Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski und der ehemalige Cookies-Macher Lamine Cheloufi (von links)

Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski und der ehemalige Cookies-Macher Lamine Cheloufi (von links)

Nach acht Monaten Funkstille meldet sich das ehemalige Cookies-Team zurück. Mit einer neuen App für das Bezahlen unter Freunden, namens Wavy, starten sie wieder in den App-Stores. Die Ankündigungen sind – ähnlich wie anfangs bei Cookies – großspurig: „Wir wollen in Europa der führende Anbieter für Peer-2-Peer-Payment werden“, sagt Lamine Cheloufi gegenüber Gründerszene.

Anzeige
Kaum ein Startup hat im vergangenen Jahr die Fintech-Szene mehr umgetrieben. Durch geschickte PR-Arbeit berichteten viele Medien bereits vor dem Launch, insgesamt 1,5 Millionen Euro steckten Investoren in das Unternehmen. Doch schon wenige Monate nach dem Start folgte das große Drama. Es gab Streit mit dem Mitgründer Garry Krugljakow, das Unternehmen musste Insolvenz anmelden. Bis heute sind viele Details des Streits nicht öffentlich. Der schwedische Payment-Riese Klarna übernahm das Team mit etwa 15 Leuten für einen „unbedeutenden Betrag“. Es ist ein Kapitel, das Cheloufi jetzt auf Nachfrage nicht mehr kommentieren möchte.

Unter dem neuen Namen Wavy soll jetzt der Neustart gelingen, dafür greifen sie auf die Banklizenz vom neuen Eigentümer Klarna zu. Bereits zum Start ist das Produkt in 31 Ländern nutzbar. Über die App lässt sich weiterhin Geld verschicken und anfragen. Der Empfänger benötigt allerdings die Wavy-App nicht mehr. Er bekommt über Whatsapp, einen anderen Messenger oder Airdrop einen Link geschickt und kann per Kreditkarte oder über den bekannten Klarna-Service Sofort bezahlen. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch das deutsche Unternehmen Cashlink. „Wavy soll, wie schon Cookies, vor allem eine junge Zielgruppe ansprechen“, sagt Cheloufi.

Wie bei allen ähnlichen P2P-Payment-Apps liegt das Problem darin, möglichst viele Nutzer auf die Plattform zu bekommen – ist eine kritische Masse der Freunden oder Kollegen nicht mit der App unterwegs, nutzt es niemand – ein Henne-Ei-Problem. Es wird sich zeigen, ob Wavy das über die Link-Lösung schaffen kann.

Anzeige
Zudem ist die Konkurrenz groß. Paypal bietet ebenfalls einen kostenlosen Service an, Kwitt ist der Payment-Service der Sparkassen, mit großer Werbekampagne beworben. Und Startups wie Cringle und Lendstar versuchen sich bereits seit einigen Jahren in dem Markt. Der Vorteil für Wavy? „Über Klarna haben wir Zugriff auf Millionen Kunden in Europa“, sagt Cheloufi. Außerdem: „Paypal ist als Marke im P2P-Bereich für die junge Zielgruppe in Europa nicht interessant.“ Dafür habe der Payment-Anbieter in den USA die eigene Marke Venmo.

Über geschicktes Marketing auf Instagram will Wavy an Bekanntheit gewinnen. „Machen wir uns nichts vor, gegen die Marketing-Töpfe einiger Player kommen wir nicht an“, sagt der ehemalige Cookies-Macher. Am Ende gewinne das beste Produkt, ist er überzeugt. Ob es Wavy schafft, einen zweiten viralen Moment zu erschaffen, ist allerdings fraglich.

2

Bilder: Wavy