TrumpClinton

Am Ende siegt entgegen fast aller Prognosen Donald Trump.

Wir sind auf einem technischen Niveau angelegt, dass es einfach machen sollte, ein stimmiges Meinungsbild in der Bevölkerung zu errechnen. Aber nach der Präsidentschafts-Wahl in den USA zeigt sich, dass es so gut wie unmöglich ist, auch nur annäherungsweise vorauszusagen, wie eine Wahl ausgeht – trotz künstlicher Intelligenz, Big Data, Analyse von Social Media, Algorithmen und klassischen Befragungen.

Die meisten Demoskopen sind davon ausgegangen, dass es keine andere Präsidentin als Hillary Clinton geben wird. Wenn man alles zusammen rechnet, lag Hillary kurz vor dem Urnengang mit sechs Prozent vor ihrem Konkurrenten. Drei Prozent beträgt die offizielle Abweichungstoleranz solcher Rechenmodelle. Glückwunsch, Mrs. President! Aber es kam ganz anders. Ausgerechnet bei dieser historischen Entscheidung.

Offenbar sind Wählerbewegungen nicht auszurechnen. Oder die Modelle taugen nichts. Auch in Staaten, die vor der Wahl als sichere Clinton-Gebiete galten, entschieden sich viele Wähler für den Konkurrenten Donald Trump. Gründe für Rechenfehler dafür werden jetzt natürlich viele angeführt:

  • Die hohe Zahl an Nicht-Wählern, die dann doch an die Wahlurnen ging.
  • Die Zurückhaltung vieler Amerikaner, sich in Befragungen für Trump auszusprechen.
  • Die Bereitschaft der Hispanics einen Mann zu wählen, der ganz offenbar ein Problem mit Zuwanderern hat.

Doch das alles hätte Bestandteil von seriösen Rechenmodellen sein müssen, wenn wir in Zukunft solche Zahlen noch ernst nehmen sollen!

Infografik

So ganz sicher ist sich die Statistik selbst nicht: schwankende Wahlchancen von Donal Trumo laut der Wahlvorhersage von Iowa Electronic Markets.

Nein. Ein großer Verlierer der Wahl in den USA sind die Demoskopen. Sie haben viel Vertrauen verspielt. Niemand wird in Zukunft noch Lust haben, auf Tortendiagramme und Vorhersagen mit wachsenden Balken zu starren. Was für eine Niederlage für die Technik.

Vielleicht findet sich jetzt ein Startup, das mit anderen Mitteln versucht, ein stimmigeres Meinungsbild zu errechnen. Die Tür steht weit offen für neue Ideen. Die alten Vorhersager können nach Hause gehen.

Bild: Getty / Chip Somodevilla