Versus

Versus will Vergleichs-Wikipedia werden

Schade eigentlich, dass das Berliner Ratgeberportal Versus noch keine Domains vergleichen kann.

Ob Berlin oder Mailand besser ist, dass kann jeder die Website fragen: Berlin gewinnt mit 23 Gründen, die für die Stadt sprechen; zum Beispiel: „bedeutend mehr Museen“. Oder ob ein Apple- oder ein Samsung-Smartphone besser ist, auch das spuckt Versus anhand von Daten aus. Ja, selbst unsinnige Vergleiche wie Berlin vs. Samsung ACE S5830 (13 zu 27, das Handy gewinnt) funktionieren. Nur Domains gegeneinander zu stellen, das geht nicht.

Dabei hätte Ramin Far das im Juli vielleicht gut gebrauchen können. Bis dahin hatte der Gründer des Vergleichdienstes nur die Domain versus.io besessen. Dann stand er vor der Entscheidung: versus.com kaufen? Würde die Adresse wirklich besser sein? Das kann ihm seine Website nicht beantworten. Ramin Far verließ sich auf sein Bauchgefühl – und kaufte versus.com. Für einen „deutlich sechsstelligen Betrag“.

Bauchgefühl also. Das, was auch viele Produktkäufer treibt, wenn sie vor dem Handyregal stehen und sich zwischen iPhone und Samsung entscheiden sollen. Trotzdem will Far mit den harten Fakten bei der Kaufentscheidung mit seiner Plattform helfen. Denn das kann Versus: Harte Fakten zu Produkten ausspucken.

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„Ein Klassiker“, sagt Far. „Du stehst im Media Markt und fragst dich: Mein Gott, wo ist denn jetzt der Unterschied?“ Damit das ganze auch vor Ort im Elektromarkt funktioniert hat Versus diese Woche eine mobile-optimierte Version seiner Site eingeführt. Schon jetzt kommt ein Drittel des Versus-Traffics von mobilen Geräten, so Far. Bis Jahresende soll eine native App folgen.

Die große Herausforderung von Versus ist, dafür auch alle notwendigen Daten am Start zu haben. Jemand muss die Datenbank füllen, Inhalte recherchieren und die Daten modellieren: Welche technischen Attribute eines Produkts sind für den Nutzer relevant? Wann ist ein Attribut positiv und wann nicht? Und wie übersetzt man die Daten in intuitive Sprache? Das braucht Manpower. Versus stellt also ein:  Zu den knapp 30 Mitarbeitern sollen 15 neue Leute kommen, dazu Dutzende Praktikanten. Und Far will die Dateneingabe auf keinen Fall crowdsourcen oder gar outsourcen an externe Dienstleister. „Was wir hier machen, ist echt sophisticated. Das geht nur, wenn wir hier alle zusammen sitzen.“

Unis vs. Business-Schools vs. Fahrräder vs. Medizinsektor

Drei Millionen Besucher kommen pro Monat auf die Seite, sagt Versus. Die könne heute schon 38 Millionen mögliche Vergleiche leisten. 11.000 Produkte stünden in der Datenbank. Zu Haushaltsgeräten und Elektronik sollen zudem bald neue Kategorien kommen: Universitäten und Business Schools, der Medizinsektor. Im Frühjahr: Fahrräder und Fahrradteile. Beibehalten will Versus dabei das Grundkonzept, nur zwei Produkte gegenüberzustellen. Auch wenn Far behauptet, Prototypen für die Gegenüberstellung mehrerer Elemente lägen in der Schublade.

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Im Herbst will Versus außerdem ein Programm zum Abschluss bringen, das intern „Project Vegas“ heißt – und über das Far so gut wie nichts verraten will. Nur so viel: „Wir werden etwas Großes zu verkünden haben. Die Grundstruktur von Versus wird so ergänzt werden, dass wir die Vision, die Nummer eins der Vergleichsportale zu werden, wirklich umsetzen können.“ Außerdem bis Jahresende geplant: ein Affiliate-Programm, über das als neues – und wichtiges – Attribut auch der Kaufpreis zu den Produkten erscheinen soll. Schließlich ist das für viele Käufer der wichtigste harte Fakt: das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sein Ziel, sagt Ramin Far, sei Versus zu einer Art Wikipedia des Produktvergleichs zu machen. Dafür muss Versus aber auch seinen ärgsten Konkurrenten überholen: das amerikanische Vergleichsportal FindTheBest. Die Firma von DoubleClick-Gründer Kevin O’Connor verfügt über eine deutlich höhere Reichweite, und derzeit auch mehr Geld. FindTheBest hat insgesamt 18 Millionen Dollar eingesammelt, Versus liegt nach der letzten Finanzierungsrunde im Mai bei insgesamt 3,8 Millionen Dollar. Far will mit der „Natürlichsprachigkeit“ von Versus punkten: Damit meint er, dass auf Versus nicht nur „X Millionen Pixel vs. Y Millionen Pixel“ bei einer Kamera steht – sondern dass sein Programm in der Lage ist, dieses Beispiel etwa so zu übersetzen: „X hat eine viel höhere Pixeldichte als Y.“

In 18 Sprachen ist Versus bereits verfügbar. Auch das sei ein Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz, glaubt Far.

Und natürlich mit der Domain versus.com, für deren Kauf sich Far schließlich entschied. Das sei, gibt er zu, natürlich „ein knackiger Preis“ gewesen. Aber auch gerechtfertigt, um Versus zu einer Marke von Wikipedia-Rang zu machen: „Versus hat in jeder Sprache die gleiche Bedeutung. Und jeder Mensch auf diesem Planeten fällt jeden Tag mindestens eine Entscheidung.“

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von malczyk