Börse: Bulle und Bär

Bulle und Bär vor dem alten Börsengebäude in der Frankfurter Innenstadt stehen für das Auf und Ab an den Wertpapierhandelsplätzen.

Voxeljet: Kurs verzweieinhalbfacht

Vielleicht ist es ein weiterer, gar nicht so dezenter Hinweis darauf, dass Deutschland dringend eine Tech-Börse benötigt: Vor zwei Wochen startete das deutsche 3D-Printer-Unternehmen Voxeljet an der New York Stock Exchange (Nyse). Seitdem geht es steil nach oben: Nachdem ursprünglich ein IPO-Preis von 13 US-Dollar festgelegt worden war, und der reguläre Handel bei 20 US-Dollar begann, ist ein Anteilsschein derzeit stattliche 34 US-Dollar wert. Das ist mehr als das zweieinhalbfache des Ausgangswerts. Die Erwartungen der Investoren sind also überaus hoch.

Derweil beeindruckt Voxeljet mit Zahlen: Vier mal zwei mal einen Meter kann der der größte Drucker des Unternehmens bewältigen – mehr als das sechsfache Volumen des nächst größten kommerziell verfügbaren 3D-Printers, wie die Nyse selbst hervorhebt. Die Geräte können 127 Liter pro Stunde bewältigen und 75 Druckebenen pro Minute realisieren. Auch damit, so versichert das Unternehmen, gehöre man zu Elite der – zugegebenermaßen noch recht kleinen – Zahl an 3D-Anbieter.

Signal für Europa?

Dass mit Voxeljet und dem Werbe-Anbieter Criteo in kürzester Zeit zwei europäische Techunternehmen das Listing an einer US-Börse starten, und das in beiden Fällen durchaus erfolgreich, ist ein deutliches Signal. 25 Unternehmen aus dem europäischen Raum haben sich in den vergangenen drei Jahren in den USA an die Börse gewagt, darunter zuletzt unter anderem AVG, Fleetmatics, Interxion, Sequens. Das Interesse an Börsengängen scheint in Europa deutlich zu zunehmen.

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Das heißt nicht, dass es an der Börse immer gut Laufen muss. Der Onlinehändler Getgoods hat in den vergangenen Monaten erlebt, wie schwer es gelistete Unternehmen haben können: Von über neun Euro auf nunmehr gerade knapp 1,40 Euro ist der Aktienwert des einstigen Elektronik-Händlers gefallen, der sein Angebot zuletzt deutlich ausgeweitet hat. Konsequenz: Die Marktkapitalisierung hat sich auf 24 Millionen Euro verringert und das Geld für notwendige Investitionen wird knapp.

Dennoch gibt es deutliches Potenzial für eine deutsche, zumindest aber eine europäische Tech-Börse – schon um einen Gegenpol sowohl zu den US-Größen Nyse und Nasdaq als auch zu den Kapitalhochburgen an der US-Ost- und Westküste darzustellen. Mit dem Handel von Tech-Aktien würde nämlich auch weiteres Investoreninteresse und mehr Aufmerksamkeit internationaler Medien nach Europa kommen. Denn pfiffige Ideen gibt es hierzulande und bei den europäischen Nachbarn genug. Allein fehlt ihnen im internationalen Startup-Mischmasch mitunter die Sichtbarkeit.

Bild: Cornerstone / pixelio.de