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Franziska von Hardenberg ist es gewöhnt, ihre Firma von der besten Seite zu präsentieren. Sie hat schon einige Geldgeber von ihrem Blumenversandhandel überzeugen können – und diese investierten mehrere Millionen in das Startup.

Doch an diesem Donnerstagabend erwartet Hardenberg einen besonderen Gast in dem Büro von Bloomy Days in Berlin-Mitte. Und der lässt auch die erfahrene Geschäftsfrau nicht kalt. Gemeinsam mit dem Door2Door-Gründer Tom Kirschbaum hat sie Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Tour durch ihre beiden Startups eingeladen, anschließen wollen sie mit ihr und weiteren Gründern bei einem Kamingespräch reden – und die Kanzlerin hat tatsächlich zugesagt. Auch einige der Geldgeber des Startups haben sich angekündigt.

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Bei Bloomy Days stehen immer Blumen im Büro, an diesem Abend aber sind es noch viel mehr als sonst. Es duftet nach Rosen, Tulpen, Orchideen – Schnittblumen, Zweige und Sträuße hat das Team auf gefühlt jedem freien Fleck der großen Halle platziert. Zwischen den Vasen brennen Kerzen. Die Schreibtische sind aufgeräumt, die Küche blitzblank, nur auf der Arbeitsplatte steht fein drapiert ein Blech mit frischen Plätzchen. Die Mitarbeiter haben eigentlich schon Feierabend. Jetzt sitzen sie aber noch vor ihren Rechnern. Einige von ihnen haben sich heute ein Sakko angezogen. Der Fotograf schießt ein paar Probebilder.

Die Gründerin – in einem leuchtend orangenen Seidenkleid in floralem Muster – läuft umher und gibt letzte Anweisungen. Die Kanzlerin werde einmal im Kreis durch das Büro geführt, sagt sie. Für mehr Fragen hat sie jetzt keine Zeit. Im Vorbeigehen ruft sie noch: „Klar bin ich aufgeregt.“

Zuerst kommen die Investoren Christophe Maire und Franko Neumetzler, dann wird es richtig voll im Raum. Die Kanzlerin erscheint mit einem Tross von einigen Männern in Anzügen. Es sind Mitarbeiter des Kanzleramts, des Konrad-Adenauer-Hauses, Bodyguards und Journalisten. Trotz der vielen Menschen wird es ruhig im Büro. Jetzt geht alles schnell. Merkel begrüßt zuerst die Gründerin und die Investoren per Handschlag. Danach führt Hardenberg sie in die Küche.

Die Gründerin erzählt, wie sie auf die Idee für ihr Unternehmen gekommen ist. 2012 sei das gewesen, da sei ihr das Büro so blumenleer vorgekommen. „Was für ein Büro?“, unterbricht Merkel sie. „Das bei Rocket Internet“, sagt Hardenberg. „Ach so, Rocket Internet“, sagt Merkel.

Da steht sie nun, die Kanzlerin, in der ihr fremden Küche dieses Unternehmens – mit sämtlichen Anwesenden und mehreren Fotografen ihr gegenüber, die permanent Bilder machen. Sie ist zu sehr Profi, um sich davon irritieren zu lassen. Freundlich nickend hört sie Hardenbergs Vortrag zu. Von Bloomy Days scheint sie bisher nicht viel zu wissen, jemand muss ihr aber die Webseite gezeigt haben, die kennt sie.

Auch wenn sie zu Beginn ein wenig müde wirkt, stellt sie weiter Fragen: zuerst höflich, dann mehr und mehr interessiert. Hardenberg erzählt, dass sie anfangs keine Investoren fand, danach einige Aufmerksamkeit durch Crowdfunding bekam und schließlich Investor Christophe Maire beim jährlichen Idea Lab der WHU traf. „WHU ist?“, fragt die Kanzlerin. „Otto Beisheim School of Management“, ergänzt Hardenberg.

So war Merkels Rundgang durch Bloomy Days

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An diesem Tag ist das Büro von Bloomy Days mit besonders vielen Blumen geschmückt.

Merkel unterbricht weiter – und stellt dabei Fragen wie ein Investor. „Also Sie haben noch knapp 50 Prozent an dem Unternehmen und den Rest haben die anderen Anteilseigner?“, will sie wissen. „Verdienen Sie auch schon was?“ „Wo kaufen Sie die Blumen?“ Es sind Fragen, mit denen Hardenberg gut umgehen kann, schließlich ist es nicht ihr erster Pitch. Souverän antwortet sie: Bloomy Days sei kurz davor, profitabel zu werden, hätte über 250.000 Blumenpakete versendet und verzeichne ein starkes Wachstum.

Dann will Merkel wissen, ob sie denn einen Strauß bestellen könne – jederzeit, versichert die Gründerin sofort. Natürlich.

Nun geht es zu den Abteilungen: zum Marketing, zum Kundenservice, zur IT.

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Merkel schüttelt weitere Hände, guckt auf Bildschirme, stellt weitere Investoren-Fragen. Wohin das Startup die Blumen verschicke, ob sie dort auch heil ankämen, wie sie frisch blieben, wie viele Mitarbeiter hier insgesamt arbeiteten, ob die alle fest angestellt seien. Ob sie Kennziffern hätten, Zielzahlen, an die sie sich halten müssten.

An einem Schreibtisch ganz hinten im Raum sitzen vier Mitarbeiter von SecondHunt, einem Startup für Gebrauchtwaffen und Jagdgewehre. Als Merkel an ihnen vorbeigeht, steht unübersehbar auf ihren Bildschirmen: „SecondHunt grüßt die Kanzlerin!“ Merkel stoppt. Stutzt. Was SecondHunt mache, erkundigt sie sich. Sie erfährt, dass das andere Startup Untermieter bei Bloomy Days ist. „Sie hatten da einfach noch einen Tisch frei und jetzt sitzen sie da?“, fragt Merkel die Gründerin. So ist es. Mit einem „Good Luck“ verabschiedet sich die Kanzlerin von SecondHunt.

Ohne einen Imagefilm von Bloomy Days zu zeigen, will Hardenberg die Kanzlerin nicht gehen lassen.

Mitten im Büro von Bloomy Days steht ein Holzhäuschen, das die Mitarbeiter als Konferenzraum nutzen. Hier sieht Merkel nun den Film, danach gibt es noch ein Gruppenbild mit dem Team in der Küche. Genau 21 Minuten, nachdem Merkel das Büro betreten hat, ist der Besuch zuende. 20 Minuten waren dafür offiziell vorgesehen. Das Startup hat sein Programm genau darauf abgestimmt. Die Kanzlerin verabschiedet sich: „Es hat mir gefallen, weil Sie hier alles so schön selbst machen.“

Alle klatschen. Merkel winkt. Dann verschwindet sie mit ihren Begleitern in Richtung Kamingespräch in die Berliner Nacht.

Bloomy Days: Ein Hauch von Landliebe in der Stadt – wenn es mit der Lieferung klappt

Ein Hauch von Landliebe in der Stadt – wenn es mit der Lieferung klappt

Wir haben uns für sechs Wochen frische Blumen nach Hause bestellt. Im Abo bei Bloomy Days. Sehr geschmackvoll und meistens frisch – wenn sie denn kommen.

Bild: Georg Räth/Gründerszene / Bloomy Days