles, was ging, doch im Hinterkopf wusste ich bereits, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen war.

Die Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen, hatte ich bereits vor der Verhandlung getroffen. Ich war im Begriff, eine lange und weite Reise anzutreten. Meine Tage bei meinem Arbeitgeber waren nun gezählt. Für ein paar Momente zweifelte ich an meiner Entscheidung, meine Freundin, Familie und Freunde zurückzulassen und meinen Job zu kündigen und fragte mich selbst: „Bist du wirklich bereit, auf dieses sichere und bequeme Leben zu verzichten?“ Es sind oft diese kurzen aber intensiven Momente, die einen meist die falsche Entscheidung treffen lassen. Vor einem liegt ein dunkler Tunnel und plötzlich erstarrt man, weil man von Angst und Ungewissheit überkommen wird.

Der Aufbruch zu meiner Reise war keine Flucht vor dem Alltag, sondern eine bewusste Entscheidung. Ich fing an zu laufen, fahren, trampen und fliegen. Immer weiter ins Unbekannte und ohne einen konkreten Plan. Dies ist kein Dauerurlaub von einem Job, auf den ich keine Lust mehr hatte, sondern vielmehr ein Experiment, um neue Inspiration zu gewinnen. Die Erkundung unbekannter Orte soll mir zu Erfahrungen verhelfen, die mich das Leben mit seinen zahlreichen Facetten wahrnehmen lassen.

Bitte wenden: Hier geht’s zum zweiten Teil.

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