Kittlaus bei seinem Vortrag auf der Disrupt-Konferenz.

Ist Viv einfach nur ein besseres Siri? Diese Frage beschäftigt aktuell Tech-Medien aus der ganzen Welt. Wenn man dem Mitgründer und CEO Dag Kittlaus folgt, ist Viv viel mehr – wir betreten mit dieser intelligenten Spracherkennung ein neues Zeitalter. Kittlaus hatte zuvor auch Apples Spracherkennung Siri mitgegründet und entwickelt. Er weiß, wovon er spricht. Und gerade deswegen hören alle zu, wenn Kittlaus sein neues Produkt vorstellt.

Diese Bereiche möchte Viv revolutionieren und verknüpfen:

  1. Interface: Sprachsteuerung soll zum Interface der Zukunft und für alles werden. „Sprechen ist für Menschen die natürlichste Interaktion. Wenn wir mit Computern sprechen können, vereinfacht das die Welt“, sagt Kittlaus. Das soll auch im zukünftigen Internet der Dinge und mit allen Geräten funktionieren, in die Viv integriert ist.
  2. Programmieren: Viv basiert auf einer neuen Technologie, die Kittlaus „Dynamic Program Generation“ nennt. Die Software hinter Viv programmiert sich selber und kann dadurch skalieren. Wo Siris Antworten Stück für Stück, Zeile für Zeile programmiert werden müssen, entwickelt Viv innerhalb von Millisekunden selbstständig ein Programm, dass dann flexibel auf die Anfrage reagiert. Für ein 44-Schritte-Programm braucht Viv 10 Millisekunden.
  3. Künstliche Intelligenz: Viv lernt bei jeder Anfrage dazu, optimiert sich selbstständig und stellt sich so auf die speziellen Bedürfnisse des einzelnen Anwenders ein. „Wir müssen in Zukunft keine Apps herunterladen oder eine URL eingeben. Wir kommunizieren per Sprache mit der künstlichen Intelligenz in der Cloud“, prophezeit Kittlaus.

Die Vorführung von Viv auf der Disrupt-Konferenz in New York war eher schlicht. Auch weil ein wichtiger Teil noch nicht gezeigt werden konnte. Viv muss offenbar noch sprechen lernen. Außerdem gehen die Viv-Macher selber davon aus, dass die Explosion von praktischen Anwendungen erst kommen wird, wenn weltweit Entwickler über die Möglichkeiten von Viv nachdenken.

Aber wer genau hingehört hat, weiß, was da auf uns zukommen kann. Wer hat schon Lust, für all die Geräte, die in Zukunft vernetzt sein werden, eine eigene App herunterzuladen und die Bedienung zu lernen. Viv soll das universelle Interface für alles werden. Kittlaus: „Wir werden den Dingen Leben einhauchen.“

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Dann demonstrierte der CEO, dass man mit Hilfe von Viv keine Apps mehr öffnen oder URLs eingeben muss, um Dinge zu erledigen. Das erledigt Viv selbstständig im Hintergrund. Bei der Hotelbuchung per Spracheingabe startet das Smartphone die Buchungs-App, die Sekunden später die Anfrage erledigt hat. Es fehlt nur ein Klick für die Bestätigung.

Das funktioniert auch reibungslos mit komplizierteren Anfragen nach Wettergeschehnissen in der Vergangenheit oder der Buchung eines Uber-Taxis. Man muss einfach nur sprechen: „Wir wollen jetzt mit sechs Personen von unserem Büro in den Madison Square Garden.“ Viv öffnet die Uber-App, gibt die Angaben ein und spuckt verblüffend schnell die Buchung aus. Getippt wird gar nicht mehr.

Nach dieser Vorführung kann sich jeder ungefähr vorstellen, was passiert, wenn Viv tatsächlich in Waschmaschinen, Kühlschränke, Autos oder Lampen eingebaut werden sollte. Für Kittlaus entsteht mit Viv das digitale Ökosystem der Zukunft. Jeder braucht nur noch diesen einen digitalen Assistenten, das System personalisiert sich automatisch, es soll auf allen Devices funktionieren und wird durch alle Services unterstützt werden. Das Viv-Logo soll dann – ähnlich wie das Bluetooth- oder Wlan-Logo – Viv-fähige Geräte und Dinge kennzeichnen und uns signalisieren: Du kannst mit mir reden. Wie gesagt. Viv ist nicht einfach nur ein besseres Siri.

 

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