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Huhu, noch mehr Verschwörung: Sehen alle Programmierer im Valley vielleicht in Wahrheit so aus?

Das Silicon Valley ist naturgemäß ein Hort des analytischen Denkens und der technischen Abgeklärtheit – und trotzdem ein feiner Nährboden für Gerüchte und Mythen. Im Rahmen unserer sechswöchigen Serie zum Valley Camp: Die Top-5- Verschwörungstheorien – eine Mischung aus absurden Thesen, Total-Gaga-Mythen und angeblichen Geheimabsprachen, die vielleicht gar nicht so unrealistisch sein könnten.

1. Mark Zuckerberg ist ein Illuminat. Der Klassiker im Verschwörungsgebimmel! Als Beleg für die geheimbündlerischen Verstrickungen des Facebookchefs ziehen Freunde der Esoterikmunkelei gerne ein Fernsehinterview von 2010 heran, bei dem Zuckerberg auf einer Technikkonferenz sein angeschwitztes Hoodie ablegt – und unfreiwillig den Blick auf ein mysteriöses Pfeile-Symbol auf seinem Innenfutter freigibt. Ob er wohl Mitglied eines Kultes sei, will die Moderatorin wissen, und Zuckerberg erklärt, die Kapuzenjacke sei eine offizielles Firmenklamotte und das  Symbol verdeutliche das Mission-Statement seines Unternehmens. Sonderbar nur, unkten da die Verschwörungsfexe, dass dieses irgendwie ganz schön illuminatenmäßige Symbol sonst nirgendwo im Web auftauche. Facebook-Insider beruhigten die aufgescheuchte Bloggerschar: Verdächtige Rituale seien ihnen im Facebook-Alltag noch nicht aufgefallen – von gelegentlichen Teambuilding-Absonderlichkeiten einmal abgesehen.

2. Facebook wurde von der CIA gegründet. Ein schönes Beispiel für eine traditionelle Verschwörungstheorie-Menschenkette, die folgendermaßen funktioniert: Facebook bekam früh Millionen von der Risikokapital-Gesellschaft Accel Partners. Jim Breyer, einer der drei Partner von Accel (und größter Facebook-Aktionär nach Mark Zuckerberg selbst), saß auch im Aufsichtsrat der National Venture Capital Association, wo er Gilman Louie kennen lernte, den CEO von In-Q-Tel, der VC-Firma der CIA. Ein Mitglied des In-Q-Tel-Aufsichsrats wiederum  war verantwortlich für ein Datensammelprojekt des US-Verteidigungsministeriums, das – wie Journalisten aufdeckten – möglichst viele Informationen über möglichst viele Bürger sammeln sollte: von Internetgewohnheiten über die Kreditkartenabrechnung bis zur Urlaubsreise. Das Projekt wurde offiziell zerschlagen, als diese Ziele bekannt wurden – Verschwörungsfreunde sind sicher, dass Facebook die neue, heimliche Variante dieser Ausspäh-Unternehmung ist. Komisch, denn eigentlich gibt es von der NSA doch dafür Prism und Co.

3. Super-Angels verbünden sich gegen Startups: Relativ realistisch klingt dagegen ein Verschwörungsgerücht, das der Techcrunch-Gründer und damalige Chefredakteur Chef Mike Arrington 2010 publik machte: Er hatte ein geheimes Treffen zwischen den einflussreichsten Angelinvestoren des Valleys, den so genannten Super Angels, in einer Weinbar  beobachtet – und danach auf Techcrunch geschrieben, das bei diesem Treffen über einen Geheimpakt beraten worden sei, um andere Investoren und den Y-Combinator-Inkubator von den wenigen wirklich investitionswürdigen Startups fernzuhalten. Unter anderem habe man sich darauf verständigt, junge Startups unverhältnismäßig niedrig zu bewerten. Angelgate! Angeblich soll sogar das FBI ermittelt haben, und im Netz verbreitete sich die niemals wirklich bewiesene Verschwörungstheorie sogleich als Meme, etwa in einer Parodie des Hitler-Films „Der Untergang“

4. Windows 95 triggert Sexgelüste: Kaum starrt man ein Viertelstündchen auf den bewölkten Startscreen von Windows 95, schon erkennt man im weißen Geflocke Bilder, die dort garantiert von perfiden Windowsmenschen hingepinselt werden, um das Unterbewusstsein des arglosen Windowsnutzers zu beeinflussen. Je nach Gemüt haben Verschwörungsfreunde schon allerlei Geheimbildchen in den Wolken entdeckt: Manche sehen Satan, andere ein sich aufbäumendes Pferd oder Jimi Hendrix. Eine beliebte Wolkendeuterei erkennt indes ein Paar in amouröser Umarmung, so sorgfältig ausgearbeitet, dass sogar die Kotletten des Mannes zu erkennen sind.

5. Google, Apple und Intel haben einen Nicht-Angriffspakt: Zumindest, was das gegenseitige Abwerben von Mitarbeitern angeht, so besagt es die Verschwörungstheorie. Angeblich wurde dieses Versprechen sogar in einem Vertrag festgehalten. Im Januar wurde bekannt, dass die Unternehmenschefs  wegen des Verdachts der Kartellbildung gar zu einer Anhörung vor Gericht zitiert wurden. Angestellte hatten Klage eingereicht, weil eine solche Absprache ihren Karrierechancen schaden würde und die Personalkosten künstlich klein hielten – wer kein besseres Angebot eines Konkurrenten fürchten muss, braucht Mitarbeiter nicht mit Gehaltserhöhungen an sich zu binden. Auch bei Lucasfilm, Pixar und Intuit soll es entsprechende Anti-Abwerbungsverträge geben. Im  April wurde die Sammelklage wegen mangelnder Beweise vorläufig abgewiesen.

Dieser Artikel ist Teil unseres sechswöchigen Themenspecials zum Valley Camp. Wir fliegen im Oktober nach San Francisco, um für euch von dort zu berichten – wer mitfliegen will: alle Infos hier.

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