Die Löwen testen die smarte Mütze von Rustam Ismailov (l.) und Johanna Wiese (r.)

Die Digitalisierung macht auch vor der Mütze nicht halt. Rechtzeitig zur kalten Jahreszeit hat das Startup Vulpés eine beheizbare Mütze entworfen, die per App gesteuert wird. Bei „Die Höhle der Löwen“ wollte die Gründer Rustam Ismailov und Johanna Wiese für zehn Prozent an ihrem Unternehmen 200.000 Euro – gingen aber leer aus. Nach der Show jedoch konnten andere Geldgeber überzeugt werden.

Neben der Mütze arbeiten die Gründer auch an einer App-gesteuerten Einlegesohle für Schuhe, Handschuhen und Oberbekleidung. Produziert wird in Asien. Die langfristige Vision des Jungunternehmens: Bei intelligenter Bekleidung die Nummer drei in Europa werden. Gründer Ismailov im Gespräch.

Rustam, während der Sendung hat kein Investor in euer Unternehmen investiert. Danach kam aber noch ein Deal zustande? Wie sieht der aus?

Die Sendung wurde im Januar aufgezeichnet. Wir waren zu der Zeit natürlich auf der Suche nach Investoren, haben mit sehr vielen gesprochen. „Die Höhle der Löwen“ war eine unserer ersten Pitches. Wir haben aber auch an sehr vielen anderen Veranstaltungen teilgenommen. Im Endeffekt haben wir mehrere Investoren gefunden, die uns das notwendige Kapital zur Verfügung gestellt haben.

Bei DHDL habt ihr 200.000 Euro verlangt. Wie viel sind es im Endeffekt geworden?

Wir haben jetzt 400.000 Euro erhalten, also das doppelte.

Und das für 20 Prozent am Unternehmen, falls sich die Bewertung nicht geändert hat?

Einem Investor haben wir fünf Prozent an der Firma abgegeben. Ein anderer Investor hat eine 2,5-prozentige Gewinnbeteiligung. Ein dritter Investor hat eine stille Beteiligung und bekommt jedes Jahr zehn Prozent Zinsen. Mit einer vierten Partei sind wir gerade noch in Verhandlungen.

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DHDL war euer erster Pitch. Ihr habt dort zwar eine Absage bekommen, aber hat euch diese Erfahrung bei weiteren Pitches vor anderen Investoren geholfen?

Ja, absolut. Wir waren insgesamt etwa zwei Stunden im TV-Studio und wurden von den Löwen in verschiedene Richtungen ausgefragt, was uns dabei geholfen hat, uns zu verbessern. Im Sommer, ein paar Monate nach der Aufzeichnung, waren wir richtig gut im Pitchen – im Vergleich zu dem, was man bei „Die Höhle der Löwen“ sehen konnte (lacht). Wir waren sehr unsicher und nervös. Wenn man es aber gewohnt ist, Fragen gestellt zu bekommen, nimmt das natürlich ab.

Hast du ein konkretes Beispiel, was ihr nach DHDL anders vor Investoren präsentiert habt?

Wir sind danach viel präziser auf unser Alleinstellungsmerkmal eingegangen. Wir haben einige Löwen verloren, weil wir das nicht präzise genug formulieren konnten.

Und welches ist das?

Unser USP ist die Vernetzung beziehungsweise die Digitalisierung von Bekleidung. Das ist bei der Show relativ schlecht rübergekommen. Denn wir haben zwei Produkte präsentiert: eine beheizbare Einlegesohle und eine Mütze. Von Herr Thelen kam das Feedback, dass wir uns lieber auf ein Produkt spezialisieren sollten. Es kam also so rüber, dass wir ein Produkthersteller wären. Aber unsere Kernkompetenz ist die Vernetzung der Bekleidung. Wir wollen der Branche helfen, Kleidung zu digitalisieren.

Das heißt, euer Plan ist, dass auch externe Anbieter mit in eure App aufgenommen werden?

Genau, wir können mit unserer App bereits jetzt Produkte von anderen Anbietern ansteuern. Wir haben auch sehr viele Anfragen dazu von Firmen, die noch nie etwas mit Digitalisierung zu tun hatten. Sportbekleidungs- oder Fashionfirmen zum Beispiel.

Den meisten Umsatz macht ihr aber bisher noch mit dem Verkauf der Produkte, oder?

Richtig. Denn um kompetent bei externen Firmen rüber zu kommen, brauchen wir einen Beweis, dass unser Konzept funktioniert. Und das machen wir mit unserer eigenen Produktlinie.

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Auf eurer Webseite promotet ihr gerade ein neues Produkt, einen beheizbaren Handschuh. Als nächstes soll dann noch eine Jacke kommen, sagtet ihr bei DHDL.

Wir sind uns noch nicht ganz sicher, ob es eine beheizbare Jacke sein wird oder ein T-Shirt. Ein Bekleidungshersteller hat uns gerade eine Kooperation angeboten. Vor zwei Jahren wollte noch keine Firma mit uns zusammen arbeiten, weil wir viel zu kleine Mengen produzieren wollten. Mittlerweile ändert sich das. Wir haben jetzt das Kapital für größere Mengen.

Habt ihr denn bereits größere Mengen verkauft? Bei „Die Höhle der Löwen“ waren es ja nur 500 Stück.

Wir sind jetzt ein dreiviertel Jahr auf Kapitalsuche gewesen, dadurch haben wir sehr viel Zeit verloren. Wir sind dadurch jetzt in der Vorbestellungsphase.

Das heißt, wenn ihr durch DHDL mit zehntausenden Bestellungen konfrontiert werdet, könnt ihr gar nicht ausliefern?

Nein, zehntausenden Bestellungen können wir nicht nachkommen. Man kann unser Produkt vorbestellen, es wird dann zu Anfang Januar ausgeliefert. Unser Kapital endet allerdings bei einem Kontingent von 4.000 Produkten. Danach könnten wir erst wieder Ende Januar liefern.

Die Herstellungskosten pro Produkt liegen bei euch bei etwa 50 Euro, richtig?

Und dazu kommen noch zwölf Zertifikate und Labortests. Die Handschuhe, die jetzt kommen, sind nochmal um einiges teurer.

Bei diesen Zertifikaten geht es wahrscheinlich auch um die Sicherheit. Ein explodierender Akku am Kopf wäre nicht gut für euer Image.

Es geht bei diesen Zertifikaten zum einen um die Zulassung für den europäischen Markt, aber auch um Gewährleistungen, dass wir etwa keine schädlichen Substanzen verwenden. Daneben machen wir auch freiwillige Tests, zum Beispiel für die Sicherheit der Batterien. Bei den Mützen gibt es beispielsweise eine feuerresistente Schutzhülle, die die Elektronik ummantelt.

Die Bewertung eines Unternehmens wird bei DHDL jedes mal heiß diskutiert. Eure war mit zwei Millionen sehr hoch angesetzt, zumindest wenn man bedenkt, dass euer damaliger Umsatz bei 60.000 Euro lag.

Wir haben die Bewertung nicht anhand der Umsätze berechnet, das ergibt meiner Meinung nach nur bei etablierten Unternehmen Sinn. Denn sonst wäre jedes Tech-Startup, das noch keine Produkte auf den Markt gebracht hat, nichts wert. Und das stimmt ja nicht. Wir haben unsere Bewertung anhand von Potenzialen berechnet.

Das ist natürlich eine Wette auf die Zukunft. In fünf Jahren wollt ihr schon zehn Millionen Euro Umsatz machen. Wie denn das?

Das ist weiterhin unser Plan. Wir haben derzeit viele Anfragen aus den internationalen Märkten, wie etwa Kanada oder Japan. Dafür brauchen wir aber viel Kapital.

Ralf Dümmel dürfte euer Wunsch-Investor gewesen sein. Er konnte allerdings nicht investieren, da er bereits beheizbare Sohlen im Portfolio hat. Wusstet ihr das vorher nicht?

Wir haben uns sein Portfolio natürlich vorher angeschaut, aber haben die Sohlen nicht gefunden. Das war für uns also eine Überraschung, denn Ralf Dümmel war einer der Investoren, mit dem wir gerne zusammen gearbeitet hätten. Das war sehr schade.

Bild: MG RTL D / Frank W. Hempel