Fast alle Emissionswerte aller Hersteller haben nichts mit der realen Nutzung zu tun.

Vielleicht sind es 11 Millionen Fahrzeuge von VW, die weltweit vom Problem mit dem erhöhten Austausch von Stickoxiden betroffen sind. Vielleicht muss VW eine riesige Schadensersatzsumme zahlen. Volkswagen wird Abbitte leisten, man wird mehr Geld in die Entwicklung und Verbesserung neuer Dieselmotoren stecken. Aber all das löst nicht das Problem, dass die Autoindustrie sich und alle anderen betrügt.

Anzeige
Bei jeder Neuvorstellung hört man Aussagen wie diese: „20 Prozent weniger Verbrauch bei 10 Prozent mehr Leistung.“ Und seit Jahren fragt man sich, warum dann trotzdem die Verbräuche stagnieren. Und warum die Autos überhaupt jedes Mal 20 PS mehr haben müssen, anstatt dass sie einfach nur die 20 Prozent weniger verbrauchen? Weil der Kunde es so will, heißt es natürlich. Das mag sein. Ganz sicher mag der Kunde aber nicht für dumm verkauft werden.

Zum Beispiel mit dem lächerlicher NEFZ-Test, bei dem die Hersteller Fantasieverbräuche und Emissionen ermitteln, in dem sie auf einem aufgeheizten Prüfstand Türspalten zukleben, die schmalsten Reifen aufziehen und diese aufpumpen bis sie platzen. Es werden Batterien ausgebaut, die Klimaanlage abgeklemmt und sämtliche Nebenverbraucher still gelegt. Das hat alles nichts mit der Realität zu tun und natürlich wissen das auch die Hersteller. Aber wenn alle so arbeiten, habe man ja auch einen Vergleichswert, heißt es zynisch.

Weltweit senken die Behörden die Grenzwerte für schädliche Emissionen, die mit den vorhandenen Aggregaten nicht zu erreichen sind. Jedenfalls nicht, wenn man jedes Jahr mehr Leistung verkaufen will. Während aber die US-Behörden die Prüfzyklen verschärft haben, ignoriert man in Europa den Selbstbetrug einer ganzen Industrie, was dazu führt, dass weiter Motoren entwickelt werden, die die Grenzwerte nicht halten können. Zum Beispiel die neuen EURO 6 Vorschriften, die von kaum einem Hersteller eingehalten werden können.

Man behilft sich damit, dass man Plugin-Hybride auf den Markt bringt, die wiederum sogenannte Supercredits bekommen. Bis zum Jahr 2015 werden in der EU Pkws mit einem Ausstoß von weniger als 50 g CO2/km mit einem höheren Faktor bei der Berechnung des Flottenverbrauchs der Hersteller angesetzt. Dabei setzt man aber wieder auf den NEFZ-Test. Ein Betrug, der auch noch staatlich gefördert wird.

Es betrifft alle Autohersteller, weltweit. Es wird Zeit, dass man aufhört, sich zu in Sachen Verbrauch und Emission zu belügen. Dafür bedarf es vor allem in Europa vernünftiger Regeln für einen Test unter realen Bedingungen, der für alle nachvollziehbar ist. Denn das Festhalten an alten Paradigmen wie „Schneller, höher, weiter“ führt nur dazu, dass die sich die Konzerne zu langsam auf die Herausforderungen der Elektromobilität einlassen. Verpasst man hier den Anschluss, dürften die Verluste vor allem der deutschen Hersteller ein Vielfaches dessen betragen, was VW demnächst an Strafen bezahlen muss.

Bild: (c) Bildagentur PantherMedia – B1254731 /