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Das Startup Refind will den Markt der Social-Bookmarkdienste aufrollen

Webseiten, auf denen man seine Bookmarks online speichern kann, gibt es schon seit vielen Jahren. Als Erstes tauchte der Dienst Delicious auf, der 2003 gegründet wurde. Yahoo kaufte das damals erfolgsversprechende Startup, kümmerte sich aber nicht um dessen Weiterentwicklung. Das brachte jede Menge Konkurrenz auf den Markt. Von Pinboard über Mr.Wong, Digg oder Pocket – die Liste an Social-Bookmark-Seiten ist lang. Jetzt kommt eine weitere Seite hinzu, die vor allem von Early Adoptern gehypt wird: Refind.

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Erreichen kann man den Dienst nur per Einladung (einfach hier klicken), ein Twitter Account ist zusätzlich nötig. Loggt man sich das erste Mal ein, wird man aufgefordert eine Reihe von Schlagwörtern auszusuchen. Hier kann man einerseits frei wählen, andererseits kann man sich auch ein paar Tags vorschlagen lassen. Aus diesen Tags bastelt die Software von Refind dann eine Leseliste, die an Flipboard erinnert. Artikel können mit einem Klick auf der Webseite gespeichert werden.

Wie bei den meisten aktuellen Diensten gilt: Je mehr man das System mit Daten füttert, desto besser werden die Vorschläge. Dabei arbeitet im Hintergrund ein Algorithmus, der aus den gebookmarkten oder geliked Artikeln lernt. So verbessern sich nach und nach die vorgeschlagenen Artikel, die man auf der Startseite angezeigt bekommt.

Die Verbindung zu Twitter ist eng. Jeder Link, den man postet oder liked, wird automatisch der eigenen Liste hinzugefügt. Dazu kann man auch Freundeslisten anlegen. Einzelnen Freunden kann man direkt über die Plattform interessante Links zusenden. Neue Freunde findet man, wenn man schaut, wer den Artikel auf Refind gespeichert hat. So lassen sich schnell Netzwerke erstellen.

Hinter Refind steckt der Schweizer Entrepreneur Dominik Grolimund. Refind ist nicht sein erstes Startup. Bekannt wurde er vor allem durch  den Cloudspeicher „Wuala“, den Grolimund zusammen mit Luzius Meisser an der ETH Zürich um 2008 herum entwickelt hatte. Das Unternehmen wurde 2011 an den Festplattenhersteller La Cie verkauft, hinter dem der US-Gigant Seagate steckt. Seit dem war der Gründer nicht untätig. Neben einer Plattform für Social Recruiting (Silp) kam Grolimund die Idee zu Refind. Aber warum ein Bookmark Tool, wo es doch schon viele andere gibt? Und was macht Refind so besonders?

„Bookmarks sind wie ein schwarzes Loch. Je mehr man rein wirft, desto unübersichtlicher wird es“, beschreibt der Gründer seine Ausgangsidee. Es gehe einerseits darum, die Bookmarks besser zu sortieren, andererseits auch darum, neue, passende Inhalte zu finden. Deswegen ist Refind beides: Einerseits ein Bookmark- und „Read it later“-Tool, andererseits ist ein automatisches wie individuelles Empfehlungstool. Ziel ist, dass man am Ende nicht nur seine Bookmarks teilt, sondern dank einer AI nur die wirklich relevantesten Links empfohlen bekommt. 

Refind erfindet das Rad nicht neu. Aber der Dienst kombiniert etliche Funktionen bereits bekannter Konkurrenzseiten und macht dies teilweise auch besser. Zwar ist das Layout von Flipboard schicker, dafür sind die sozialen Funktionen von Refind besser. Auch die enge Vernetzung mit Twitter gefällt gut, gehen gespeicherte Links auf Twitter doch sehr schnell unter. Und natürlich gibt es auch ein Bookmarklet, mit dem sich Seiten schnell bei Refind speichern lassen können.

Wie genau Grolimund mit dem bisher kostenlosen Dienst Geld verdienen möchte, bleibt allerdings bisher sein Geheimnis. Noch ist der Dienst in der Beta-Phase, allerdings hat man schon sogenannte „Coins“ eingeführt. Sinn und Zweck der internen Währung bleibt bisher unbekannt, aber die Vermutung liegt nahe, dass man die Coins zukünftig benötigen wird, um bestimmte Funktionen frei zu schalten.

Alles in allem ist Refind einen Besuch wert. Vor allem die automatisch erstellte personalisierte Linkliste auf der Startseite schaufelt immer wieder neue, interessante Artikel in die eigene Timeline. Die selber erstellten Bookmarks lassen sich leicht verwalten, dazu gibt es eine Liste, auf der man Links parken kann, die man später lesen möchte. Das geht auch mobil mit iOS oder Android.

Bild: Screenshot Refind