jerome feys vescape

Jerome Feys entwickelt die App Vescape

In den Wintermonaten holen viele ihren Heimtrainer als Fahrrad-Ersatz aus dem Keller. Nur wird das Training im Wohnzimmer schnell langweilig. Jerome Feys von Vescape will das ändern: Er baut Smartphone-Spiele, die während des Sports gespielt werden können und sich mit dem Ergometer per Bluetooth verbinden. Zum Spielen werden die Daten des Ergometers wie Geschwindigkeit oder Tretwiderstand genutzt. Die App soll aber nicht nur Sportler bei Laune halten oder über den Trainingsstand informieren – auch bei Parkinson kann Vescape helfen.

Jerome Feys entwickelt die Spiele-Apps gemeinsam mit Jean-Baptiste Molle unter dem Unternehmensdach der Vescape GmbH. Eine Anschubfinanzierung erhielt das Berliner Unternehmen über ein Stipendium für innovative Technologien. Feys im Interview mit Gründerszene.

Jerome, wieso baust Du an einer Spiele-App für Heimtrainer?

Das Training auf dem Stepper oder Fahrrad-Ergometer ist eintönig und langweilig. Um sich die Zeit zu vertreiben, lesen manche Leute dabei sogar ein Buch. Mein Geschäftspartner und ich wollten deshalb etwas schaffen, womit das Training Spaß macht. Da kam uns die Idee, das Training auf dem Fahrrad-Ergometer mit dem Spielen von Videospielen zu verbinden.

Wie sieht so ein Spiel aus?

Bei unserem interaktiven Videospiel „Greedy Rabbit“ wird der Nutzer als Hase in einem Irrgarten von Igeln, Füchsen und Fröschen gejagt. Sein Überleben hängt von seiner Trittgeschwindigkeit und der körperlichen Leistung ab. Der Nutzer kann aber auch Programme wie das Intervalltraining mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen durchlaufen und seine Leistung über Statistiken analysieren.

Video: So spielerisch soll das Workout mit Vescape aussehen.

Verbindet sich die App mit jedem handelsüblichen Heimtrainer?

Die App ist über das eigene Smartphone oder Tablet mit den handeslüblichen Ergometern der großen Marken kompatibel, die mit Bluetooth ausgestattet sind.

Alleine zu Spielen kann ebenso eintönig sein. Können auch mehrere Sportler spielend miteinander interagieren?

In unserem Spiel „Greedy Rabbit“ wird es bald möglich sein, den Igel zu steuern und den Hasen, der von einem Freund gesteuert wird, zu jagen. Es ist auch möglich, im Team zu spielen. Anfang 2016 kommt unser nächstes Spiel, ein 3D-Go-Kart-Rennspiel. Acht Leute können damit gegeneinander antreten.

Ihr wollt nicht nur Langeweile bekämpfen, sondern auch Krankheiten wie Parkinson.

Ein niederländischer Arzt hat herausgefunden, dass Patienten mit Parkinson, trotz stark eingeschränkter Mobilität, ohne Probleme Fahrrad fahren können. Charakteristisch für die Parkinson-Krankheit ist ein Mangel des Neurotransmitters Dopamin. Dopamin ist in unserem Körper unter anderem verantwortlich für Glücksgefühle und wird beispielsweise auch beim Spielen von Videospielen ausgeschüttet. Seit 2014 arbeiten wir mit diesem Arzt zusammen, der unsere Software in einer laufenden Studie einsetzt. Dabei wird sich zeigen, ob unsere Lösung zu einer Verbesserung im Krankheitsverlauf der Patienten führen kann. Zusätzlich gehen wir im Gesundheitsbereich im kommenden Jahr das Thema Alzheimer an. Dafür planen wir aktuell ein Projekt mit der Charité in Berlin.

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Gesundheitsdaten sind sehr sensibel. Was stellt ihr mit den gewonnenen Daten der Nutzer an?

Wir sammeln die Daten nicht, sondern stellen sie dem Nutzer in der App zu Verfügung, so dass er seine Leistung analysieren und verbessern kann. Er hat beispielsweise die Möglichkeit zu sehen, wie viele Kilometer er diesen Monat gefahren ist oder wie viele Muffins er schon verbrannt hat.

Und wie teuer ist das ganze?

Seit Dezember verkaufen wir unsere App im Google Store und demnächst auch im Apple Store. Sie kann für 14 Tage kostenlos getestet werden und kostet danach monatlich 3,99 Euro.

Wollt ihr im Heimbereich bleiben oder auch an Fitnessstudios herantreten?

Diejenigen, die die App gern im Fitnessstudio benutzen möchten, werden noch ein wenig warten müssen. Anfang 2016 wird unsere App mit den kommerziellen Geräten von Life Fitness kompatibel sein und erstmal in einem Fitnessstudio in Berlin einzusetzen sein. Weitere Studios werden folgen.

Bild: Vescape