Dennis Just Knip

Knip-Gründer Dennis Just will ab September wieder investieren

Dennis Just und seinem Schweizer Versicherungs-Broker fehlt es nicht an Selbstbewusstsein. Knip sei das mit Abstand größte Insuretech im deutschsprachigen Raum, behauptet Just. 15 Millionen Franken sammelte das Unternehmen im Oktober 2015 ein. Doch nach Querelen mit dem Versicherungskonzern Helsana AG droht nun auch Ärger an der Kundenfront.

Nach einem Bericht der Handelszeitung sind die Download-Zahlen der App im Keller. Bis zu 90 Prozent weniger Downloads seien es im Juli in Deutschland und der Schweiz gewesen. Zudem soll Knip von einem „Personalexodus“ geschwächt sein. Der Produktchef, der Art Director, der Marketingchef und der Strategiechef haben das Unternehmen bereits verlassen, wird berichtet.

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Alles nicht so schlimm, widerspricht Dennis Just im Gespräch mit Gründerszene und verweist auf den Geschäftszyklus der Versicherungsbranche. Die Hauptzeit beginne erst im September und dauere bis März. Allerdings muss auch Just zugeben, dass die Downloads in die Tiefe gerauscht sind. Statt der 90 Prozent würden allerdings nur 60 Prozent weniger User die Knip-App herunterladen. Im zweiten Halbjahr 2015 konnte Knip demnach noch 375.000 Downloads verzeichnen. 2016 installierten in den ersten sechs Monaten nur noch 225.000 User die App.

Der Grund sei eine Art Sommerschlaf, heißt es von Knip: „Wir haben das Marketing seit April bewusst runtergefahren – und auch klar stärker runter als die 60 Prozent, die wir weniger an Downloads haben“, sagt Just, „Wir machen weniger TV. Wir sind weniger aktiv auf Facebook und Twitter. Das zieht aber alles im September wieder an.“ Derzeit bereitet das Unternehmen neue Spots vor. Für Deutschland will Knip auf die Themen Berufsunfähigkeit und Autoversicherung setzen, in der Schweiz sind Krankenversicherungen im Fokus. „Die Versicherungsbranche ist klar ein Endjahresgeschäft“, sagt Just, „darauf werden wir auch unser Budget konzentrieren.“

Steckt das Startup in Finanzierungsschwierigkeiten? Von den 15 Millionen Franken seien noch rund fünf Millionen übrig, sagt Just. Die nächste Finanzierungsrunde ist in der Vorbereitung. „Wir haben noch bis zum Ende des ersten Quartals 2017 Zeit“, gibt sich Just betont ruhig. „Wenn wir da auf 20 plus kommen, würde ich sagen: Geil!”

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Allerdings ist auch Knip noch weit von einem Break Even entfernt. Derzeit stehen monatlichen Umsätzen von etwas mehr als 100.000 Euro in Deutschland Kosten von einer halben Millionen Franken gegenüber. „Die Zahlen sind nicht verkehrt“, bestätigt Just, „Wir haben mittlerweile über Hundert Mitarbeiter an drei Standorten. Die müssen gefüttert werden. Aber wir sind Venture-Capital, es ist nicht schlimm, wenn wir Geld verbrennen.“ Betriebsbedingte Kündigungen habe es aber nicht gegeben. Seit April hat Knip allerdings knapp zehn Prozent an Personal abgebaut. „Es gab da eine gewisse Fluktuation“, sagt Just.

Die Expansion ins Ausland ist nicht zuletzt deswegen erst einmal verschoben. „Bis zum Ende des ersten Quartals 2017 fokussieren wir uns nicht auf Internationalisierung“, sagt Just. Die Standorte in Paris und New York bestehen aber weiter. Dort ist Knip nicht operativ aktiv, sondern sondiert lediglich den Markt. Um allein in Deutschland und der Schweiz rentabel zu sein, braucht das Startup zwischen 50.000 bis 60.000 aktive Nutzer pro Land. Ob das gelingt, ist fraglich. Knip soll nach den Plänen von Just die bestehenden Kunden deswegen stärker binden: „Wir werden künftig weniger Kunden akquirieren“, räumt Just ein, „aber wir versuchen, aus den Kunden mehr herauszuholen.“

Bild: Knip