Im Reisebus zum Großkonzern: Vergangene Woche fand zum vierten Mal Web on Wheels statt. Die Bustour für Studierende im IT-Bereich wird von Unternehmen und Startups finanziert – mit einem Ziel: Sie wollen Mitarbeiter finden.

Rund 100 Studierende werden einen Tag lang zu Konzernen wie KPMG und Rocket Internet sowie kleineren Startups kutschiert. Die Auswahl der Firmen sei absichtlich breit, erklärte Organisator Lutz Leichsenring. So könnten Studenten sich einen guten Überblick verschaffen, denn die Teilnehmer stünden meist erst in der Mitte ihres Studiums und hätten eher wenig Praxiserfahrung. Viele wüssten noch gar nicht, was sie im Job konkret wollten.

Programmierer können in vielen Bereichen arbeiten. „Da gilt es herauszufinden, was zu einem passt“, so Leichsenring. „Möchte man lieber in einem großen Unternehmen arbeiten oder an einem kleinen Projekt mitwirken? Was sind die Gehaltsvorstellungen und wo werden diese erfüllt? Arbeite ich lieber im Team oder schraube alleine an Algorithmen im kleinen Kämmerlein?“

David Herzog, Informatikstudent an der TU Berlin, weiß bereits recht genau, was er von seinem zukünftigen Arbeitgeber erwartet. „Das Kernprodukt soll mit IT zu tun haben und nicht nur so eine Nebenabteilung im Haus sein.“ Dem 26-Jährigen sind ein entspanntes Umfeld und gute Bezahlung wichtig. Er will bei Web on Wheels potenzielle Arbeitgeber treffen und eventuell eine Alternative zu seinem jetzigen Job an der Uni finden. Der zahlt nur elf Euro pro Stunde.

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An den einzelnen Stationen des Busses wird nach einem kurzen Pitch der Unternehmen zum Netzwerken übergegangen. Nina Schwarze von der Content- und Werbeplattform Plista findet, so könne man besser Mitarbeiter entdecken als in Bewerbungsgesprächen. Schließlich begegne man sich auf Augenhöhe, tausche sich aus und vermeide eine angespannte Frage-Antwort-Dynamik wie in Jobinterviews. Und: Man könne erkennen, wie Studenten mit Mitarbeitern interagierten, ob sie ins Team passten oder nicht. Auch für die Studierenden sei es gut, das Unternehmen unverbindlich, aber konkret mit Büroräumen und Kollegen kennenzulernen. So etwas könne man auf einer Karrieremesse nicht bieten, so Schwarze.

Ein Problem hoffen die Unternehmen so zu beseitigen: Viele Studenten scheinen sich zu unterschätzen. Obwohl IT-Mitarbeiter händeringend gesucht werden, stellen Bewerbungsgespräche eine Hürde für die Studenten da, sie schrecken davor zurück. Das Problem hat sogar einen eigenen Namen: Impostor-Syndrom. Bei dieser psychologischen Erscheinung sind die Betroffenen unfähig, Erfolge zu internalisieren – ein bekanntes Phänomen unter Programmierern, denn von ihnen gibt es wenige, der Leistungsdruck ist hoch. „Neulich hatten wir einen Master-Studenten als Bewerber für eine Werkstudentenstelle da. Er hatte wahnsinnige Angst, nicht qualifiziert genug zu sein“, erzählt zum Beispiel Sarah Greiner-Miethe von der HR bei Plista. „Dabei hatten wir auf solch einen Mitarbeiter nicht mal zu hoffen gewagt.“

Bilder: Denise Woiwode, Plista