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Wenn die Bezeichnung Seriengründer auf einen Menschen zutrifft, dann auf Muhammad Yunus: Bei mehr als 60 Unternehmen ist er involviert. Zu weltweiter Bekanntheit brachte Yunus es 2006, als er für seine Idee der Mikrokredite den Friedensnobelpreis erhielt. Mit den Kleinkrediten half seine Grameenbank unzähligen Menschen aus der Armut.

Sein Wort hat Gewicht – auch unter deutschen Unternehmern. Bei einem Treffen mit Yunus am Mittwochabend in Berlin fanden sich bekannte Szene-Köpfe ein, darunter Zalando-Gründer David Schneider und Project-A-Partner Thies Sander. Der Unternehmer aus Bangladesch war zu Besuch beim Fintech-Startup Bonify und erzählte von seinen Erfahrungen.

Gründerszene hat einige zentrale Aussagen zusammengefasst.

Warum Yunus die Ideen nicht ausgehen

Muhammad Yunus ist auch mit 76 Jahren immer noch vom Gründen begeistert: „Es gibt keine Knappheit an Ideen.“ Wenn man Unternehmertum im Blut habe, wolle man es „wieder und wieder“ tun. Jedes Mal, wenn er ein Problem sehe, überlege er: Wie kann eine Geschäftsidee das lösen? So gründete er etwa eine Telefongesellschaft oder ein Energieunternehmen, das Solar-Strom für die ärmere Bevölkerung liefert.

Wie man mit Problemen umgehen sollte

Bei vielen seiner Gründungen habe es Fehlschläge gegeben, sagt Yunus – zum Beispiel mit seinem Energielieferanten. Die Menschen in Bangladesch würden zwar viel Geld für Benzin ausgeben, um Licht zu haben. Doch als Yunus mit der Idee für billigen Solarstrom ankam, bissen sie nicht an. „Unsere Erklärung war zu akademisch“, sagt Yunus. Also versuchte er eine andere Verkaufsstrategie. Er habe den Dorfbewohnern gesagt: Gebt uns all das Geld, das ihr für Treibstoff ausgebt, und wir liefern euch dafür Strom. Wenn ihr nicht zufrieden seid, könnt ihr es wieder rückgängig machen. Die Erklärung ging auf und die Leute waren plötzlich mit dem Ergebnis zufrieden. Mittlerweile beliefere das Unternehmen viele Millionen Menschen mit Strom, erzählt Yunus.

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Welchen Vorteil ein Social Business hat

Der Friedensnobelpreisträger warb vor den Berliner Gründern und Investoren für die Idee von Social Startups. Der Unterschied zu kommerziellen Ideen: Normalerweise seien die Investoren begeistern von ihrem Gewinn, beim Social Business ginge es dagegen nur um das Resultat. Beides lasse sich nicht vereinen, weil es jeweils eine andere Zielrichtung geben würde. „Unternehmen, die ein Problem lösen, werden die Welt schneller verändern, als Unternehmen, die nur Geld bringen“, sagt Yunus.

Was jeder Unternehmer und Investor tun kann

Auf die Frage aus dem Publikum hatte Yunus direkt eine Antwort. „Schafft ein soziales Business nebenbei.“ So würden sich beispielsweise fünf junge arbeitslose Menschen in einen Job bringen lassen.

Warum es keine Arbeitslosigkeit mehr geben sollte

Yunus vertritt die Haltung, dass jeder Arbeit finden kann. „Wer ganz früher in seiner Höhle saß und gesagt hat, ich bin arbeitslos, war schon bald tot“. Jeder könnte zu einem Unternehmer werden und so etwas schaffen.

Muhammad Yunus spricht mit Kerstin Humberg. Die Gründerin von Yunel hat das Gespräch zusammen mit Bonify und der „Bill & Melinda Gates Stiftung“ organisiert. Bei seinem Deutschland-Aufenthalt hat sich der Unternehmer auch mit dem Team von Yunus Social Business getroffen, die in soziale Ideen investieren und ihren Sitz in Berlin haben.

Bild: Gründerszene