SoundCloud Go Launch Party In Berlin

Die SoundCloud-Topmanager Alex Ljung, David Noël und Eric Wahlforss (von links) beim Deutschlandstart der Premiumversion

SoundCloud entlässt 40 Prozent seiner Mitarbeiter und schließt zwei von vier Büros. Und das, obwohl der Streaming-Dienst den Umsatz nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt hat. Um den „langfristigen, unabhängigen Erfolg“ sicherzustellen, seien Kosteneinsparungen nötig, schreibt Mitgründer Alex Ljung in einem Blogpost. Die Verkaufsgerüchte mit Kandidaten wie Deezer, Apple, Google oder KKR stellen sich unterdessen als offenbar falsch heraus. Was ist los bei der Berliner Musikplattform?

Die Geschäftszahlen von SoundCloud sind – soweit bekannt – nach wie vor miserabel. 2014 machte das Unternehmen fast 40 Millionen Euro Verlust, 2015 waren es 50 Millionen. Im März diesen Jahres nahm SoundCloud dann einen Kredit über 70 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 61 Millionen Euro) auf, was als finanzieller Befreiungsschlag gewertet wurde. Schon Anfang 2016 gab es 32 Millionen Euro von Tennebaum Capital Partners, im Juni des gleichen Jahres dann noch einmal umgerechnet rund 87 Millionen Euro von Twitter Ventures. Viele Finanzierungen in kurzer Zeit, die auf einen sehr hohen Kapitalbedarf hindeuten.

Einnahmen soll neben Werbung das 2016 gestartete Abo-Modell SoundCloud Go bringen. Darüber, wie dieses von den Nutzern angenommen wird, gibt das Unternehmen allerdings keine Auskunft. Der Branchenanalyst Mark Mulligan von Midia Research schätzte vor Kurzem jedoch, dass die Konversionsrate zwischen Gratis- und Bezahlangebot deutlich geringer sei als bei der Konkurrenz. Während sich bei Spotify etwa ein Viertel der User für ein kostenpflichtiges Abo entscheide, seien es bei SoundCloud gerade einmal zwei bis drei Prozent. Spotify hat bereits 50 Millionen und Apple Music 20 Millionen zahlende Kunden.

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Ohnehin sind die Nutzerzahlen bei SoundCloud undurchsichtig. Auf Nachfrage spricht das Unternehmen von mehr als 175 Millionen aktiven Usern pro Monat – eine Zahl, die schon seit 2014 immer wieder genannt wird. Hat sich in den vergangenen drei Jahren also nichts getan? Schwer zu glauben, im März sagte ein Unternehmenssprecher noch zu Gründerszene, aufs Jahr 2017 gesehen erwarte man ein 2,5-faches Wachstum. Auf diesen Widerspruch angesprochen teilt SoundCloud nur mit, die 175 Millionen seien „die einzige Zahl, die wir derzeit nennen können“. Zum Vergleich: Die monatlich aktiven User stiegen bei Spotify zwischen Mai 2014 und Juni 2017 von 40 auf 140 Millionen

Und dann ist da noch die Unternehmensbewertung: Sie soll in Wahrheit nicht annähernd an die bei der letzten Finanzierungsrunde aufgerufenen 700 Millionen US-Dollar heranreichen, geschweige denn die eine Milliarde, die sich die Investoren angeblich für einen Verkauf wünschen. Anonyme Quellen sprachen im März gar davon, dass SoundCloud für nur 250 Millionen Dollar den Besitzer wechseln könnte – kaum mehr als die 230 Millionen, die seit der Gründung 2007 insgesamt in SoundCloud investiert wurden.

Auch wenn Eran Davidson, einer der Geldgeber hinter dem jüngsten 70-Millionen-Kredit, die Musikplattform für „deutlich unterbewertet“ hält – dass keiner der angeblichen Kaufkandidaten selbst zu einem solchen Schnäppchenpreis ernsthaft Interesse an SoundCloud zu haben scheint, spricht ebenfalls nicht gerade für dessen Geschäftsmodell.

Bild:Getty Images  / Matthias Nareyek