vessel youtube

Der selbsternannte YouTube-Killer Vessel ist natürlich auch mobil verfügbar.

Individuelle Inhalte gegen Bezahlung

In Kürze feiert YouTube seinen zehnten Geburtstag. Das Videoportal ist eine Erfolgsstory ohnegleichen: Mehr als eine Milliarde Nutzer besuchen die Seite im Monat und sehen sich in dieser Zeit sechs Milliarden Stunden Videomaterial an. Bisher gab es keine ernsthafte Konkurrenz für das Portal. Facebook versucht zwar mit eigenen Videofunktionen dagegen zu halten, aber die großen Klicks landen doch bei der Google-Tochter. Das will der Ex-Chef des US-Streaming-Portals Hulu jetzt ändern. Jason Kilar bringt sein Videoportal Vessel gegen YouTube in Stellung – mit einem anderen Finanzierungsmodell und mehr Geld für die Videomacher.

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Das Videoportal befindet sich gerade in der letzten Testphase, Computer Bild konnte sich bereits anmelden und Vessel ausprobieren. Der große Unterschied zu YouTube: Bei der Anmeldung fordert Vessel Kreditkartendaten. Der Dienst soll 2,99 US-Dollar (umgerechnet etwa 2,61 Euro) monatlich kosten. Dabei ist der erste Monat kostenlos und das Abo jederzeit kündbar. Beim Start für die breite Öffentlichkeit soll es dann auch ein kostenloses Modell geben. Wer zahlt sieht bestimmte Inhalte 72 Stunden vor allen anderen und bleibt von Werbung verschont.

In den ersten Schritten nach der Anmeldung geben Sie Interessen wie Musik, Sport, Technologie an, danach wählen Sie erste Kanäle, die Ihnen gefallen. Mit dabei sind zum Start etwa Buzzfeed, Funny or Die, New York Times und der National Geographic Channel. Derzeit liegt die volle Konzentration auf Inhalten aus den USA, es ist aber vorstellbar, dass bald auch deutsche Kanäle hinzukommen. Zu guter Letzt wird es laut: Nutzer wählen im letzten Schritt ihre Lieblingsmusiker aus.

Moderner Look gegen Langeweile bei YouTube

Vessel setzt sich optisch klar von YouTube ab. Statt kleiner Kacheln mit vielen Videos auf der Startseite, prangt ein empfohlenes Video fast über die gesamte Breite des Bildschirms. Darunter finden Sie weitere Empfehlungen, die teilweise während des Scrollens eine bewegte Vorschau liefern. Beim Abspielen stehen die Videos groß im Mittelpunkt der Seite, direkt darunter landen ähnliche Videos.

Die Kommentare sind weniger prominent als bei YouTube und weiter unten zu finden. Stets sichtbar in der linken oberen Ecke ist der Menü-Knopf. Hier sehen Sie Ihre abonnierten Kanäle und alle weiteren verfügbaren Inhalte. Insgesamt wirkt Vessel sehr aufgeräumt, die Grundfunktionen sind von YouTube übernommen und bekannt, der Rest wirkt durch große Vorschaubilder und automatisch abspielende Videos deutlich frischer als die Konkurrenz.

Vessels Chance

Was die Inhalte angeht, kann niemand mit der Masse an YouTube-Videos mithalten. Deshalb sieht Vessel seine Chance eher in der Klasse. Schließlich erwarten die Nutzer eine vernünftige Gegenleistung für ihre monatliche Zahlung. Vessel wirbt in den USA gerade massiv YouTuber ab. Die Stars der Szene wie etwa Felix Kjellberg aka PewDiePie verdienen pro Jahr etwa vier Millionen US-Dollar mit Videos, beziehungsweise der Werbung auf YouTube.

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Deutsche Vertreter wie Y-Titti streichen sechsstellige Beträge ein. Und das ist nur das Geld, das YouTube auszahlt. 45 Prozent der Werbeeinnahmen behält die Plattform ein. Hier sieht Vessel seine Chance. Gründer Jason Kilar verspricht YouTubern 70 Prozent der Einnahmen aus Werbung und 60 Prozent der Gelder aus dem Bezahlmodell. Die ersten Stars wie Komiker Shane Dawson und die Jungs von Good Mythical Morning zeigen ihre Videos für drei Tage exklusiv bei Vessel. Schön ist die Zusammenarbeit mit Vevo: So sehen auch deutsche Nutzer Musikvideos.

Fazit

Optisch schlägt Vessel YouTube um Längen, wobei das natürlich Geschmackssache ist. Ob sich die neue Plattform auch bei den Nutzern durchsetzt, ist fraglich. Entscheidend wird sein, so viele YouTube-Stars wie möglich unter Vertrag zu nehmen und so exklusive Inhalte zu bieten – wenn auch nur für 72 Stunden. So dürfte zumindest die Teenager-Zielgruppe ihren Stars zu einem anderen Videodienst folgen. Nur mit Inhalten, die es sowieso bei YouTube gibt, scheitert der Herausforderer mit großer Sicherheit. Derzeit läuft Vessel nur im Browser, Apps für iOS und Android sollen folgen.

Bild: Vessel