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Ein Testflug der Facebook-Drohne.

Etwa 60 Meter messen die beide Flügel zusammen, das entspricht der Spannweite einer Boeing 747. Gleichzeitig wiegt der Flieger gerade einmal 400 Kilo – weniger als ein Kleinwagen. Es lässt sich nur schwer vorstellen, wie dieses sonderbare, unbemannte Flugzeug im vergangenen Sommer auf einer Militärbasis in Arizona vom Boden abgehoben ist.

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Hinter dem Drohnenprojekt Aquila steckt der Tech-Konzern Facebook, deren Chef mit seiner Initiative Internet.org Menschen in ärmeren Ländern und abgelegenen Regionen ans Netz anschließen möchte. Insgesamt vier Milliarden Menschen seien bislang ohne Internet-Zugang, predigt Mark Zuckerberg. Für seinen Plan benötigt er Drohnen wie Aquila, die eines Tages mit Solarantrieb für eine längere Zeit in der Luft bleiben sollen – und so die Leute aus der Luft mit Internet versorgen.

Zuckerberg ist mit diesem Plan nicht allein: Firmen wie Google, SpaceX oder One Web tüfteln ebenfalls seit einigen Jahren an Ballons, Drohnen und Satelliten zur Internet-Versorgung. Für ihr Vorhaben sind die Unternehmen vor allem auf Laser-Technik angewiesen, die die Daten auf die Erde übertragen soll.

Eine Schlüsselkomponente für die Drohnen oder Satelliten könnte vom deutschen Startup Vialight Communications kommen. „Wir arbeiten mit mehreren großen nordamerikanischen Firmen zusammen“, sagt Finanzchef Wolfram Peschko im Gespräch mit Gründerszene. Die Namen darf er bislang nicht nennen.

Wissenschaftler gründen ein Startup

Vialight

Die Lasertechnik des Startups.

Das Unternehmen Vialight aus der Nähe von München ist eine Ausgründung des renommierten Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, kurz DLR, und entwickelt seit mehreren Jahren sogenannte Laser-Terminals. Der Vorteil von Laser: Es können extrem hohe Datenmengen transportiert werden. Das Produkt von Vialight sei in der Lage, Datenmengen von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde zu übertragen, heißt es vom Unternehmen. Das entspräche beispielsweise der parallelen Übertragung von 2.000 Netflix-Streams in HD. Bisherige Funktechnologien würden zunehmend an ihre Grenzen stoßen.

Die Laser-Terminals von Vialight könnten dann in die Drohnen oder Satelliten eingebaut werden. Aber auch Flugzeugen ist es möglich, per Laser hochauflösende Bilder direkt auf den Boden zu senden. Nach der komplizierten Entwicklung stehe das Unternehmen derzeit an der Schwelle zur Serienproduktion, erklärt Peschko.

Markus Knapek und Joachim Horwath haben das Startup gegründet, die beiden Forscher arbeiteten am DLR über viele Jahre an der Laser-Technik. „Die Technologie war so weit entwickelt, dass der Schritt zu marktfähigen Produkten realisierbar war“, erklärt Peschko. Das Forschungszentrum habe die Ausgründung vorgeschlagen und unterstütze Vialight weiterhin, mittlerweile arbeiten 40 Leute für das Unternehmen. Über einen Lizenzvertrag mit dem DLR nutzt das Startup die Technologie.

„New Space – ein deutsches Thema ist das nicht unbedingt“

Mit dem Produkt hat das Team auch die Investoren überzeugt. 2015 erhielt das Startup von Business Angels einen einstelligen Millionen-Betrag. Nun hat Vialight eine weitere Finanzierung abgeschlossen: Der institutionelle Investor Auden und die Apeiron Investment Group, das Family Office von Christian Angermayer, stecken insgesamt drei Millionen Euro in das Unternehmen, bei einer Post-Money-Bewertung von 33 Millionen Euro, wie das Startup mitteilte.

Seine großen Wachstumschancen sieht Vialight vor allem außerhalb von Europa: In Nordamerika werde sich der Markt für die drahtlose Laserkommunikation in den kommenden Jahren am stärksten vergrößern, lautet die Prognose des Unternehmens. Deshalb wurde dort auch vor einem Jahr ein Tochterunternehmen gegründet. „Firmen im New-Space-Bereich – ein deutsches Thema ist das nicht unbedingt“, sagt Peschko.

Bild: Facebook; Vialight