Der Schaden für Volkswagen könnte kaum größer sein: In den USA wurde der Konzern dabei erwischt, die Emissions-Tests der Umweltschutzbehörde EPA mittels einer Software umgangen zu haben. Es geht dabei um ältere Dieselmotoren aus den Regalen von VW, genauer: den 2.0 Liter TDI Dieselmotor. Der Konzern hatte der Motorsteuerung eine Software hinzugefügt, die erkennt, ob der Motor, beziehungsweise das Fahrzeug, auf einem Teststand läuft. Die Software bewirkte, dass der Ausstoß von Stickoxiden bei den Tests deutlich niedriger war als im Normalbetrieb. In dem lagen die Werte laut der US-Behörden stark über den Grenzwerten, die die Motoren auf den Testständen einhalten konnten.

Das Problem für VW: Die Diskussion zieht sich in den USA schon länger. Spätestens seit Ende 2014 weiß man im Konzern, dass die ermittelnden Behörden (California Air Ressources CARB, das International Council for Clean Transportation ICCT und die Environmental Protection Agency EPA) der Stickoxid-Manipulation auf der Spur sind. Tatsächlich hatte VW im Dezember 2014 rund 500.000 Modelle der betroffen Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen. Dort sollten die erhöhten Werte korrigiert werden. VW soll gegenüber den Behörden wohl davon gesprochen haben, dass sich das Problem technisch lösen lasse.

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Im Mai 2015 haben die Behörden die Fahrzeuge erneut getestet und kamen zu dem Ergebnis, dass es weiterhin Unterschiede zwischen den Werten der Testzyklen und jenen der realen Welt gebe. Am 3. September hat VW USA dann zugegeben, dass bei dem Rückruf nur eine Software eingespielt wurde, die die Werte der Autos auf einem Teststand inkorrekt anzeigt. Mittlerweile wurde der Verkauf der betroffenen Modelle in den USA komplett eingestellt, die Zulassung der 2016er Modelle steht in Frage.

Es gibt seit Jahren Gerüchte, dass etliche Hersteller – nicht nur VW allein – in der Motorsteuerung ihrer Fahrzeuge Software versteckt haben, die speziell für Messungen auf Testständen gedacht ist. Und auch das ICCT hat im vergangenen Jahr festgestellt, dass rund 15 Marken betroffen sind. Allerdings veröffentlichte das Institut keine Namen. Ob sich ein Auto auf einem Teststand befindet, ist für die Software meist leicht zu erkennen: entweder über die abgerufenen Messdaten per ODB oder CAN-Bus, oder ganz simpel darüber, dass sich auf einem Teststand meist nur die Räder der Antriebsachsen bewegen. Die Software schaltet dann in einen Testmodus, Leistung und Emissionen werden reduziert.

Die Ergebnisse der US-Behörden haben mittlerweile das Interesse der Bundesregierung geweckt. Ein Sprecher des Umweltministeriums forderte von den Herstellern „belastbare Informationen“, um Manipulationen ausschließen zu können. Dabei wird im europäischen Messzyklus NEFZ bekanntermaßen schon massiv getrickst.

VW ist offenbar der erste Hersteller, der erwischt wurde. Für den Konzern ist das ein Desaster. Die Aktie brach am ersten Handelstag nach der Veröffentlichung des Skandals zeitweise um 22 Prozent ein. Schlimmer sind aber noch die langfristigen Schäden, die durch den Vertrauensverlust der Konsumenten entstehen werden. Innerhalb des Konzerns wird man sich zudem die Frage stellen müssen, welche Führungsebenen über den Betrug Bescheid wussten oder ihn gar genehmigt haben. Dies kann sich bis in die Vorstandsetage der VW AG hinziehen.

VW-Vorstand Martin Winterkorn reagierte noch am Wochenende. Er ließ mitteilen, dass VW mit den Behörden vollumfänglich kooperieren würde. Gleichzeitig entschuldigte sich Winterkorn: „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben.“

Bild: VW AG