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Ein kostenloses Internet für Menschen in Entwicklungsländern, versprach Mark Zuckerberg 2013. Mit seiner Internet.org-Initiative will Facebook in Afrika, Asien und Lateinamerika einen – vom Konzern kontrollierten – kostenlosen Web-Zugang bereitstellen. Nun ist die erste Webseite eines deutschen Unternehmens in das Projekt aufgenommen worden: Vutuv, ein Startup aus der rheinland-pfälzischen Stadt Neuwied. Das Unternehmen von Gründer Stefan Wintermeyer bastelt an einem Xing- und LinkedIn-Konkurrenten.

Statt überfrachteter Webseiten bietet Vutuv ein schlankes Design mit nur wenigen, für ein Karrierenetzwerk grundlegenden Funktionen. Anders als die etablierte Konkurrenz verzichtet das Startup zudem auf teure Premium-Accounts. Finanzieren will sich das Unternehmen nur über – bisher recht schlichte – Werbeanzeigen, Nutzerdaten sollen dabei nicht gespeichert werden. Weil Vutuv zudem radikal für die mobile Nutzung optimiert ist und die Webseite deswegen nur sehr wenige Daten übertragen muss, ist der Dienst sehr schnell.

Internet.org: nur wenige Dutzend Webseiten

Wintermeyer
Gründer Stefan Wintermeyer will Menschen mit schwachem Internetzugang für Vutuv gewinnen

Vor allem durch diese hohe Ladegeschwindigkeit hat sich das Startup nun für Facebooks Internet.org-Projekt qualifiziert. Denn das ist für Menschen in Entwicklungsländern ausgelegt, die häufig nur auf schlechte und teure Internetverbindungen zurückgreifen können. „Ein Großteil der Menschheit geht über Handys mit wenig Bandbreite ins Internet. Damit unsere Webseite auch für sie funktioniert, haben wir komplett auf JavaScript verzichtet“, sagt Vutuv-Geschäftsführer Stefan Wintermeyer. „So erreichen wir mit unserem Angebot Menschen, an die Konkurrenten wie LinkedIn oder Xing gar nicht herankommen.“ Die haben bisher 433 bzw. 10,5 Millionen Nutzer vor allem in den USA und Europa versammelt. Vutuv setze hingegen auf einen Markt, der von den etablierten Konkurrenten bisher noch gar nicht erschlossen sei, so Wintermeyer.

Die Anmeldung bei Facebooks Initiative sei dann „denkbar einfach“ und „extrem unkompliziert“ gewesen, sagt Wintermeyer. Nach einer Bewerbung sei die Webseite technisch geprüft worden. Außerdem müssen die Teilnehmer an Facebooks-Initiative den Usern in Entwicklungsländern einen gewissen Mehrwert bieten. Derzeit gibt es erst wenige Dutzend Seiten, die Facebooks Anforderungen genügen.

100.000 angemeldete User habe Vutuv bisher, sagt Wintermeyer, „Das hört sich für den Anfang erst einmal nach viel an.“ Im Vergleich zu Facebooks einer Milliarde User sei das aber nichts, so Wintermeyer. „Das sind nicht die Zahlen, die wir anstreben. Da müssen noch ein paar Nullen mehr dran.“ Besonders in Österreich und der Schweiz gebe es derzeit Nutzer. Doch Vutuv soll international gegen die Konkurrenz antreten. Allein mit dem deutschsprachigen Raum will sich Wintermeyer nicht zufrieden geben, ein zweites Xing sei man nicht.

Kritik an Facebook: Netzneutralität gefährdet

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Derzeit sucht das Startup aber noch nach Investorenkapital, Vutuv ist bisher noch eigenfinanziert. Kapital würde das Startup gerne in ein dezentrales Servernetzwerk stecken, um die Ladegeschwindigkeit in den Entwicklungsländern weiter zu steigern, so der Gründer.

An Facebooks Internet.org-Initiative hatte es in der Vergangenheit wiederholt Kritik gegeben. Aktivisten kritisierten, Facebook würde mit dem Internet light den Wettbewerb und die Netzneutralität ausschalten und nur ausgewählte Angebote zulassen. Seitdem erlaubt Facebook auch Selbstbewerbungen. In Indien wurde das Projekt jedoch trotzdem verboten.

Bild: Getty / Chandan Khanna