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Ein Teil des Wattx-Teams

Vergangenen Sommer war es nur ein Stichpunkt auf einem Blatt Papier. Max Viessmann vom traditionsreichen gleichnamigen Mittelständler hatte dort den Punkt „Digital Lab“ vermerkt. Der 27-Jährige kümmert sich in dem Familienunternehmen, das für Heizungs- und Kühltechnik bekannt ist, um die digitale Transformation.

Schon einige Wochen später legte Bastian Bergmann mit einem kleinen Team los, um den Company Builder Wattx zu starten – mit einem Fokus auf das sogenannte Internet of Things (IoT) und Hardware-Ideen. „Am Anfang lautete unserer Auftrag auch, digitale Themen in das Unternehmen zu bringen“, sagt Bergmann. Doch schnell habe man gemerkt, dass das nicht funktionierte. „Mit 25 Leuten lässt sich ein Unternehmen mit 12.000 Mitarbeitern nicht transformieren.“

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Mittlerweile ist der Fokus klar, der Auftrag geschärft. Bergmann entwickelt mit seinem Team Ideen, die sie dann ausgründen. In dem Company Builder sind etwa Entwickler, Designer, Forscher beschäftigt. „Jede Idee lässt sich von der Marktforschung bis zum Prototyp einmal durchspielen“, sagt Bergmann. Besteht die Idee, wird ein Venture gegründet.

Mit einer ihrer Ideen wollte das Wattx-Team etwa die Energieverschwendung in Bürogebäuden bekämpfen. „Unsere Recherchen haben gezeigt, dass 30 Prozent der Energie verschwendet werden, weil Systeme nicht miteinander sprechen“, sagt Bergmann. Bedeutet: Die Heizung ist nicht auf die Lüftung eingestellt. Mit Sensoren wurden im Coworking-Space die ersten Daten erhoben.

Am Ende der Testphase entwickelte das Team daraus die Idee, eine IoT-Plattform für Gewerbegebäude zu bauen. Verschiedene Anbieter etwa für Schließsysteme, Licht oder Heizung können darüber laufen. „Sie ersetzen die veraltete Technik dahinter“, sagt Bergmann. Und erleichtern den Anbietern den technischen Aufwand.

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Wattx-CEO Bastian Bergmann

Aus der Idee ist die erste Ausgründung von Wattx geworden, einen Namen hat das Unternehmen allerdings noch nicht. Bei jedem Wattx-Startup erhalten die eingesetzten Gründer die Hälfte der Anteile, der Company Builder die andere Hälfte. In einer Anschubfinanzierung bekommt das Venture zwischen 150.000 und 250.000 Euro. Drei bis vier Startups sollen auf diese Weise jedes Jahr entstehen, für drei Jahre wurde dem Company Builder Geld von Viessmann zugesagt.

Das erste Geld soll jedem Venture erlauben, in etwa fünf Monaten ein erstes Produkt zu präsentieren und dann eine Seed-Runde einzusammeln. „Die Startups suchen Geld bei privaten VCs“, betont Bergmann. Mit diesem Ansatz unterscheidet sich das Konzept von anderen Digital-Initiativen. Um keine Interessenkonflikte zu verursachen, gibt es eine Bedingung: „Es sind alles Ideen, die nicht in den Kern des Viessmann-Geschäfts fallen“, sagt Bergmann.

Vorrangig hegt Viessmann mit dem Company Builder ein finanzielles Interesse. „In erster Linie geht es darum, Exit-Gewinne einzufahren“, sagt Bergmann. Die neue Einheit sei außerdem ein Weg für das Unternehmen, um neue Geschäftsfelder auszumachen. „Und wenn Viessmann möchte, kann es ja auch einfach ein Wattx-Startup in einem Exit ganz kaufen“, sagt Bergmann.

Bild: Viessmann