Marc Schlegel (l.) und Andreas Stockburger betreiben Vibraa im schweizerischen Flums.

Marc Schlegel (l.) und Andreas Stockburger betreiben Vibraa im schweizerischen Flums.

„Wir wollen uns nicht von Investoren herumkommandieren lassen“

Nur 271 Euro von ihrem Studentenbudget mussten Andreas Stockburger und Marc Schlegel am Anfang in ihren Sex-Shop Vibraa investieren – den Rest finanzierten sie aus dem Cash-Flow. Dabei ist es auch geblieben. Eigentlich wollten die beiden Gründer ihren Shop schnell groß machen und binnen eines Jahres ihren Lebensunterhalt mit dem Projekt verdienen. „Entrepreneurial Year“ nannten sie ihren Versuch, der im Mai dieses Jahres endete. Die Idee scheiterte.

„Wir haben schnell gemerkt, dass wir entweder ganz viel Geld investieren müssen oder ganz wenig“, erklärt Stockburger. Um ihren Shop richtig bekannt zu machen, hätten sie vor allem eine Menge Geld ins Marketing stecken müssen – „à la Amorelie“, ergänzt Mitgründer Schlegel. „Gerade bei einem Erotik-Startup braucht man sehr viele Marketing-Ressourcen, weil Word-of-Mouth bei Sextoys wegfällt.“

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 Angebote von Investoren hatte Vibraa genug: Drei Geldgeber wollten jeweils einen sechsstelligen Betrag in das Schweizer Startup investieren – doch die beiden Gründer winkten ab: „Wir wollen unsere eigenen Chefs bleiben und uns nicht von Investoren herumkommandieren lassen“, so Stockburger. Mit dem Erfolg des Wettbewerbers Amorelie, der Anfang 2013 und damit wenige Wochen nach Vibraa startete, zahlreiche Investoren an Bord holte, von Beginn an viel Geld ins Marketing pumpte und mittlerweile rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, habe der Kurswechsel aber rein gar nichts zu tun, betont Stockburger.

Seit mehreren Monaten schon arbeiten die beiden Gründer parallel an anderen Projekten und beraten beispielsweise den ADAC oder die Schweizer Zeitung NZZ bei ihrer digitalen Strategie. „Wir führen Vibraa aber nebenbei weiter, weil es uns Spaß macht“, erklärt Stockburger. Im Monat trudeln bei dem Startup mit Sitz in Flums einige Bestellungen ein – erst dann ordern die Gründer die Produkte bei einem spanischen Zulieferer. Im Monat setzt Vibraa damit rund 1.000 Euro um. „Durch die geringen Marketingausgaben haben wir eigentlich bei jeder Bestellung einen positiven Deckungsbeitrag.“

Zwei Jahre nach ihrem Abschluss gehen Stockburger und Schlegel nun zurück an die Universität St. Gallen, wo sie vor zwei Jahren während ihres Masterstudiums den Businessplan für ihr Startup schrieben: Im Rahmen eines studienbegleitenden Projekts werden vier bis sechs Studenten mit an dem Aufbau von Vibraa arbeiten. „Wir wollen die Erfahrungen, die wir gemacht haben, an die nächste Generation weitergeben“, erklärt Schlegel. „Wer weiß, was passiert, wenn die Studenten ihrer Kreativität freien Lauf lassen…“

Bild: Vibraa