Vivaldi

Der ehemalige Opera-CEO und Vivaldi-Gründer Jon Stephenson von Tetzchner

Nur wenige Dinge benutzen wir täglich so häufig und lange wie Browser. Trotzdem herrscht bei der Auswahl auf Notebook und PC kaum Vielfalt. Mehr als die großen Vier – Chrome, Firefox, Safari und Internet Explorer – kennen nur wenige.

Mit Vivaldi gibt es seit 2015 eine Alternative, die ganz anders sein möchte. Gründer des gleichnamigen Startups ist der Isländer Jon Stephenson von Tetzchner, der zuvor schon den Opera-Browser mit erfand und bis 2010 als CEO leitete. Nun macht er seinem alten Unternehmen Konkurrenz.

Jon, seit 2015 bietest Du einen alternativen Webbrowser an. Warum sollten sich Nutzer für Vivaldi entscheiden?

Browser sind wahrscheinlich die meistgenutzten Programme der Welt. Trotzdem sind die Unterschiede zwischen ihnen nicht sonderlich groß. Chrome, Safari und Edge wollen einander sogar ähneln, damit die Nutzer leichter wechseln können. Wenn dort zu wenige User eine Funktion nutzen, wird sie entfernt. Das Ergebnis sind sehr reduzierte Browser, die für den durchschnittlichen Nutzer optimiert sind. Doch den gibt es nicht. Wir sind alle anders, haben alle andere Vorlieben.

Vivaldi soll deswegen so anpassbar wie möglich sein. Bei uns geht es darum, was Du als User willst – das ist der Unterschied zwischen unserem und den anderen Browsern.

Als Du Opera verlassen und Deine Anteile verkauft hast, wolltest Du nie wieder einen Browser bauen. Wenig später hast Du Vivaldi gestartet. Warum?

Als ich Opera verlassen habe, dachte ich, dass ich nie wieder einen anderen Browser benutzen würde. Opera war fantastisch. Aber dann ein paar Jahre später wurden einige schlechte Entscheidungen getroffen. Statt eines individualisierbaren Browsers, der für den End-User erdacht war, wurde Opera stark vereinfacht, um den Wechsel von anderen Anbietern zu erleichtern. Man warf all den Code weg, an dem wir 19 Jahre gearbeitet hatten. Außerdem wurde die Community-Webseite mit 35 Millionen Lesern pro Monat geschlossen. Am Ende waren die Nutzer sehr unglücklich. Genau wie ich. Das trieb mich an, etwas Neues zu starten.

Opera ist nach wie vor ein Nischenprodukt, nur ein bis zwei Prozent der User nutzen das Programm. Vivaldi ist noch unbekannter.

Opera hat immerhin 350 Millionen Nutzer. Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, war das mehr als die Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Eine Nische von 350 Millionen ist keine schlechte Nische. Mit Vivaldi stehen wir natürlich noch am Anfang. Aber auch in Deutschland haben wir schon eine signifikante Nutzergruppe.

Trotzdem ist der Marktanteil von Vivaldi verschwindend gering. Wie willst Du mit den marktbeherrschenden Browsern mithalten?

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Wir können mit den anderen Browsern ökonomisch kaum konkurrieren. Die haben viel Geld und Reichweite. Das haben wir natürlich nicht. Wir brauchen aber im Grunde nur ein paar Millionen Nutzer, um kostendeckend zu arbeiten.

Wie viele genau?

Drei bis fünf Millionen.

Wie viele Nutzer hat Vivaldi derzeit?

Wir schließen gerade unsere erste Million ab. Wir sind damit sehr zufrieden. Deutschland ist unser viertgrößtes Land. Hier haben wir rund 100.000 Nutzer. Ich hatte anfänglich mehr erhofft, aber das ist ein guter Start.

Wie verdient Vivaldi Geld?

Wie haben Deals mit Suchdiensten wie Yahoo, Bing und Duckduckgo. Zudem gibt es auf der Startseite Affiliate-Links, die zum Beispiel zu Partnern wie Booking.com führen. Für jeden Klick bekommen wir einen kleinen Betrag.

Insgesamt verdienen wir knapp einen Dollar pro Nutzer im Jahr. Das ist nicht viel. Aber wenn wir drei bis fünf Millionen User bekommen, reicht es, um das derzeitige Unternehmen und unsere 37 Mitarbeiter zu finanzieren. Zurzeit verbrennen wir pro Jahr etwas mehr als drei Millionen Dollar. Bisher kommt alles Geld aus dem Verkauf meiner Anteile von Opera.

Woran arbeitet ihr im Moment?

Im Moment entwickeln wir gerade eine mobile Version, die im nächsten Jahr erscheinen soll: zuerst auf Android, später auch auf iOS. Außerdem experimentieren wir derzeit mit Licht und an den Computer angeschlossenen Geräten. Bisher hat sich nur die Farbe des Browsers geändert: Wenn Du beispielsweise auf Facebook warst, wurde Vivaldi blau. Nun soll sich auch das Licht in deinem Zimmer anpassen. Du kannst die Lichtfunktion beispielsweise an das Eingehen einer Email koppeln. Wenn Du also eine Nachricht kriegst, färbt sich das Licht für ein paar Sekunden rot. Das ist natürlich ein Geeky-Ding. Aber es macht Spaß und ist cool.

Bild: Vivaldi